Zeitungskrise – verlorene Monopole

Aug 10 2014

In der aktuellen Ausgabe der FAS schreiben die Redakteure Patrick Bernau, Rainer Hank und Winand von Petersdorff „in eigener Sache“. Die Autoren versuchen die Ursachen zu ergründen, die ihre Branche in die Krise geführt hat. Es ist eine durchaus lesenswerte Reflexion.

Der Beitrag thematisiert die veränderte Lebenswirklichkeit gerade der jungen Generation, für die ein Zeitungsabonnement weder Statussymbol noch unverzichtbare Informationsquelle ist. Er geht auch auf die Entbündelung von Anzeigen und journalistischen Inhalten ein und verdeutlicht, dass damit für Verlage verbundene Problem. Bei den Anzeigen sind sie die Zwischenhändler, die langsam und teuer sind, aber nicht mehr gebraucht werden. Die Zeiten, in denen irgendwer Freitagabend am Werkstor der Druckerei auf die druckfrische Samstagausgabe wartet, um dann Anzeigen studieren zu können, sind vorbei. Gebietsmonopole der Verlage hatte diese Situation früher begünstigt.

„Es ist ein offenes, aber nie offiziell bestätigtes Geheimnis der Branche, dass diese Monopole nicht selten durch wettbewerbswidrige Absprachen zustande kamen, die sich freilich nie nachweisen ließen. Diese ganz besondere Struktur der deutschen Zeitungslandschaft bescherte den Verlagseigentümern über viele Jahrzehnte satte Renditen. Die örtliche Sparkasse oder der örtliche Supermarkt kamen gar nicht darum herum, in der Monopolzeitung ihre Reklame zu schalten, wollten sie wahrgenommen werden. Es blieb den werbenden Unternehmen gar nichts anderes übrig, als die von den Verlagen verlangten Anzeigenpreise knurrend zu schlucken.“

Die Anzeigenkunden sind abgewandert – schlimm genug. Lokale Verlage, die monopolbedingt keinen Wettbewerb kannten, haben nun mit einem Mal Konkurrenz aus den eigenen Reihen bekommen, da überregional Angebote nicht nur untereinander konkurrieren, sondern auch mit Lokalen. Eine Marktkonsolidierung wird die Folge sein.

Doch nicht nur auf der ökonomischen Seite hat sich nach Ansicht der Autoren die Macht zu Ungunsten der Verlage verschoben.

„Das Internet vermiest den Zeitungen nicht nur das Anzeigengeschäft, es untergräbt auch ihre Autorität. Wir Journalisten haben das Monopol als Experten für Nachrichten und Kommentare ein für alle Mal verloren. Für die Leser ist die neue, vielfältige Welt großartig. Die Journalisten allerdings sind entmachtet.“

Dass dieses Eingeständnis über die Notwendigkeit von Monopolen für das Verlegerwohl in der FAS zu lesen ist, ist insofern bemerkenswert, da auf diesem publizistischen Kanal Google immer wieder wegen seiner Marktposition angegriffen wurde.

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Fragen an die VG Media zur Umsatzbeteiligung von 11% beim Leistungsschutzrecht

Jun 22 2014

Sehr geehrter Herr Tenbusch,

als jemand, der die Entstehung des Leistungsschutzrechts für Presseverleger von Anfang an begleitet hat, interessiere ich mich nun ebenso für die Anwendung dieses Gesetzes. In den letzten Tagen gab es dann ein paar Meldungen, die mich aufhorchen ließen: einerseits Ihre Pressemittelung „VG Media klagt auf Zahlung gegen Google“ vom 18. Juni und andererseits der im Bundesanzeiger veröffentlichte „VG Media Tarif Presseverleger“ vom 13. Juni. Dazu habe ich einige Fragen.

  1. Etliche von Ihnen vertretene Verleger haben mit dem Inkrafttreten des Leistungsschutzrechts eine Erklärung für eine unentgeltliche Nutzung von Verlagsinhalten bei Google News abgegeben.
        a. Hat die VG Media diese Vereinbarung aufgekündigt?
        b. Bezieht sich die Klage gar nicht auf Google News?
  2. Der Tarif gilt, laut den Allgemeinen Bestimmungen, für Umsätze, die „unmittelbar und mittelbar mit der öffentlichen Zugänglichmachung von Ausschnitten aus Online-Presseerzeugnissen“ erzielt werden oder „mit einer solchen Verwertungen in Zusammenhang stehen“.
        a. Wie berechnen Sie den, nachdem Tarif relevanten, Teil des Umsatzes eines Unternehmens?
        b. Inwiefern wird dabei berücksichtigt, dass die aktuelle Nachrichtenlage (etwa dienWM 2014 oder die Ukraine) kein werberelevantes Umfeld ist?
        c. Inwiefern wird dabei berücksichtigt, dass Suchergebnisse bei Suchen nach Produkten zwar mit viel Werbung versehen sind, dort aber seltener Verlagsinhalte gelistet sind?
  3. Im Tarif ist eine Orientierung des Vergütungssatzes an den Umfang der von der VG Media wahrgenommen Rechte festgelegt. Derzeit gilt ein reduzierter Vergütungssatz von 6%. Dieser wird auf 11% erhöht, wenn die VG Media die Rechte sämtliche Presseerzeugnisse wahrnimmt, die von der Informationsgesellschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (IVW-Rubrik Online-Nutzungsdaten) erfasst werden.
        a. Warum gilt die IVW als Gradmesser, wenn dort heute schon nur ein Bruchteil der unter das Leistungsschutzrecht fallenden Inhalte erfasst wird?
        b. Bedeutet der Vergütungssatz von 6%, dass die VG Media nach Ihrer Ansicht bereits mehr als 50% der Leistungsschutzberechtigten vertritt?
        c. Wie hoch ist der Prozentsatz an tatsächlich Leistungsschutzberechtigten, den die VG Media aktuell vertritt?
        d. Sollen die Online-Nutzungsdaten der IVW für eine reichweitenabhängige Verteilung der Einnahmen durch das Leistungsschutzrecht herangezogen werden?
  4. Nach dem Tarif muss ein Unternehmen nur einen um ein Drittel reduzierten Vergütungssatz bezahlen, wenn es entweder eine Suchmaschine oder einen Dienst, der Inhalte entsprechend aufbereitet, anbietet.
        a. Muss Google nun den vollen Satz zahlen, obwohl Google News keine Werbung enthält?

Über eine aufschlussreiche Beantwortung der Fragen würde ich mich sehr freuen.

Bitte beachten Sie, dass dieser Text in meinem Blog www.presseschauer.de veröffentlicht wurde und ich mir vorbehalte Ihre Antwort ebenfalls zu veröffentlichen. Sollten Sie damit nicht einverstanden sein, bitte ich Sie dem ausdrücklich zu widersprechen.

Mit freundlichen Grüßen
Daniel Schultz

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Belügen Marion Horn und Julian Reichelt die Öffentlichkeit?

Jun 15 2014

Marion Horn, Chefredakteurin der BamS, und Julian Reichelt, Chefredakteur von bild.de, werden nicht müde offenkundige Falschinformationen im Internet zu verbreiten. So empören sie sich nach wie vor über die Weiterverarbeitung von Inhalten von Bild durch Focus Online. Dabei überschreiten sie eine Grenze, die Fragen nach ihrem Verständnis von journalistischer Tätigkeit und ihrer Eignung dafür auf werfen. Julian Reichelt wirft Focus Online neuerdings sogar Raub vor, also eine Straftat bei der Gewalt oder die Androhung von Gewalt im Raum steht.

Kürzlich titelte das Branchenmedium Meedia: „Studie: Otto Brenner Stiftung erkennt Bild den Journalismus ab“. Die von der Otto Brenner Stiftung herausgegebene und von Hans-Jürgen Arlt und Wolfgang Storz verfasste Studie greift Springer massiv an. Im Vorwort ist zu lesen:

„Der dramatischere Befund wird im Titel der neuen Studie ausgedrückt: „Missbrauchte Politik“. Die beiden Autoren machen deutlich: Egal welche Personen und Parteien die beiden Boulevardmedien favorisieren oder benachteiligen, „Bild“ und „BamS“ geht es in erster Linie immer um sich selbst. Sie benutzen ihre politischen Freunde kaum weniger als ihre politischen Gegner für den eigenen Erfolg, der sich in Auflage, Werbeeinnahmen und am Ende in der Jahresbilanz niederschlagen soll.“, Jupp Legrand Geschäftsführer der Otto Brenner Stiftung

Nun kann man diese Studie wie Claudia Tieschky als „weltfremd“ betrachten oder als Anstoß nehmen, darüber nachzudenken. Für Letzteres habe ich mich entschieden. Und da wird klar, dass „Bild Christian Wulff mit einer Falschmeldung stürzte. Zur besseren Nachvollziehbarkeit möchte ich den Blick auf das Verständnis der Verlage zu Qualitätsjournalismus lenken. So ist in einer gemeinsam von den Verlegerverbänden VDZ und BDZV – Axel Springer SE ist in beiden Verbänden Mitglied – herausgegebenen Broschüre darüber folgendes zu lesen:

„Gerade für die digitalisierte Medienwelt sind Verlage wichtig. Sie stehen für höchste redaktionelle Glaubwürdigkeit, für verlässliche Informationen und seriöse Recherchen – kurz: für Qualitätsjournalismus.“

Dort wird ebenso die eigene Erwartungshaltung gegenüber Journalisten und Verlagen mit sehr deutlichen Worten beschrieben.

„Erst recht in Zeiten, in denen im Internet offenkundige Falschinformationen und Verleumdungen kursieren, brauchen wir Journalisten und Verlage, die sortieren und bewerten, gewichten und kommentieren, erklären und analysieren und Verantwortung für das übernehmen, was sie tun.“

Nun ist es gerade so, dass das Handeln von Marion Horn und Julian Reichelt dieser Erwartungshaltung direkt entgegensteht. Beide bezichtigen Focus Online bzw. Mitglieder der Redaktion Straftaten, die sie nicht begangen haben. Stefan Niggemeier hatte das Gebaren von Julian Reichelt wie folgt kommentiert, was auch im Vorstand des Verlages zur Kenntnis genommen wurde:

„Es [Die Weiterverarbeitung der Texte durch Focus Online] scheint aber, erstaunlicherweise, nicht rechtswidrig zu sein. Zumindest räumt Julian Reichelt das ein, was ihn nicht daran hindert, „Focus Online“ zu bezichtigen, Straftaten zu begehen. In der Logik eines „Bild“-Menschen geht das problemlos: Jemanden, der etwas tut, was nicht strafbar ist, einer Straftat bezichtigen und auf Nachfrage auch darauf beharren.“

Auch ich habe sowohl Julian Reichelt als auch Marion Horn mehrfach auf die Falschheit ihrer Behauptungen hingewiesen. Ob die beiden Chefredakteure nun die Öffentlichkeit belügen, hängt von ihrem Wissen über die Unwahrheit der von ihnen verbreiteten falschen Behauptungen ab. Unwissenheit darüber könnte man vielleicht noch mit Ignoranz oder etwa mangelnden kognitiven Fähigkeiten begründen. Beides wenig zuträglich, um dem Anspruch der Verleger an Journalisten zu genügen, die Verantwortung für das übernehmen, was sie tun.

Jedenfalls verdeutlicht das Verhalten von Marion Horn und Julian Reichelt, warum es nötig ist, zu hinterfragen, ob die Publikationen der Axel Springer SE als Journalismus bezeichnet werden können. Denn diese Verbreitung von offenkundigen Falschinformationen, die an Verleumdung grenzen, ist zu tiefst unseriös. Den Verlegerverbänden VDZ und BDZV sollte bewusst sein, dass damit die von ihnen proklamierte „höchste redaktionelle Glaubwürdigkeit“ Schaden nimmt.

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Springerkindergarten: Berufsprovokateure, die nicht mit Provokation umgehen können

Jun 06 2014

Was für ein Theater ist eigentlich gerade in den Chefredaktionen der Axel Springer SE los? Marion Horn, Chefredakteurin der BAMS, fühlt sich offensichtlich provoziert. Julian Reichelt, Chef von bild.de, tobt wie ein Kleinkind, das im Sandkasten sitzend mit Förmchen um sich wirft, um seinem Willen Ausdruck zu verleihen. Frank Schmiechen, stellvertretender Chefredakteur der Welt-Gruppe, meint: zu Recht. Doch trotz Recherche findet er nicht ein Argument, welches seine Einschätzung untermauern könnte.

Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass mein Text zum Plattformneutralitätstest, an dem Marion Horn unfreiwillig mitgewirkt hat, zu keiner Reaktion ihrerseits führen würde. Ich hatte mich getäuscht – aber sowas von. Nach ihrer Meinung und nach der Meinung ihrer Claqueure: ticke ich nicht ganz sauber; bin ich ein Idiot, der seine Komplexe im Netz abreagiert; habe ich einen IQ von unter 80; soll ich mal arbeiten gehen, um zu lernen, wie Unternehmen funktionieren; und sowieso bin ich nur ein Selbstdarsteller und ein Troll, den man besser nicht füttert.

Zu so jemanden lässt sich also die gestandene und erfolgreiche Chefredakteurin herab und antwortet. Inwiefern soll ich denn überhaupt in der mir zugeschriebenen Position, in der Lage sein, ihre Autorität in Frage zu stellen, selbst wenn ich süffisant frage, ob sie Friede Springer fragen müsse, was gedruckt wird? Oder was sonst hat die Chefredakteurin zur Antwort bewogen? Fragen über Fragen!

Dabei sieht sie sich sogar noch als Opfer. Wenn überhaupt ist Marion Horn ein Opfer ihrer selbst, denn ihre Antwort lässt tatsächlich Zweifel an ihrer Autorität aufkommen.

Um etwas klarzustellen: Marion Horn war es zu keinem Zeitpunkt möglich die prinzipielle Veröffentlichung des Textes, den ich geschrieben hatte, zu verhindern. Daher hätte sie den Text nicht mal zensieren können, wenn Sie gewollt hätte. Es ging eben nicht um Zensur sondern um Plattformneutralität.

Ebenso scheint Julian Reichelt provoziert – allerdings nicht von mir. Er wettert in einem Interview gegen seinen ehemaligen Kollegen Daniel Steil, der nun Chefredakteur bei Focus Online ist. Der Burgfrieden zwischen Burda, der „dunklen Seite der Macht“, und Springer ist aufgekündigt. Für das Durchpressen des Leistungsschutzrechts war er noch hilfreich. Aber nun bezichtigt Reichelt Steil der Straftaten Diebstahl und Hehlerei. Dabei ist nicht erkennbar wie Steil diese begangen haben soll. Denn Prüfungen seitens Springer haben, laut Meedia, ergeben, „dass eine eindeutige Verletzung von Urheber- und ggf. Leistungsschutzrechten nicht nachgewiesen werden könne“.

Dabei geht es um Inhalte von Bild-Plus, der heiligen Paid-Content-Kuh von Springer. Mit Premium Qualitätsjournalismus, der sich zum Beispiel mit der gesellschaftlich hochrelevanten Frage beschäftigt, ob Hitlers Schreibtisch einen Internetanschluss hatte (!sic)?

Steil hatte diese Inhalte, offenbar im Rahmen des Urheberrechts, weiterverarbeitet und für Suchmaschinen optimiert. Reichelt hatte das sichtlich nicht gefallen und er entschied sich daher Steil mit unwahren Behauptungen zu diskreditieren und Straftaten anzudichten, die nichts mit dem Urheberrecht zutun haben. Dieses Kindergartentheater von Reichelt, das auch von Marion Horn und sogar Kai Diekmann befeuerte wurde, wirkt auf groteske Art trotzig.

Aber Reichelt habe doch Recht, meinte Frank Schmiechen. Steil müsse sich gut überlegen, ob er rechtlich gegen Reichelt etwa wegen Verleumdung vorgehe. Schmiechen erklärte, er wäre zwar kein Jurist, aber er habe recherchiert. Nur konnte er nicht mal irgendein Argument hervorbringen, warum Steil wegen Diebstahl oder Hehlerei belangt werden sollte. Was soll das denn bitte für eine Recherche sein? Darf man da von einem stellvertretenden Chefredakteur eines großen Verlages nicht so viel erwarten? Aber anstatt mir auf meine Frage, zu antworten, stellt mir Frank Schmiechen auf Facebook eine Freundschaftsanfrage – hääh???

Frank Schmiechens Freundschaftsanfrage

Frank Schmiechens Freundschaftsanfrage

Es ist schon sehr merkwürdig, was in der Chefetage von Springer gerade abgeht. Man möchte sich fazial palmieren für so viel WTF. Stefan Niggemeier vermutet, sie wären „bei „Bild“ aber ohnehin noch mit dem Auswechseln all der Sicherungen beschäftigt, die ihnen in den vergangenen Wochen im Streit mit „Focus Online“ durchgebrannt sind“. Mario Sixtus analysiert dazu treffend: „Bei Springer liegen offenbar mal wieder die Nerven blank“. Dem ist nichts hinzufügen!

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Was Marion Horn nicht in der BAMS gedruckt sehen möchte

Jun 01 2014

Folgenden Text wollte Marion Horn nicht in der BAMS abdrucken:

Gegen Google

Eine Phalanx von Unternehmen, bestehend aus Verlagen, Preissuchmaschinen, Kartendienste, aber auch der Telekom und sogar Microsoft, beklagt die Macht Googles. Sie werfen dem EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia Untätigkeit vor. Sie fühlen sich von Google benachteiligt, weil es unter anderem eigene Angebote bevorzugt: wen man etwa nach der Wettervorhersage für einen bestimmten Ort sucht, zeigt Google einem dies gleich auf seiner Seite an. Ein Klick auf die Seite eines Dritten wird somit überflüssig. Einer überwältigen Mehrheit von Nutzer der Suchmaschine ist das offenbar Recht, denn würden sie dort nicht finden was sie suchen, was würde sie aufhalten, eine andere Suchmaschine zu verwenden?

Medial wird das Klagen von einer Debatte über Google begleitet, die den Konzern auch in anderer Hinsicht kritisiert. Das reicht von der Zusammenarbeit mit Geheimdiensten, wozu teilweise ein juristischer Zwang besteht, über Steuersparmöglichkeiten, die im Übrigen auch von Unternehmen wie Volkswagen genutzt werden, bis hin zum Datenschutz.

Mathias Döpfner, Chef des Verlages zu dem auch die Bild am Sonntag gehört, pocht in der Debatte auch auf den Datenschutz. Das ist aus unterschiedlichen Gründen perfide. Zum einen haben Verlage mit der Nutzung von Google Analytics ihre Leser praktisch verraten, weil sie es erst ermöglicht haben, Google das Leseverhalten erfassen zu lassen. Zum anderen kämpft der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger, bei dem auch die Axel Springer AG Mitglied ist, gegen Datenschutz auf EU-Ebene, da dieser angeblich die Pressefreiheit bedroht. Ebenso haben die Verlage die Novellierung des Datenschutzes in Deutschland erfolgreich torpediert.

Dominiert wird die Debatte über Google derzeit von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Dort kommen vorwiegend hochrangige Personen zu Wort, die die Ansichten von Mathias Döpfner und Frank Schirrmacher, einem Herausgeber der FAZ, teilen. So musste Peter Tauber, Generalsekretär der CDU, erfahren, dass sein Beitrag hier nicht erwünscht ist. Für ihn kommen die Beiträge oft von Kulturpessimisten ersten Ranges und es war ihm nicht möglich dort einen Kontrapunkt zu setzen.

Man kann dies als „Sternstunde des politisch relevanten Feuilletons“ sehen wie Sigmar Gabriel oder eben, um die Argumentation der Verlage zu bemühen, als Missbrauch der Marktbeherrschung. Wer nun glaubt, es stehe den Redaktionen selbst zu, zu entscheiden was relevant ist, sollte sich ein politisches Anliegen der Verlage vor Augen halten, das bereits im Koalitionsvertrag steht. Hierbei geht es um die Regulierung von Suchmaschinen wie Google. So sollen Verlagsinhalte bevorzugt in der Trefferliste auftauchen. Damit wird Google die Entscheidung über die Relevanz genommen.

Der Beitrag von Peter Tauber, der jetzt auf seinem Blog zu lesen ist, würde dann schlechter gefunden werden, selbst wenn Googles Algorithmen ihn für relevanter halten als das, was in der FAZ steht. Das kann weder im Interesse der Nutzer sein noch im Interesse der Politiker.

Es war ein Experiment. Es ging dabei um die Frage, wie jemand entscheiden würde, der über Inhalte der BAMS entscheidet, wenn der Inhalt der Position des Verlags widerspricht. Zumal wenn Marion Horn als Chefredakteurin der BAMS auch noch behauptet, sie würde sich melden, falls ihr die Axel Springer SE etwas befehlen würde. Kern dieses Experiments ist allerdings die Frage nach Plattformneutralität, auf die sich der Koalitionsvertrag in sehr spezieller Form zu Gunsten der Verlage und zum Nachteil der Allgemeinheit bezieht.

In der aktuellen Diskussion über Google, die von Verlagen beherrscht wird, werden Diskussionsteilnehmer benachteiligt, denen ein Zugang zum Ort der Diskussion also den Plattformen der Verlage verwehrt wird. Wie zum Beispiel dem Generalsekretär der CDU, Peter Tauber, der sich gerne in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in die Debatte eingebracht hätte.

Nun wollte ich wissen, ob es bei der BAMS anders aussieht und stellte Marion Horn auf Twitter die provokante Frage, wann ich denn einen Meinungsartikel über Döpfners Ambivalenz zu Google in der BAMS veröffentlichen könne. Und ob sie Friede Springer dafür fragen müsse – muss sie nicht. Sie bot mir Mittwochabend an, ich könne ja einen Leserbrief schreiben. Leserbriefe sind im Sinne der Plattformneutralität interessant, da der Zugang zur Diskussionsplattform in mehrfacher Hinsicht diskriminierend stattfindet. Die BAMS schreibt dazu online:

„Je streitbarer der Text, desto besser. Je klarer die These, umso schöner. So schaffen wir mit unseren meinungsfreudigen Leserinnen und Lesern, die spannendste Debattenseite des Landes. Nirgendwo sonst werden die Themen so ausführlich diskutiert, die die Menschen wirklich bewegen.“

Während ich dann am Vormittag des nächsten Tages den „Leserbrief“ schrieb, antwortete Frau Horn auf meine Zweifel, der Text würde eh nicht von der BAMS veröffentlicht. Sie meinte, sie kenne den Inhalt nicht. Als der Beitrag wenige Stunden später fertig war und ich Marion Horn bat mir mitzuteilen, wo ich ihn hinsenden solle, kam keine Antwort – trotz mehrfacher Nachfrage. Es war keine große Schwierigkeit ihre persönliche Emailadresse in Erfahrung zu bringen und so schickte ich den Text Freitagmorgen an sie.

Auf die Nachfrage am Samstag, wie es aussieht, kam die Antwort: „Die Länge sprengt unsere Leserbriefseite… So nicht abbildbar“ (kein Einwand zum Inhalt). Sie hatte mir vorher weder eine maximale Länge des Textes mitgeteilt, noch stand dazu etwas auf der Webseite. Aber dann behauptet Sie dreist: „Na, Sie kennen doch die Seite… Sorry, jetzt echt Prod-Stress“. Mir bleibt schleierhaft woher ich „die Seite“ kennen könnte, da ich mich noch nicht einmal entsinnen kann je einen BAMS in Händen gehalten zu haben – aber sei’s drum.

Was für mich wirkt wie Vorwände den Text nicht zu drucken zu wollen, ist der #driverseat von Marion Horn, von dem aus Sie entscheidet, was in das Blatt kommt und was nicht. Mathias Döpfner wird das sehr recht sein. Aber wahrscheinlich wäre Marion Horn gar nicht in der Position, die sie jetzt bekleidet, wenn es nicht eh schon eine genügend große Übereinstimmung mit der Position des Verlages gäbe. Wolfgang Blau bezeichnete die Annahme, „Nur Print- und Broadcastmedien können für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Meinungspluralismus sorgen“ schon 2011 als Branchenmythos. Dabei zeigt das Verhalten der FAZ gegenüber Peter Tauber und der BAMS gegenüber mir, dass gerade Verlage ihre Macht missbrauchen, um Meinungspluralismus zu verhindern.

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