ByeBye TomTom

Jan 07 2010 Published by under medienkritik, meine realität

Ja, ich bin einigermaßen fasziniert von den Fähigkeiten, die für Google Maps Navigation angekündigt wurden. Aber seht selbst:

Nicht nur gravierende Usability-Mängel, die in den sonst angebotenen Systemen weit verbreitet sind, wurden ausgemerzt, sondern gleich ein rundum stimmiges System geschaffen. Quasi ein Navigations-Iphone, sofern man den Bildern und den Worten Glauben schenken kann. Nein, ein Gerät ist es keines – warum auch? Google konzentriert sich darauf seine Marke weiter auszubauen und überlässt das Bauen der Hardware anderen. Wie auch beim Nexus One. Gleichzeitig schafft Google ein für den Endanwender wertvolles Produkt und will, wie bei seinen anderen Produkten, von ihm kein Geld haben. Nur seine Daten und später etwas Aufmerksamkeit für die Werbung, sobald sich das Produkt etabliert hat. Dabei kommt Google dem Trend zum mobilen Alleskönner entgegen.

TomTom und andere Hersteller für Navigationssystem werden auf eine harte Probe gestellt und befinden sich nun auf der Seite der Verlage & Co., die auf einmal um ihr Geschäftsmodell bangen müssen. Doch haben sie ein Recht auf Existenz? Die Verlage begründen Ihre gern mit dem Grundrecht auf Pressefreiheit und meinen, sie als Verlage wären zwingen für die Pressefreiheit notwendig – eben Systemrelevant. In Frankreich geht man gleich einen Schritt weiter und prüft zu mindest mal eine Steuer, die auch im Ausland erhoben werden soll, gegen Google und andere, die die Presse bedrohen. Das dann nicht mehr von freier Presse gesprochen werden kann, steht auf einem anderen Blatt.

Nun zu Google-Analytics – Der Datenschutzbeauftragte von Rheinland-Pfalz hat gerade noch mal erklärt, dass diese von Google angebotene Software nicht datenschutzkonform ist und bezieht sich dabei auf das Telemediengesetz. Der Unterschied zwischen Google-Analytics und Google Maps Navigation besteht aus datenschutztechnischer Sicht bei einer Wahlmöglichkeit durch den Endanwender, die im Falle von Google-Analytics dem Endanwender entzogen wird. Da entscheidet der Webseitenbetreiber mehr oder weniger für ihn und der einfache Nutzer ist sich meist nicht im Klaren darüber, welche Daten er und dass er überhaupt Daten an Google übermittelt.

Für TomTom & Co. wird es auf Dauer schwierig werden mit Google mitzuhalten. Google hat in den letzten Jahren einen immensen Informationsvorsprung aufgebaut und beginnt gerade damit Android, seine Plattform für Mobileendgeräte, damit zu füttern und passende Applikationen dafür zu entwickeln. Manches wie etwa Goggles mutet noch wie eine Spielerei an, doch wird der Endanwender dazu verführt Google mit noch mehr aktuellen und positionsbezogenen* Daten zu befeuern, während im Hintergrund die Algorithmen sukzessive verbessert werden.

Wenn die Leute alles für Google fotografieren dann braucht Google seine Google-Street-View Autos oder Fahrräder nicht mehr losschicken. Und Leute, die etwas verkaufen möchten, haben per se ein Interesse daran, dass Google bezüglich ihrer Daten auf dem aktuellen Stand sind und sie leicht gefunden werden.

Je mehr Google-wasauchimmer zum Einsatz kommt umso besser für Google.

Ob man dabei bereit ist sein persönliches Mindbackup bei Google hosten zu lassen, sei jedem selbst überlassen.

mindbackup

*Da bin ich mir nicht ganz sicher, aber prinzipiell kann man zu Fotos die Position speichern und wieso sollte sie Google nicht abgreifen?

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