Aktion rettet den Bratwurstjournalismus

Jan 08 2010 Published by under medienkritik, meine realität

Es ist mal wieder soweit – kaum wurde ein Artikel in der Wikipedia ein neuer Artikel angelegt, so steht er nicht mal 10 Minuten später zur Löschdiskussion zur Debatte. „Löschen, gerne auch schnell“ wie Kolja21 an merkt. Das es in zwischen Nachts um 3 Uhr ist stört hier anscheinend niemanden. Hauptsache es kommen keine neuen Artikel in die Wikipedia, wir haben ja für euch schon alles Relevante aufgeschrieben.

Nun stellt sich die Frage, ob der Streisand-Effekt nicht auch für einen bedrohten Wikipediaartikel wirkt. Die Aktion rettet den Bratwurtsjournalismus soll ein Experiment sein, Aufmerksamkeit für diesen Begriff zu generieren damit er automatisch relevant wird.

Stellt sich natürlich die Frage, ob die Wikipedianer ihn dann erstrecht schnell löschen wollen.

„Wikipedia betreibt keine Begriffsbildung. Es muss also in jedem Fall sichergestellt sein, dass es sich bei einem Begriff nicht um eine ad-hoc-Begriffsbildung handelt, die nicht zur weiteren Verwendung gedacht ist bzw. keine Verbreitung gefunden hat.“ Wikipedia

Außerhalb der Wikipedia kann ergo Begriffsbildung stattfinden.

Also zeigt was ihr draufhabt, damit Bratwurstjournalismus bleibt!

P.S.: Hashtag #rettetbwj

erst_wenn_der_letzte_artikel_aus_der_wikipedia_geloescht_wurde_werdet_ihr_feststellen_dass_ihr_relevanz_nicht_messen_koennt

19 responses so far

  • […] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Daniel Schultz und Thomas Stadler, topsy_top20k erwähnt. topsy_top20k sagte: Aktion rettet den Bratwurtsjournalismus #rettetbwj http://bit.ly/6zEhSu […]

  • Social comments and analytics for this post…

    This post was mentioned on Twitter by presseschauer: Aktion rettet den Bratwurtsjournalismus #rettetbwj http://bit.ly/6zEhSu

  • […] jeden Fall sollte jeder mithelfen, dass der Bratwurstjournalismus weiterleben […]

  • Benedikt sagt:

    In der Löschdiskussion eins drunter, wollte dieselbe Person auch die „Unterhaltungsindustrie“ gelöscht wissen.

  • […] Tweets about this great post on TwittLink.com […]

  • Guten Tag!

    Darf ich mich als Wortschöpfer auch einmischen?

    Wenn ja: Ich habe Bratwurstjournalismus gesagt, nicht Bratwurtsjournalismus.

    :-)

    Einen schönen Tag wünscht
    Hardy Prothmann

  • andi sagt:

    Ich habe, um die Diskussion noch ein bisschen anzuheizen einen Artikel zu „Bratwurstbands“ auf Wikipedia verfasst, der aber leider auch schon zur Löschung steht.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:L%C3%B6schkandidaten/8._Januar_2010#Bratwurstband

  • […] Presseschauer […]

  • Jan sagt:

    Erstaunlich, wie lange das Spielzeug „WP-Löschdiskussionen“ in der Blogosphäre interessant bleibt.
    Hoffentlich passiert mir das mit meinen Kindern auch, dass die ein kostengünstiges und Eltern-Aufmerksamkeits-schonendes Spielzeug so lange toll finden.

  • Habe die Gelegenheit genutzt und mal wieder ein bisschen Wikipedia gehackt. Der Artikel sieht eigentlich schon ganz gut aus.
    Werde jetzt noch die beiden Begriffe „Bloggerszene“ und „Gefälligkeitsjournalismus“ aufmachen.
    Twitter: @meRaiMan

  • @Jan #9

    Bemerkenswerte Sichtweise: “WP-Löschdiskussionen” = Spielzeug in der Blogosphäre

    Meiner Beobachtung nach wird das Thema Löschungen i.w. innerhalb der Wikipedia-Gemeinde sehr ernst genommen. Hier wird tw. mit harten Bandagen gekämpft. Dass Vorkommnisse im Umfeld von Löschungen oder das System insgesamt auch mal Thema eines Blogbeitrags sind, ist nachvollziehbar: Wikipedia ist Teil unserer Welt.

    Über das, was Ihnen „hoffentlich mit Ihren Kindern passiert“ sollten Sie bei Gelegenheit auch noch mal nachdenken. Ich wünsche Ihnen jedenfalls, dass es Ihnen gelingt Ihre Kinder auch mit viel Aufmerksamkeit zu denkenden, gestaltenden Menschen heranzuziehen, die etwas spannend finden wegen des Inhalts.

  • Jan sagt:

    Raimund: Das war jetzt aber gemein, meine Ironie absichtlich so zu missachten :)

  • […] ist die entstandene Löschkultur in der Welt der Wikipedia. Einige Blogger möchten dieser Kultur nun entgegentreten – aus ihrer Sicht der Dinge kann es nicht sein, dass der Großteil neu angelegter Begriffe gleich […]

  • Jan sagt:

    Was ich mit #9 sagen wollte, ist, dass solche Versuche wie hier ziemlich albern und kindisch sind, sich aber trotzdem in der Blogosphäre immer wieder einiger Beliebtheit erfreuen.
    Wikipedianer sind von so was dann schnell genervt und ignorieren es (der Löschantrag kommt in diesem Fall sowieso durch, auf die diversen IP-Beiträge braucht man daher nicht mehr antworten). Sie ignorieren aber dann verstärkt auch das, was aus der Blogwelt sonst noch kommt.
    So eine Aktion ist aus meiner Sicht daher vollkommen kontraproduktiv, weil man sich als Diskussionspartner selbst disqualifiziert, obwohl man vielleicht was sinnvolles beizutragen hätte.

  • @Jan #15
    1. Ich habe in den letzten Tagen in der WP: (Wikipedia.de) gelernt, dass die Diskussion über Löschkultur sehr viel älter ist als in der Blogosphäre. Siehe auch Aktion in WP: Benutzer:Chaddy/Initiative_gegen_voreiliges_Löschen. Die neuen Beiträge, die da täglich reinsausen und mit einem LA (Löschantrag) belegt werden, kommen mit Sicherheit eher nicht aus der Blogosphäre. Die ernstzunehmenden Teilnehmer dieser Veranstaltung haben mit Sicherheit besseres zu tun als ständig bei WP: etwas reinzuschieben. Also nach WP: wo sind die Quellen?

    2. Was in der Blogosphäre mit Recht ein Thema ist, ist die WP: Löschkultur. Hier und dort mal wieder einen kleinen Aufstand in der WP: provozieren gehört dabei mit zum Geschäft.

    2. Die in der WP: an der Löschdiskussion (LD) beteiligten registrierten Benutzer reagieren zwar genervt bis gereizt, ignorieren aber keinesfalls sondern reagieren meist angemessen. Da gibts halt die Exklusies, die etwas abwehrender reagieren als die moderater gestimmten Inklusies. Heftig sind meistens nur die Reaktionen der anonymen IP’s. Schau dir die LD’s zu Bratwurstjournalismus und Löschhölle an.

    3. Eine solche Aktion als albern und kindisch zu bezeichnen finde ich albern und kindisch. Ohne eine LD gibts keine Dikussion und ohne Diskussion keine Bewegung. In WP: wird nichts ignoriert, sondern höchstens niedergemacht und mit einem SLA (Schnell-LA) belegt. Für die beiden oben genannten Begriffe hat das keiner gewagt.

    4. Was du mit „sonst noch aus der Blogwelt kommt“ meinst, verstehe ich nicht. Logisch würde es ja bedeuten, dass du meinst, dass die Blogger versuchen Juxanträge in die WP: reinzukriegen, damit sie es dann mit den ernst gemeinten Sachen noch schwerer haben. Ich glaube in der Blogosphäre ist der Masochismus eher unterrepräsentiert.

    5. Kontraproduktiv wozu? Wie z.B. in der LD von Löschhölle zu sehen, wird „unser“ Presseschauer in WP: durchaus wertgeschätzt. Dennoch wird die Diskussion selbst mit (angemessen) harten Bandagen geführt. Und das ist gut so. Ich glaube, den ernsthaften Bloggern ist es i.W. egal, was Wikipedianer von Ihnen denken. Ist auch nachvollziehbar: Sonst würden sie ja nicht bloggen, sondern wiki-en.

    Schönen Tag auch. Morgen gibts den Adminbescheid zum LA Bratwurstjournalismus.

  • Offizieller Abschluss der Aktion #rettetbwj

    Bratwurstjournalismus wurde heute offiziell bei Wikipedia gelöscht. Hier die Begründung:

    Entscheidung: Redundanzvermeidung, Theorieetablierung –Karsten11 (Wiki-Admin) 13:03, 15. Jan. 2010 (CET)

    Erläuterungen: Wir schreiben über Inhalte und nicht über Worte. Den Inhalt (Lokaljournalisten, die vorwiegend unkritisch und ohne Nachrichtenwert über gesellschaftliche Ereignisse auf lokaler Ebene berichten) gibt es natürlich. Und zumindest bei uns im Dorf fallen die meisten Lokaljournalisten in diese Kategorie (weil bei uns im Dorf selten weltbewegendes passiert und der Lokalteil dennoch gefüllt werden muss). Und da es den Inhalt gibt, haben wir auch einen Artikel hierzu: Lokaljournalist. Dort kann problemlos dargestellt werden, ob es Qualitätsprobleme im Lokaljournalismus gibt. Natürlich sachlich, neutral, belegt… Wenn es Schlagworte gibt, mit denen Sachverhalte vielfach beschrieben werden, kann man diese Schlagworte im Fachartikel erwähnen. Ein eigener Artikel über das Schlagwort schafft nur Redundanz. Offensichtlich hat aber bis jetzt niemand diese Schlagwort für wichtig genug gehalten, um es in Lokaljournalist zu erwähnen (ich auch nicht). Daher gibt es zur Zeit keine Redundanz (die ansonsten Löschgrund wäre). Damit das Schlagwort erwähnt werden kann, bedarf es einer breiten Verwendung. Auch wenn die Googlehits ordentlich sind, ist dies nicht gegeben. Es handelt sich um eine neue Wortschöpfung. Es kann sein, dass sich diese durchsetzt und eine Art „Gattungsbegriff“ wird. Zur Zeit ist es ein Wortspiel mit geringer Bekanntheit. Ich will zur Begründung den Artikelautor zitieren (wenn die verlinkte Darstellung korrekt ist [4]): „Es gab für diese Methode zu allen Zeiten geeignete Bezeichnungen und Abwandlungen, etwa den Schnittchenjournalismus, den Gefälligkeitsjournalismus, das Runterschreiben, den PK-Abschreiber, den PR-Journalismus.“ So ist es. Der Sachverhalt wird mit zig Begriffen belegt. Lemmafähig sind diese nicht. Einige davon vieleicht im Fachartikel erwähnenswert. — Karsten11 13:03, 15. Jan. 2010 (CET)

    Hallo Karsten11 – Ein würdiger Abschluss mit einer dankenswert sachbezogenen, ausführlichen Begründung, die für jeden, der die Relevanzkriterien und den aktuellen Diskussionsstand um die deutsche Löschkultur kennt, nachvollziehbar und damit akzeptabel sein sollte (für mich ist das so). Du hast ja auch angedeutet, dass es möglicherweise eine Zukunft gibt für den Begriff. Schaun mer mal. Bei mir ist das Thema jedenfalls auf Wiedervorlage. Herzlichen Gruß — RaiMan (Raimund Hocke) 13:29, 15. Jan. 2010 (CET)

    Abschließend glaube ich, dass es nicht effizient ist, mit Begriffen, die auch für neutrale Beobachter im Sinne der Wikipedia-Richtlinien geringe Relevanz haben in der Löschkulturdebatte mitmachen zu wollen.

    Solche Begriffe wie Löschhölle sind da wesentlich effektiver, da sie den Kern ansprechen.

    Die derzeitige Ruhestätte des Bratwurstjournalismus im Marjorie-Wiki betreue ich aktiv.

  • […] es Jahres habe ich mich mit Bratwurstjournalimus auseinandergesetzt, einem jungen Begriff, den man in der Wikipedia für irrelevant hält. […]

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