Bereits im November letzten Jahres hatte Christoph Keese, Konzerngeschäftsführer „Public Affairs“ beim Alex-Springer Verlag, den Begriff Fair Search gegenüber Carta erwähnt. Er beschreibt die Forderung der Verlage nach der Offenlegung der Algorithmen, die für die Erstellung der Suchergebnisse bei Google & Co verantwortlich sind. Durch den hohen Marktanteil, von etwa 90% in Deutschland, hat Google im Suchmaschinenmarkt eine dominante Position, die auch missbraucht werden kann – unbestritten. Dass man seitens der Verlage diesbezüglich gegen Google wettert und das Kartellamt informiert, ist in gewisser Form nachvollziehbar.
Ist es aber auch gerecht fertigt?
Gehen wir in der Betrachtung einen Schritt zurück und vergleichen einmal die Funktion und die Marktposition einer Lokalzeitung einer Stadt mittlerer Größe im letzten Jahrhundert mit Google. Wie Google lenkte die Lokalzeitung damals die Aufmerksamkeit eines Großteils der Bevölkerung auf bestimmte Themen, auch in Form von Anzeigen. Der einfache Handwerker, der zum Ankurbeln seines Geschäfts etwas von dieser Aufmerksamkeit abhaben wollte, war gezwungen die saftigen von den Verlagen diktierten Anzeigepreise zu akzeptieren oder medial praktisch nicht zu existieren. Im letzten Jahrhundert befanden sich die Verlage sogar noch in einer aus ihrer Sicht sehr komfortablen Position, gegebenenfalls Anzeigekunden ablehnen zu können. Gleichzeitig war die Bevölkerung auf die lokale Berichterstattung durch die Zeitung angewiesen und hatte vielleicht bei größeren Städten die Möglichkeit eine andere Zeitung zu wählen. Aber selbst auf überregionaler Ebene gab es eine übersichtliche Anzahl von Verlagen, die sich auf dem Zeitungsmarkt behaupteten. Das Kartellamt hatte ein Auge auf zu starke Medienkonzentration (siehe Springer / Sat.1).
Google hat in den letzten Jahren sukzessive die Zahl der Parameter, die für die Erstellung der Trefferliste in unterschiedlicher Gewichtung dienlich sind, erweitert. Da die Parameter nicht direkt von Google veröffentlicht werden, beschäftigen sich Herscharen von SEO-Berater mit dieser „Geheimwissenschaft“, um die Webseiten ihrer Kunden weiter vorn im Index erscheinen zu lassen. Und auch der Verband Deutscher Zeitungsverleger hält dies für keinen faulen Trick. Die Zeitungen investierten zum Teil zusätzlich noch in Google-Adwords, um leichter gefunden zu werden. Google veröffentlich die Parameter und deren Gewichtung aus einem guten Grund nicht: Die Manipulierbarkeit des Index! Nun fordern aber die Verlage diesbezüglich eine Transparenz von Google ein, die man im Umkehrschluss von ihnen ebenfalls einfordern müsste.
Oder sind Verlage per se objektiv und integer?
Ein weiterer Punkt, den die Verlage Google bei der Erstellung des Index ankreiden, ist die Bevorzugung von eigenen Produkten. Also Werbung in eigener Sache. Nun wird aber von gerade seitens der Verlage ebenfalls Werbung in eigener Sache betrieben. Sei es die Bild mit ihrer Iphone-App, Susanne Gaschke für ihr Buch oder Frank Schrimmachers für sein Buch. Das sind noch die harmlosen Beispiele. Der Versuch der Einflussnahme auf die Gesetzgebung, hier sei das Leistungsschutzrecht erwähnt, wiegt da wohl viel schwerer. Hierbei scheut man in der Argumentation auch nicht zurück, das Grundgesetz ins Feld zu führen um aus einer Pressefreiheit ein Existenzrecht für Verlage abzuleiten, da sie als Lieferanten und Garanten des Qualitätsjournalismus durch das Internet bedroht sind. Die Vergütung für freie Journalisten unterstreicht letztendlich, was man von Qualitätsjournalismus tatsächlich hält – im Zweifel gar nichts!
Ob Google tatsächlich seine Macht missbraucht, ist sicher eine berechtigte Frage. Aus Richtung der Verlage, unter Berufung auf Systemrelevanz, bekommt sie aber einen faden Beigeschmack.
Abschließend muss diese Frage noch gestellt werden:
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wichtig für eine demokratie im esseziellen allgemeinwohlbefördernden sinne sind weder suchmaschinen noch verlage.
wichtig ist die größt mögliche transparenz von politik und eine möglichst geringe wirschaftliche ungleichheit. resourcenkonzetration führt zur konzentration von einfluß und macht und da könnte man ja eigentlich ehrlicherweise das preußische dreiklassenwahlrecht wieder einführen so wie die dinge
bei uns stehen.
aber wenn ich unbedingt zu wählen hätte fände ich langfristig die suchmaschinen wichtiger, denn die verlage haben sich in den letzten 30 jahren wirklich nicht verdient gemacht um die demokratie. sie waren großteils hofberichterstatter, werbeumfeldfgestalter oder gleich ideologischer kettenhund.
suchmaschinen sollten möglichst neutral bleiben, damit wäre der demokratie am meisten gedient und das wird nicht von allein so kommen oder bleiben.
Ich quäl mich gerade durch Herrn Schirrmachers Buch (war ein Weihnachtsgeschenk…) und diese unerträgliche Jammerei geht mir dermaßen auf den Zeiger. Der Typ ist Herausgeber einer der größten deutschen Zeitungen und lässt allen Ernstes so einen Mist vom Stapel: “Unsere Köpfe sind die Plattformen eines Überlebenskampfes von Informationen, Ideen und Gedanken geworden, und je stärker wir unsere eigenen Gedanken in das Netz einspeisen, desto stärker werden wir selbst in diesen Kampf einbezogen”.
Aua! Geworden? Wann? Letztes Jahr? Oder vielleicht doch schon zur Zeit der alten Agypter? Er selbst konnte bis Anfang dieses Jahrtausends diesen “Kampf” ja prima mit einseitiger Überlegenheit schlagen. Nun auf einmal kommen die bösen “digital natives” daher und haben sich eigene Waffen zugelegt, um endlich mal zurück zu kämpfen. Das passt den Zeitungsfuzzis und Verlegern natürlich überhaupt nicht in den Kram. Und da sie jetzt nach 10 Jahren erkannt haben, dass der Kampf verloren ist, rennen sie zu Mutti Merkel, damit die den anderen ihre Schäufelchen wegnimmt. Erbärmlich.
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Daniel Schultz, Spartacus23 erwähnt. Spartacus23 sagte: Fair Search http://tinyurl.com/yljsvrv [...]