Mitte der 90er Jahr gab es noch diesen Spruch: „Im Internet weiß niemand, dass du ein Hund bist“. Wer sich heute im Netz bewegt, ist nicht nur aus technischen und rechtlichen Gründen meist leichter zu identifizieren, oft will man sich aus gesellschaftlicher Erwünschtheit in dieser Öffenlichkeit zu erkennen geben.
Währenddessen meinen einige Politiker, das Internet wäre ein rechtsfreier Raum und hinter allen Ecken lauern Gefahren. Die Gefahren lauern auch in Städten und Dörfern, aber fordert man hier Namenschilder als geeignetes Mittel zur Verbrechensbekämpfung? Nein, man fordert “nur” eine permanente Ausweitung von Überwachungskameras, die künftig an Quadrokoptern um uns herumschwirren werden. Ob diese Überwachungsmaßnahmen ein Mehr an Sicherheit bringen ist zweifelhaft und man scheut sich, wie etwa bei der Berliner Verkehrsgesellschaft BVG, die Verhältnismäßigkeit zu untersuchen.
Die Bestrebungen das Internet mehr zu überwachen und zu kontrollieren, zeigen sich über all auf der Welt. Da begegnen meist jüngere und aufgeschlossener Menschen den neuen Ausdrucks- und Gestaltungsformen mit einer spielerischen Art. Sie entwickeln Ideen und Gedanken, verändern dabei Sprache, formen neuartige Codes oder verbreiten Meme, die für Außenstehende sonderbar, vielleicht bedrohlich, wirken. Gleichzeitig ermöglicht die Technik extrem schnelle Verbreitung und adhoc Organisation zu Themen. Etablierte, über Jahre gewachsene Institutionen, wie etwa Parteien oder Unternehmen, wissen nicht wie sie damit umgehen sollen. Wenn dann, aus ihrer Sicht aus dem Nichts, plötzlich ein Shitstorm angerollt kommt, ist man über die Tragweite verwundert.
“Don’t worry we are from the internet”
Dabei können Flashmobs einen lustigen und kulturellen Charakter haben, wenn mit einem Mal zwei Gruppen Wildfremder mit Luftballons aufeinander zu stürmen oder in Stockholm Menschen synchron zu Michael Jackson, anlässlich seines Todes, tanzen. Die politische Dimmension von Smartmobs haben Politiker letztes Jahr zum Zugangserschwerungsgesetz wahrnehmen können, als am Brandenburgertor spontan eine Mahnwache veranstaltet wurde oder als Bundeskanzlerin Angela Merkel mit nicht ernst gemeinten Jubelrufen in ihren Reden begleitet wurde. Carrottmobs oder der Rettungsanker für Haiti zeigen, dass Menschen sich sozial engagieren und selbständig organisieren. Sie sammeln ohne Gottschalk Spenden und unterstützen Menschen in ihrer Umgebung, aber auch in der Ferne.
Manche Idee ist erfolgreich, motiviert Tausende sich anzuschließen und die Idee weiterzutragen. Dem Ideengeber ergeht es wie dem Zauberlehrling, der mit einem Mal nicht mehr Herr der Lage ist, aber bitte schön zur Verantwortung gezogen werden soll.
An Wikileaks sieht man am besten warum eine Gesellschaft ein Recht auf Anonymität braucht!
In manchen Teilen des Internet ist Bernd bereits zu einem Synonym für Anonymität geworden, so wie in anderen Teilen Guy Fawkes! Die Bewertung von Information wird für Menschen, die nicht mit diesen neuen Umgangsformen aufgewachsen sind, sehr schwierig. Zum Amoklauf von Winnenden wurde nicht nur Heribert Rech, Innenminister von Badenwürtemberg, sondern weite Teile der Bevölkerung getrollt. Das mag für einige witzig sein, aber im Grunde ist es traurig, da man sich bestätigt sieht, noch mehr Überwachung zu implementieren.
Es gibt gute Gründe für Anonymität, aber leider einen kleinen Teil der Bevölkerung, der sie missbrauchen möchte. Und einen anderen, der die Anonymität aus Angst vor Kontrollverlust abschaffen möchte.
For the Win!
Am 01.02.2010 soll nun der Being Bernd Day 2010 stattfinden. Dafür liegen Bilder von Bernd bereit, die an diesem Tag Profilbilder auf sozialen Netzwerken zieren sollen. Schlüpft in die Rolle von Bernd, zeigt den Politikern, dass ihr nicht mit allem zufrieden seid, aber bereit seid mit Spaß und konstruktiv mitzuwirken.
Also Bernds, zeigt was ihr auf dem Kastenbrot habt und lasst es Thomas de M. wissen!
Hashtag: #bbd10
Being Bernd 2010 on Facebook
So, jetzt geh ich wieder zur Beruhigung die Rauhfasertapette anstarren.
Euer Bernd
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