fragmentierte und vernetzte Öffentlichkeit

Sehr geehrter Herr Prof. Eurich,

auf der Internetseite von DerWesten werden Sie mit folgenden Worten zitiert:

„Unser demokratisches Verständnis ist abhängig von einer funktionierenden Öffentlichkeit” Prof. Claus Eurich

Wenn ich den Artikel richtig interpretiere, sind dafür folgende Punkte maßgeblich zu berücksichtigen:

  1. Digitale Spaltung
  2. Ort und Persistenz öffentlicher Äußerungen
  3. Zunehmende Fragmentierung der Gesellschaft

Zu 1.) Dass nicht alle Bürger Zugang zum Internet und die nötige Medienkompetenz für eine aktive Partizipation am demokratischen Prozess haben, sehe ich gleichfalls als ein akutes Problem an. Dabei verhält sich dies aus meiner Sicht ähnlich, wie bei der Notwendigkeit der Entwicklung einer gemeinsamen Sprache oder der Alphabetisierung der Gesellschaft. Also handelt es sich im Wesentlichen um eine Erziehungs- und Bildungsaufgabe, die lösbar erscheint.

Zu 2.) Hier sehe ich, ähnlich wie Sie, das Problem der Privatisierung öffentlich gemeinter Kommunikation. Plattformen wie Facebook & Co. suggerieren eine Öffentlichkeit, wie Shopping Malls, die schlicht einem Hausrecht unterliegen. Im Zweifel hat der Plattformbetreiber die Möglichkeit missliebige Inhalte, auch auf Druck von außen – etwa durch Staaten oder Unternehmen, zu unterbinden. Allerdings ist dieses Phänomen gleichfalls bei Zeitung, Radio und Fernsehen zu beobachten und insofern nicht neu. Dies trifft im Übrigen auch auf die Persistenz der öffentlichen Äußerung zu, da diese in die Archive der traditionellen Medien wandern und im Zweifel gegen jemanden verwendet werden. Und wenn sich am Stammtisch jemand zu etwas äußert, dann kann er sich auch nicht sicher sein, wie die Anwesenden die Information verwenden oder ob der Wirt bestimmte Diskussionen duldet.

Zu 3. habe ich kein Statement sondern nur ein paar Fragen:

  1. Steigert die gewachsene Zahl unterschiedlicher Fernsehprogramme, Radiosender oder Printmedien den Grad der Fragmentierung der Gesellschaft?
  2. Übernehmen Suchmaschinen, Aggregatoren und soziale Netzwerke eine Funktion, die einer Fragmentierung der Gesellschaft gegenläufig sind?
  3. Inwiefern spielen Methoden der Netzwerkanalyse für die Gewinnung ihre Erkenntnisse eine Rolle?

Bitte beachten Sie, dass dieser Text in meinem Blog www.presseschauer.de veröffentlicht wurde und ich mir vorbehalte Ihre Antwort ebenfalls zu veröffentlichen. Sollten Sie damit nicht einverstanden sein, bitte ich Sie dem ausdrücklich zu widersprechen.

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Schultz

by Arenamontanus

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