Ein Geschäftsmodell – Dank dem Leistungsschutzrecht!

Jan 31 2011 Published by under medienkritik, meine realität, Rechteverwerter

Von Verlegerseite war in der Diskussion um das Leistungsschutzrecht für Presseverleger ein Argument zu hören, das ich zugegebenermaßen nicht ernst genommen hatte. Ein Leistungsschutzrecht würde neue Geschäftsmodelle erst ermöglichen. Nun skizziert der Bundesverband deutscher Pressesprecher in seinem Brief an Sabine Leutheusser-Schnarrenberger den Bedarf einer Dienstleistung, die sich aus der Rechtsunsicherheit für Unternehmen ergibt.

Da Verlage sich die Lizensierung der gewerblichen Nutzung journalistischer Inhalte wünschen, dies aber aus betriebswirtschaftlicher Sicht nur in begrenztem Maße für Unternehmen, für die Gesamtheit der Beschäftigten mit Internetzugang, dienlich ist, sieht der BdP eine Einschränkung der freien Internetnutzung am Arbeitsplatz kommen.

„Den Mehrbelastungen durch eine zusätzliche Leistungsschutzabgabe werden jedoch absehbar keine auch nur annähernden Erhöhungen der Budgets in den Pressestellen gegenüberstehen. Damit aber sind die Folgen vorhersehbar: Die BdP-Mitglieder werden Abonnements gedruckter Presseprodukte und weitere Ausgaben für die Pressearbeit reduzieren und zugleich empfehlen müssen, die Nutzung des WWW in Behörden und Unternehmen weitgehend zu untersagen. BDZV und VDZ haben wir daher bereits erläutern müssen, dass u.E. im Ergebnis nicht mit signifikanten Mehreinnahmen durch ein Leistungsschutzrecht zu rechnen ist. Gleichzeitig aber erweist dieses sich als schädlich, da es eine freie Internetnutzung am Arbeitsplatz beschränken wird.“ Bundesverband deutscher Pressesprecher

Nun ist die Internetnutzung am Arbeitsplatz in vielen Fällen nur geduldet. Zwar ist eine gute Informiertheit, über aktuelles Tagesgeschehen, für ein Unternehmen wünschenswert, doch nur ein Bruchteil der Beschäftigten ist zur Erfüllung der täglichen beruflichen Aufgaben tatsächlich auf journalistisch aufbereitete Informationen angewiesen. Ein Leistungsschutzrecht würde einer Einschränkung der Internetnutzung durch die zusätzlichen Kosten Vorschub leisten.

Daraus ergibt sich der Bedarf einer Dienstleistung, an deren Geschäftsmodell die Verlage aller Voraussicht nach nicht finanziell partizipieren werden – im Gegenteil.

Um sich vor der durch das Leistungsschutzrecht aufgeworfenen Rechtsunsicherheit zu schützen, könnte ein Verlagsleistungsblocker zum Einsatz kommen. Die Funktionsweise wäre ähnlich wie bei einem Adblocker, der bei beim Öffnen einer Webseite automatisch alle Werbung herausgeschneidet. Über Blacklists, die regelmäßig mit einem Server synchronisiert werden, bestimmt ein im Browser installiertes Plugin welche Inhalte nicht angezeigt werden und verhindert damit schon das Herunterladen der Werbung. Beim Verlagsleistungsblocker würde dann entsprechend das Herunterladen von Verlagsinhalten unterbunden und alle Links auf Verlagswebseiten prophylaktisch entfernt.

Nichtsdestotrotz können viele Unternehmen nicht auf das Internet verzichten, sei es zum Planen und Buchen von Reisetätigkeiten der Mitarbeiter, zur Nutzung von SocialMedia oder einfach für den schnellen Blick in die Wikipedia. Wenn es ein Dienstleister den Unternehmen mit einem Verlagsleistungsblocker ermöglicht Lizenzgebühren für das Leistungsschutzrecht zu sparen und gleichzeitig dafür Rechtssicherheit bietet, so kann dies ein Anreiz sein in derartige Technologie zu investieren.

Gleichfalls wären aufgrund der nationalen Beschränkung des Leistungsschutzrechts nur deutsche Verlage betroffen. Die Mitarbeiter könnten sich also weiterhin aus ausländischen Publikationen informieren ohne gegen Lizenzen zu verstoßen.

Doch was folgt daraus? Ein Verlagsleistungsblocker wird für einen massiven Rückgang der Reichweite sorgen. Damit einhergehend werden die Werbeeinnahmen bei deutschen Verlagen sinken und die Werbebudgets weiter zu Google, Facebook & Co. abwandern.

Das Ganze zeigt wieder einmal, dass die Befürworter eines Leistungsschutzrechts für Presseverleger die Idee nicht zu Ende gedacht haben. Von einem „Schuss ins Knie“ kann man schon gar nicht mehr sprechen, viel mehr sprengen sich die Verlage mit ihrem Vorhaben die Beine weg.

Aber solange die Verlegerlobby unsere Kinder indoktrinieren darf, ist ja alles Bestes!

by Alex E. Proimos

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5 responses so far

  • Jemi sagt:

    Der Verlagsblocker macht keinen Sinn. Es muss die Pflicht der Unternehmen sein, ihre Inhalte durch Bezahlschranken zu schuetzen. Das Problem ist doch einfach nur das die Medien ihre durch physische Medien temporal-spaciales Quasi-Monopol verloren haben. Im guten Wettbewerb austauschbarer Gueter geht der Gewinn natuerlich gegen null. Qualitaet und exclusiver Zugang sind da die einzigen, zulaessigen Stellschrauben. Pauschal Steuern die privaten, oder oeffentlich-rechtlichen = quasi privat Anbieter privligieren sind hoechst uneffizient und ungerecht. Wie soll den eigentlich die Verteilung der ueber das Leistungsschutzrecht erhobenen Gelder funktioneren? Wenn ich meinen eigenen Verlag gruende, bin ich dann auf Grund meiner Groesse aussen vor und benachteiligt?

  • [...] Ein Geschäftsmodell – Dank dem Leistungsschutzrecht! [...]

  • [...] sie bereit sinkende Werbeeinnahmen und dies nicht kompensierende Lizenzeinnahmen eines Leistungsschutzrechts, nur um des Rechtes willen, in Kauf zu nehmen? Und wenn ja, [...]

  • [...] Die Argumentation der Verlegerseite hat sich dabei immer wieder verändert: Im Jahr 2010 wurde so explizit noch gefordert, quasi eine „Presse-GEZ“ für alle 20 Millionen gewerblich eingesetzten PCs in Deutschland einzuführen, von denen aus kostenlose Verlagsinhalte im Internet abgerufen werden können. Sogar die Gründung einer entsprechenden Verwertungsgesellschaft wurde schon geplant. Inzwischen zielt die Forderung wieder stärker in Richtung Google und anderer Nachrichten-Übersichten. Das Festhalten an einer so weitreichenden – man möchte sagen: gierigen – Forderung hatte schließlich wohl auch aus Sicht der Verlagslobby das gesamte Unterfangen in Gefahr gebracht. [...]

  • [...] nachweisen, dass die durch das Monopolrecht eingenommen Lizenzgebühren an dieser Stelle, die durch firmeninterne Internetsperren wegbrechenden Werbeeinnahmen mehr als kompensieren [...]

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