Verlegen im Kaufhaus

Feb 13 2011 Published by under der presseschauer fragt nach, Rechteverwerter

Sehr geehrter Herr Fürstner,

den Ideologen der Freiheit wird ja gerne vorgeworfen, sie wären nicht bereit, nur um ihrer persönlichen Freiheit willen, Prinzipien der analogen Welt ins Digitale zu übertragen.

Angenommen in einer Stadt eröffnete ein neues Kaufhaus. Die Betreiber entschieden sich für ein innovatives Konzept und boten Herstellern von Produkten die Möglichkeit, einen Stand im Kaufhaus kostenlos zu betreiben. Man wollte damit das Kaufhaus bekannter machen. Die Hersteller waren begeistert. Einer von ihnen ließ sich gar dazu hinreißen, alle Hersteller aufzufordern, doch die Betreiber des Kaufhauses lobend in ihren Gebeten erwähnen, da das neue Kaufhaus die Zukunft ganzer Branchen sichere. Die Hoffnung und die Erwartungen der Hersteller waren groß – Wirtschaftskrise und strukturelle Änderungen der Marktbedingungen hatten die Hersteller gebeutelt. Man war weit weg von den Traumrenditen des letzten Jahrhunderts. Doch jetzt sollte sich alles ändern – zum Guten. Schließlich waren allein die Hersteller für den Wohlstand der Gesellschaft verantwortlich.

Zunächst sah es so aus, als würde alles gut werden. Doch dann ging der erste Aufschrei durch die Reihen der Hersteller. Die Betreiber des neuen Kaufhauses hatten Artikel von den Ständen der Hersteller entfernt, die nicht ihren Vorstellungen entsprachen. Dabei wollte man nur familientaugliche Produkte im neuen Kaufhaus anbieten. Zähneknirschend gaben die Hersteller klein bei, schließlich überwogen die Vorteile.

Als das neue Kaufhaus bekannter und auch bei den Kunden immer beliebter wurde, entschied sich das Management zu einer Restrukturierung. Man wollte die Produkte jetzt selber verkaufen und sich vom Shop-in-Shop-System verabschieden. Alle Waren sollten über die Kassen des neuen Kaufhauses laufen und nicht mehr von den Herstellern direkt verkauft werden können. Die Hersteller würden 70% des Verkaufspreises bekommen und könnten aber den Preis selbst festlegen. Die Hersteller liefen gegen die Ideen des Kaufhauses Sturm. Sie würden den Herstellern die Möglichkeit nehmen Kundenkontakte zu pflegen. Außerdem würde damit der Wettbewerb außer Kraft gesetzt und eine neue Wirtschaftsordnung einführt, klagten die Hersteller. Alles ganz schlimm. Doch das Management des neuen Kaufhauses entschied kurzer Hand alle Hersteller, die bisher noch nicht einmal für Miete, Strom und Heizung aufkommen mussten, vor die Tür zu setzen.

Herr Fürstner, die neue Wirtschaftsordnung nennt sich Marktwirtschaft und als neu kann sie schon lange nicht mehr bezeichnet werden. Aber das kann man ja schnell vergessen, wenn der eigenen Branche Monopolrechte gewährt werden, die die Prinzipien der Marktwirtschaft aushebeln.

Ansonsten fände ich es nur fair, wenn Sie ein kostenfreies Abdrucken des Kommentars zum Leistungsschutzrecht für Presseverleger, von Mario Sixtus, in der FAZ, die ja sonst als Sprachrohr der Verlegerinteressen zu dienen scheint, einfädeln würden. Ihre Forderungen indessen sind nicht anderes.

Bitte beachten Sie, dass dieser Text in meinem Blog www.presseschauer.de veröffentlicht wurde und ich mir vorbehalte Ihre Antwort ebenfalls zu veröffentlichen. Sollten Sie damit nicht einverstanden sein, bitte ich Sie dem ausdrücklich zu widersprechen.

Mit freundlichen Grüßen


Daniel Schultz

by extranoise

No responses yet

Hinterlasse eine Antwort

eu912

Bitte geben Sie den Text vor: