Urheberrechts- und Persönlichkeitsrechtsverletzungen als Qualitätsjournalismus?

Mai 13 2011 Published by under der presseschauer fragt nach, medienkritik

Sehr geehrter Herr Keese,

um es kurz vorwegzunehmen, ich teile ihre Einschätzungen, bei meinen Ausführungen auf The European würde es sich um ein vergiftetes Lob handeln, nicht. Natürlich konnte ich es mir nicht verkneifen, dort die eine oder andere Spitze zu platzieren. Doch unterm Strich bin ich ihnen tatsächlich für die Aufmerksamkeit, die Sie mir entgegen gebracht haben, dankbar. Gleichwohl werde ich weiter kritisieren, was ich für kritikwürdig halte.

Wie aktuell den Medien zu entnehmen ist, konnte die Axel Springer AG wiederum Umsatz und Gewinn steigern. Insofern ist die Forderung nach einem Leistungsschutzrecht immer noch nicht nachvollziehbar. Ebenso scheint das Urheberrecht vor Allem etwas zu sein, auf das man pocht, wenn es zum eigenen Vorteil gereicht.

„Die Schwäche im deutschen Zeitungsmarkt wurde mit einem kräftigen Wachstum im digitalen und internationalen Geschäft mehr als wettgemacht.“ Heise Online

Bereits zu unserem Interview warf ich ihrem Hause vor, Urheberrechts- und Persönlichkeitsrechtsverletzungen als Qualitätsjournalismus verkaufen zu wollen. Worauf hin Sie erst Beispiele einforderten und anschließend entgegneten:

„Wir achten Persönlichkeits- und Urheberrecht. Wer sich darin verletzt sieht, führt Klage vor einem ordentlichen Gericht.“ Christoph Keese

Mit der Veröffentlichung des Interviews haben Sie ihr eigenes Wort gebrochen, schließlich war ihr Vorschlag, jeder würde seinen Sprechteil redigieren, um die Lesbarkeit des Textes zu verbessern bzw. Trankskriptfehler zu korrigieren. Fraglich ist, in wie fern Sie dadurch Persönlichkeits- und Urheberrechte verletzt haben? Zumindest liegt nach gängiger Rechtsauffassung das Urheberrecht beim Interviewer und nicht beim Interviewten. Und ich kann mich nicht entsinnen, in eine Veröffentlichung durch Sie eingewilligt zu haben.

Nun haben Sie in diesem Zusammenhang für die Axel Springer AG gesprochen und das Interview später offensichtlich privat veröffentlicht. Aber auch wenn das „Wir“ für die Axel Springer AG steht kann ich ihre Achtungsbekundung nicht ernstnehmen, da ihr Kollege Dietrich von Klaeden ähnliches behauptet und die Titelseite der Bild-Zeitung dies in Frage stellt.

Interessant finde ich jeweils den Verweis auf die juristischen Optionen. Dass die Bild-Zeitung weiterhin in der Form aufmacht, lässt zwei Schlussfolgerungen zu. Entweder wissen zu wenige Betroffene von der Möglichkeit dagegen vorzugehen, Herrn Klaedens Verweis auf Medienkompetenz lässt grüßen, oder das Strafmaß ist schlicht zu niedrig bemessen.

Bitte beachten Sie, dass dieser Text in meinem Blog www.presseschauer.de veröffentlicht wurde und ich mir vorbehalte Ihre Antwort ebenfalls zu veröffentlichen. Sollten Sie damit nicht einverstanden sein, bitte ich Sie dem ausdrücklich zu widersprechen.

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Schultz

by BernieCB

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