Tätigkeitskategorisierung: Das EPPAA-tivitäten-Diagramm (Update)

Nov 11 2011 Published by under Allgemein, meine realität

Letzte Woche hat Sascha Lobo bei Peter Hahne sein neues Buch Wortschatz-Buch vorgestellt. Dabei hat er mir ein Wort (ab 18:52 Min) geschenkt, das mehr oder weniger das mir noch fehlende Puzzleteil war: Praktivitäten. Mir gefällt dabei die Art der Wortbildung. Diese hatte mich selbst dazu angeregt, für eine Tätigkeitskategorisierung den Gedanken weiterzuspinnen und in Anlehnung daran selbst neue Worte zu schöpfen.

  • Mit Praktivitäten sind Tätigkeiten im Arbeitsumfeld gemeint, die auch der Praktikant erledigen kann.
  • Mit Automativitäten sind Tätigkeiten im Arbeitsumfeld gemeint, die auch ein Automat erledigen kann.
  • Mit Externativitäten sind Tätigkeiten im Arbeitsumfeld gemeint, die auch der Kunde erledigen kann.
  • Mit Parasitivitäten sind Tätigkeiten im Arbeitsumfeld gemeint, die auch Niemand erledigen kann.

Diesen drei vier Tätigkeitskategorien ist gemein, das sie aus Sicht eines Unternehmers ein Einsparungspotential darstellen, sofern es sich noch um eine Aktivität eines Mitarbeiters handelt. Daraus ergibt sich dann das Externativitäten-Praktivitäten-Parasitivitäten-Automativitäten-Aktivitäten-Diagramm oder kurz das EPPAA-tivitäten-Diagramm.


CC-BY-SA Radially-symmetrical five-set Venn diagram devised by Branko Grünbaum created by Cmglee

Wie im Diagramm zu erkennen ist, gibt es zwischen allen Kategorienschnittmengen. Die Tätigkeiten sind im Wandel der Zeit einer Veränderung unterworfen und wandern von einer Kategorie in eine andere. Die Schnittmenge zwischen zwei Kategorien beschreibt den Phasenübergang, zu dem diese Tätigkeit noch von Mitarbeitern und Automaten oder von Mitarbeitern und Praktikanten oder von Praktikanten und Automaten ausgeführt wird. Bei Externativitäten ist dieser Phasenübergang ähnlich. Sie stellen aber in diesem Zusammenhang eine Besonderheit dar, weil sich der Kunde theoretisch dazu entscheiden kann diese Tätigkeit zu delegieren.

So kann etwa der Kunde von IKEA entscheiden, ob er den Aufbau der Möbel selbst vornimmt, den Aufbauservice von IKEA in Anspruch nimmt oder ob er einen Dritten mit dieser Tätigkeit beauftragt. Roboter, die IKEA Regale aufbauen sind indes noch Zukunftsmusik.

Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Automatisierung schlagartig Menschen obsolet machen kann. Aktuell ist das Geschäftsmodell von Taxifunkzentralen gefährdet und damit die Arbeitsplätze von Menschen. myTaxi ist eine Applikation, die den gesamten Prozess verändert und vor allem das Callcenter, des bisherigen Abwicklungsvorgangs, obsolet macht.

Ein Übersetzer mit dem ich kürzlich sprach, erzählte mir von den Fortschritten der Automatisierung in seinem Tätigkeitsfeld. Diese sind so beachtlich, dass sich seine Aufgabe häufig nur auf das Redigieren von maschinell übersetzten Texten beschränkt. Im EPPAA-tivitäten-Diagramm lässt sich die Übersetzungsarbeit irgendwo in der Schnittmenge zwischen Aktivität und Automativität verorten.

Das vorgestellte Diagramm möchte ich hiermit zur Diskussion stellen. Kritik, Fragen und Anregungen sind ausdrücklich erbeten.

[Update 29.11.2011] Tilo Buschmann wies mich darauf hin, dass es ästhetischere Möglichkeiten gibt Venn Diagramme mit mehr als drei Flächen darzustellen. Jörg Blumtritt regte an noch eine zusätzlich Kategorie einzuführen, die im Wesentlichen verzichtbare Tätigkeiten beschreibt, die aus irgendwelchen Gründen mitunter künstlich erhalten bleiben. Um dem eingangs erwähnten Schema treu zu bleiben habe ich diese Kategorie spontan als Parasitivitäten bezeichnet.

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