Angemaßte Urheberschaft

Jan 06 2012 Published by under meine realität, Rechteverwerter

In der brand eins ist ein sehr lesenswertes Interview mit dem Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Karl-Nikolaus Peifer erschienen. Dort beschreibt er, wie die „kleine Münze“, also die Untergrenze, ab der ein Werk durch das Urheberrecht geschützt ist, durch die Digitalisierung zu einer Herausforderung für die Rechtspflege und zu einer Belastung für Gerichte geworden ist.

„Durch digitale Technik entstehen massenhaft Werke, mit nur sehr geringer Schöpfungshöhe. Und diese Werke fallen der kleinen Münze wegen regelmäßig allesamt unter den Schutz des Urheberrechts. Ab Veröffentlichung sind sie jahrzehntelang geschützt.“, erklärt Prof. Dr. Karl-Nikolaus Peifer

Da ich mich eben mit dieser Grenze des Urheberrechts auseinandergesetzt hatte, stellte ich Prof. Dr. Karl-Nikolaus Peifer kurzerhand ein paar Fragen per Mail. Freundlicherweise hatte er nichts gegen eine Veröffentlichung einzuwenden, so dass auch die Antworten jetzt hier zu lesen sind.

Sehr geehrtere Herr Peifer,

vielen Dank für das ausführliche Interview, welches Sie der brand eins zum Urheberrecht gegeben haben. Ich teile ihre Einschätzung der Problematik der „kleinen Münze“. Aufgrund meines eher technischen Hintergrundes brennt mir die Frage nach dem Umgang mit computergenerierten Texten unter den Nägeln. Soweit mir als juristischem Laien bekannt ist, genießen diese wegen der fehlenden „persönlichen geistigen Schöpfung“ keinen Schutzanspruch. Daraus resultiert für mich die Herausforderung für Richter eine Art umgekehrten Turing-Test bestehen zu müssen, also zu erkennen, ob ein Text tatsächlich von einem Menschen stammt, um eine Urheberrechtsfähigkeit feststellen zu können.

Ansonsten stelle ich mir noch die Frage, inwiefern die Kombination aus irrationalen Zahlen, dem Infinite-Monkey-Theorem, und UrhG § 10 dazu geeignet ist Urheberschaft abzuerkennen.

Das habe ich versucht in diesen Texten darzulegen:

Mich würde ihre Einschätzung dazu interessieren, auch wenn ich mir bewusst bin, dass Sie als Lehrstuhlinhaber dafür nicht unbedingt Zeit entbehren können.

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Schultz

Sehr geehrter Herr Schultz,

haben Sie besten Dank für Ihre Kommentare zu meinem brand-eins-Interview. Es tut einem Wissenschaftler gut zu wissen, dass solche Interviews mit sehr viel mehr Interesse gelesen werden als Fachartikel.

Zu Ihren Fragen, für die ich gleichfalls danke:

Ihr Eindruck, dass computergenerierte Werke keine persönlichen geistigen Schöpfungen und daher nicht urheberrechtsschutzfähig sind, ist richtig. Das kontinentaleuropäische Urheberrecht fußt auf dem Grundsatz, dass nur persönlich verantwortete Kommunikationsbeiträge einen solchen Schutz erlangen.

Der endlos tippende Affe hat daher ebenfalls keine Chance auf Urheberschutz, denn nur natürliche Personen kommen als Schöpfer in Betracht. Das kann man philosophisch erklären (das Recht schützt die persönliche Entfaltung von Menschen, nicht von Tieren, daher dürfen wir letztere schlachten und vertilgen) oder utilitaristisch (wie es die Anglo-Amerikaner bevorzugen): den Anreiz durch Verdienstmöglichkeiten befolgen nur Menschen in der durch das Urheberrecht gewünschten Weise. Affen dichten schon nicht mehr, wenn sie satt sind.

§ 10 UrhG ändert daran nichts, denn die Vermutung gilt nur, wenn das Werk von einem Menschen stammt und sein Name auf dem Werkstück befindlich ist. Das schließt es allerdings nicht aus, dass der Künstler, der den Affen mit einem bemalten Schwanz auf die Leinwand schickt, sich das “Werk” des Affen als eigenes anmaßen kann. Beweisen werden wir ihm das Gegenteil wohl nicht können. Da hatten wir es bei zu Guttenberg etwas leichter. Insofern haben Sie mit Ihrem Text im European allerdings den Punkt gut getroffen. Angemaßte Urheberschaft wird ohne seinerseits befugten Kläger (z.B. die Autoren der Originaltexte, so sie keine Affen sind) kaum aufzudecken sein. Das ist allerdings ein allgemein juristisches, kein urheberrechtliches Problem.

Ich hoffe, diese Zeilen beantworten einigermaßen zuverlässig Ihre hochinteressanten Fragen.

Mit freundlichen Grüßen

Peifer

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w9Or

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