„Springer konsequent für geistiges Eigentum“ – „O RLY?“

Jan 09 2012 Published by under meine realität, Rechteverwerter

Man kann verstehen, dass es dem Boulevardblatt der Axel Springer AG eine Meldung wert war, über die Verlobung von Julia Schramm und Fabio Reinhardt zu berichten. Dabei bediente man sich zur Bebilderung eines Fotos, welches Julia Schramm von dem Verlobungsring gemacht und ins Netz gestellt hatte.

Die Masche ist nicht nur von diesem Boulevardblatt hinlänglich bekannt und kann als Witwenschütteln 2.0 bezeichnet werden. Sobald etwas zum Erregen von Aufmerksam als tauglich erscheint, begeben sich sogenannte Journalisten in Soziale Netzwerke, um dort nach Bildern, Videos oder Texten zu suchen, die ihre Story unterfüttern sollen. Persönlichkeitsrechte oder Urheberrechte spielen dabei in der Regel keine Rolle. Die Liste derartiger Verfehlungen ist lang und ausreichend im Bildblog dokumentiert.

Um den Verlagen einen Anreiz zu Wahrung der Persönlichkeitsrechte zu geben, ist es erforderlich eine Abschöpfung der Gewinne zur Entschädigung der Opfer bzw. ihrer Angehörigen einzuführen, weil die Redaktionen dabei nicht selten im wörtlichen Sinne über Leichen gehen.

Verwunderlich ist diese Vorgehen aber nicht, auch wenn man die Wichtigkeit des Schutzes eines angeblichen „Geistigen Eigentum“ wie eine Monstranz vor sich herträgt. Es ist einfach eine Milchmädchenrechnung, in der die zusätzlichen Erlöse mit den möglichen Forderungen der Geschädigten abgewogen werden.

Seit Jahren werben die Verleger nun für ein Leistungsschutzrecht, welches als dem Urheberrecht anverwandtem Schutzrecht gegen das „Böse Internet“ helfen soll. Von einer schleichenden Enteignung sprechen die Befürworter. Doch handelt es sich dabei um ein neues Monopolrecht, von dem bislang weder der Schutzgegenstand noch Schutzberechtigte klar abgegrenzt werden konnten. An dieser Stelle wird in der Diskussion gerne auf den schon seit einer Ewigkeit ausstehenden Referentenentwurf verwiesen, dem man nicht vorgreifen möchte. Verständlich, weiß man doch im Justizministerium ganz genau, dass dieser Entwurf leicht in der Luft zerrissen werden kann.

Aber warum sollte man den Verlegern überhaupt ein neues Schutzrecht gewähren? Sollte das Urheberrecht mal nicht aus monetären Erwägungen heraus vorsätzlich gebrochen werden, so sind die Redaktionen doch jetzt schon mit dem aktuell geltenden Urheberrecht überfordert. Das spricht viel mehr dafür die Komplexität des Urheberrechtes zu reduzieren, als ein neues Monopolrecht einzuführen.

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