Urheberrecht: Arbeitsteilung und Zahlungsbereitschaft

Mai 02 2012 Published by under medienkritik, Rechteverwerter

An diese unsägliche Kampagne „Raubkopierer sind Verbrecher“ und die bewusste Kriminalisierung der Nutzer erinnere ich mich noch ganz gut. Die regelmäßigen Warnhinweise im Kino und auf DVDs halten diese Erinnerungen stets im Gedächtnis. Die Gräben der Urheberrechtsdebatte wurden schon vor Jahren sehr tief ausgehoben. Dabei schob man die Künstler gern nach vorne und jammert beim Gesetzgeber. Der auch die Gesetze zu Gunsten der Verwerter verschärfte. Und dadurch, dass die Rechteverwerter den kreativ Tätigen nur einen winzigen Bruchteil abgeben, haben entsteht bei den Nutzern ein Bild wie es Julia Schramm beschreibt (Kurz – schwurbel: Böser Verlag).

Über die notwendige Arbeitsteilung bin ich mir im Klaren und weiß auch, dass nicht jeder Künstler sich selbst vermarkten möchte. Das ist seine Entscheidung, die er mit einem geringeren Anteil am Erlös bezahlt. Wenn ich dann zum Beispiel so etwas über den Auswahlprozess von Musikband lese, bleibt mir der Mund offen stehen:

„Welche das sind, darüber entscheidet ein Manager, der sein Gehalt damit rechtfertigt, dass er den Geschmack besser trifft als andere: Zehn Prozent Trefferquote sind normal, 90 Prozent Flops die Regel.“, so der Kommentar in der FAZ

Wenn man bedenkt, dass auf die 90 % Flops genauso Million Etats drauf geworfen werden, halte ich das für äußerst ineffizient und stelle den Job des Musik Managers als solches in Frage (Ach so, sein Bauchgefühl ist Gold wert). Kaum anders verhält es sich meines Erachtens mit Verlagsentwicklungen wie „Chatter“

Wenn man dann noch mitbekommt, wie Tim Schaffer von Publishern mit seiner Idee abgelehnt wird, verdeutlicht das noch mehr, wie unpassend und unzeitgemäß die Herangehensweise ist.

Gleichzeitig ist Tim Schaffers Projekt Double Fine Adventure ein Leuchtturm Beispiel für die Zahlungswilligkeit der Nutzer, deren Abwesenheit zumindest auf der einen Seite des Graben gerne unterstellt wird. Nur die Zahlungsbereitschaft für Ineffizienz hält sich berechtigterweise in Grenzen.

„Der große Vorteil des Crowdfunding ist nämlich, dass es gleichzeitig eine Art Marktforschung in Echtzeit darstellt und den für das Gelingen entscheidendsten Teil, die Vermarktung also, an den Anfang stellt.“, meint Sascha Lobo

Und ich sehe das übrigens ähnlich. Ein weiterer Vorteil ist die Vorfinanzierung und das Crowdsourcing des Marketings. Das reduziert zum einen nochmal Kosten und vor allem verhindert es, dass mal eben 170 Millionen Dollar für einen Hugo Cabret verballert werden, der dann gerade mal 74 Million wieder einspielt. Und nein da hilft auch kein Brancheninternes gegenseitiges Eierkraulen in Form von irgendwelchen Auszeichnungen (Ach so, der Verbraucher ist dumm und versteht nicht das der Film eigentlich großartig ist). Natürlich ist es für Kunst legitim am Geschmack der Leute vorbei zu produzieren. Nur darf man dafür keine finanziellen Wunder erwarten.

Noch ein Beispiel für die Zahlungswilligkeit der Nutzer ist Tim Pritlove, der von ca. 1700 Menschen regelmäßig über Flattr Geld bekommt. Er schätzt den Anteil der Hörerschaft seiner kostenfrei verfügbaren Podcast mit 10%, die ihn so unterstützt. In absoluten Zahlen ausgedrückt, sind die Zuwendungen auf etwa 2500€ im Monat angestiegen. Ich würde von einer Win-Over-Rate von 10% sprechen. Äußerst schade ist, wie herabwürdigend Harald Staun in der FAZ diese Investition in Kulturproduktion als Bettelei brandmarkt und mit Trinkgeldern gleichsetzt. Dabei frage ich mich, ob er ein Trinkgeld gibt, wenn an der Tür des Restaurants steht: „Betteln und Hausieren verboten“?

Die sich ändernden Rahmenbedingen sind für Labels, Verlage und Publisher natürlich unschön. Die fetten Jahre sind dort einfach erstmal vorbei und man muss sich genau überlegen in welcher Form man noch an diesem Spiel partizipieren möchte. Die kreativ Tätigen sind nicht mehr in dem Maße auf Mittelsmänner angewiesen, weil sie und auch ihre Fangemeinde Teil der Aufgaben übernehmen können. Genauso wie es fraglich ist, ob das Urheberrecht selbst nicht hauptsächlich den Mittelsmännern dient und ob es überhaupt für das eigene Auskommen zwingend notwendig ist.

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