Das Leistungsschutzrecht ist nötig, um sich vor der Axel Springer AG zu schützen!

Jul 09 2012 Published by under medienkritik, Rechteverwerter

Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger setzt sich bekanntermaßen für das Leistungsschutzrecht für Presseverleger ein. Daher hat man vor ein paar Tagen eine „Dokumentation des Missbrauchs“ – eine stattliche PowerPoint-Präsentation in Umfang und Gewicht – veröffentlicht.

Eingeführt wird dieses Informationshäppchen mit beschwichtigenden Worten, die sich an Blogger, die Wikipedia oder sich ihnen verbundenen Geister richten.

„Aus gegebenem Anlass zeigen wir mit einer kurzen Dokumentation, dass Blogger, Wikipedia und co nichts zu befürchten brauchen: Es geht um die, die Verlagscontent ungeniert zusammenkopieren und damit Geld verdienen.“, so der VDZ

Ja, wer verdient denn jetzt eigentlich das große Geld mit den ungeniert zusammenkopierten Verlagsinhalten?

„Vor welchem Missbrauch schützt nun also das Leistungsschutzrecht? Dies sollen die angehängten Folien kurz demonstrieren.“, schreibt der VDZ

Hier die Dokumentation des Missbrauchs

Wir blättern mal eben auf Seite 18-20: myEntdecker!

Allein der Produktname würde mich abschrecken, mich näher damit zu beschäftigen, aber für das Leistungsschutzrecht muss man auch mal durch den Sumpf.

Um es für mich kurz und schmerzlos zu machen, klicke ich auf Impressum und lese:

Impressum
Axel Springer AG

Vorstand:
Dr. Mathias Döpfner (Vorsitzender),
Jan Bayer,
Ralph Büchi,
Lothar Lanz,
Dr. Andreas Wiele
Axel-Springer-Straße 65
D – 10888 Berlin

Sitz Berlin, Amtsgericht Charlottenburg HRB 4998
USt.-ID-Nr. DE 136 627 286, Impressum von myEntdecker

Ups!

Das Leistungsschutzrecht ist also nötig, um sich vor der Axel Springer AG zu schützen!

P.S.: Der Rechtshinweis ist noch ein Schmankerl

„Der Inhalt dieser Website ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Aufnahme in Online-Dienste, Internet und Vervielfältigung auf Datenträger wie CD-ROM, DVD-ROM usw. dürfen, auch auszugsweise, nur nach vorheriger, schriftlicher Zustimmung durch die Axel Springer AG erfolgen. Eine kommerzielle Weitervermarktung des Inhalts ist untersagt.“, so myEntdecker

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14 responses so far

  • Torsten sagt:

    Nun steht auf Seite 18:

    Nachtrag: Bei diesem Angebot handelt es sich um eine Website der Axel Springer AG mit voll lizensierten Texten und Fotos. Sie dient hier als illustratives Beispiel für Themenverticals. Lizensierung von Inhalten an Themenverticals stellt ein Geschäftsfeld

  • Pit Gottschalk sagt:

    Lieber Autor, bei myEntdecker haben Sie das falsche Beispiel herausgepickt: Die Website wird von der Service- und Entwicklungsredaktion der Axel Springer AG in Berlin betrieben (in Zusammenarbeit mit eprofessional in Hamburg). Die Macher legen größten Wert darauf, dass die Rechtefrage bei der Content-Verwertung eindeutig geklärt ist. Der VDZ hat einen entsprechenden Hinweis in der Präsentation hinzugefügt. Es wäre in diesem Fall gut, wenn Presseschauer kollegial und sauber eine Korrektur zu my-entdecker.de [Update von Admin: Der Link zum Impressum muss langen] veröffentlichen würde. Dürfen wir auf diese Fairness hoffen? Pit Gottschalk

  • Chris sagt:

    Ich sehe da keine Korrektur indiziert. Im Gegenteil: Die Powerpoint-Präsentation listet unter der einführenden Erläuterung “Vier Hauptfallgruppen gewerblicher Kopisten” ganz offenkundig auch myEntdecker auf. Insofern wurde nicht das falsche Beispiel vom Autor dieses Blogartikels, sondern vom Autor der Präsentation “herausgepickt”.
    Sogar in der Pressemitteilung steht ausdrücklich: “Aus gegebenem Anlass zeigen wir mit einer kurzen Dokumentation, dass Blogger, Wikipedia und co nichts zu befürchten brauchen: Es geht um die, die Verlagscontent ungeniert zusammenkopieren und damit Geld verdienen.”

    Hier wurde dann nachträglich von Seiten des vdz etwas Kontext geschaffen, wo vorher keiner war (Änderungsdatum des PPT-Dokuments ist 10:12 heute vormittag, also *nach* VÖ dieses Blogartikels) und die mutmaßliche Quelle der Korrektur in der geänderten Präsentation nicht genannt. Dann nach Fairneß zu rufen, ist schon sonderbar…

  • Torsten sagt:

    Ein kleines Update ist angebracht. Weil: Die Dokumentation der Verstöße wird so zu einer Sammlung nicht wirklich durchdachter Webseiten-Screenshots.

  • Pit Gottschalk sagt:

    Lieber Chris, Sie können es drehen und wenden, wie Sie wollen: Es ist einfach falsch, was der Autor geschrieben hat. Mag sein, dass die auslösende VDZ-Präsentation missverständlich war. Für die Richtigkeit der Quellen sind aber die Autoren verantwortlich. Eine Nachfrage, wie im Journalismus üblich, hätte die falsche Berichterstattung verhindert. Ihr Ding. Dann lassen Sie’s halt.

  • Torsten sagt:

    Pit: Nein, das ist soweit ich sehe eigentlich großteils eine Dokumentation, was der VDZ schrieb und dazu eine eindeutig erkennbare ironische Zusammenfassung. Den vermeintlichen Fehler haben die anderen gebaut.

  • @Pit Gottschalk: Die Axel Springer AG listet ihr eigenes Angebot myEntdecker als Beispiel für den Missbrauch redaktioneller Inhalte auf, und Sie werfen das dem Presseschauer vor, der darauf hinweist?

  • Pit Gottschalk sagt:

    @Stefan Niggemeier: Wo listet Axel Springer das Angebot von myEntdecker als Missbrauch auf? Ich sehe das nicht.

  • Nachtrag: Bei diesem Angebot handelt es sich um eine Website der Axel Springer AG mit voll lizensierten Texten und Fotos. Sie dient hier als illustratives Beispiel für Themenverticals. Lizensierung von Inhalten an Themenverticals stellt ein Geschäftsfeld für Verlage dar.

    Natürlich kann man sich auch an Kleinigkeiten aufhängen, aber: Wenn man die Lizenzierung so in den Mittelpunkt stellt, sollte man sie wenigstens richtig schreiben …

    Grüße, cie

  • Da ist mein Blick geschärft, da ich als Sportjournalist diesen Fehler in den Anfangsjahren auch mehrfach begangen habe :)

  • @Pit Gottschalk: Das Beispiel myEntdecker.de stand in einer Powerpoint-Präsentation der Axel Springer AG unter der Überschrift “gewerbliche Kopisten” kommentarlos in einer Reihe u.a. mit Seiten, die illegale Downloads von Zeitschriften-PDFs anbieten. Die Powerpoint-Präsentation wird vom VDZ verlinkt unter dem Titel: “Dokumentation des Missbrauchs: Davor schützt das Leistungsschutzrecht”.

    Bevor der “Nachtrag” hinzugefügt wurde, erweckten der VDZ und die Axel Springer AG also zweifellos den Eindruck, myEntdecker.de sei ein Beispiel für einen Missbrauch redaktioneller Inhalte. Dass Sie das nicht lustig finden, kann ich ja verstehen. Aber deshalb müssen Sie uns doch nicht den Spaß nehmen wollen.

  • @Stefan Niggemeier: Den Spaß will ich auf keinen Fall nehmen! Dafür leisten Sie und die Autoren viel zu gute und wichtige Arbeit. (Ich mag den Presseschauer!) Dennoch passieren Fehler, und bei jener Präsentation wurde auf der Tonspur ausdrücklich gesagt, dass es ein legales Geschäftsfeld bei Content-Übernahmen gibt, zum Beispiel bei myEntdecker.

    Diese kleine, aber wichtige Zusatz-Information hat mir halt gefehlt, weil sonst ein falscher Eindruck entsteht. Und Sie selbst haben ja Publikationen die Storys um die Ohren gehauen, wenn die Informationslage nicht vorher korrekt gecheckt war (und das zurecht!). myEntdecker liegt verantwortlich in meinem Bereich, und ich kenne den Urheber der Präsentation. Nichts liegt diesem ferner, als den Eindruck von Missbrauch zu erwecken.

    Es ist ja nichts Schlimmes passiert. Aber von einer sauberen Darstellung von Informationen haben wir alle etwas. Ebenso von einer sauberen Korrektur, wenn mal etwas schiefgeht (was niemand beabsichtigt). Und so kenne ich Sie auch: dass man Fehler einzuräumen hat.

    In diesem Sinne war’s gemeint. Vermutlich komme ich damit hier nicht weiter, ich weiß.

  • [...] des Anstoßes ist eine Pressemitteilung des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger mit dem Titel „Dokumentation des Missbrauchs“. Damit versucht der VDZ Stimmung für das [...]

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