Pressemitteilungen des VDZ sind ohne „Tonspur“ praktisch wertlos

Jul 10 2012 Published by under medienkritik, Rechteverwerter

Eine Durchsage an alle, die es bisher noch nicht mitbekommen haben: Ich bin kein Journalist! Pit Gottschalk erwartet, ungeachtet dessen, „kollegial und sauber eine Korrektur“. Rechter Hand auf diesem Blog prangert ein Warnhinweis, der zum kritischen Denken anregen soll, doch auch dieser lässt sich geflissentlich ignorieren. Nur ist es tatsächlich hilfreich, an jeden, der einfach so ins Internet schreibt, journalistische Maßstäbe anzulegen?

Stein des Anstoßes ist eine Pressemitteilung des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger mit dem Titel „Dokumentation des Missbrauchs“. Damit versucht der VDZ Stimmung für das Leistungsschutzrecht für Presseverleger zu machen.

„Es geht um die, die Verlagscontent ungeniert zusammenkopieren und damit Geld verdienen.“, so der VDZ.

Dort wurden dann all die bösen Buben aufgeführt, die missbräuchlich mit Verlagsinhalten ihr Schindluder treiben. All die bösen Buben? Nein, myEntdecker.de, die irgendwie zur Axel Springer AG gehören, machen das wohl nicht.

Nur war eben dies weder der PowerPoint-Präsentation noch der Pressemitteilung zu entnehmen. Für den unbedarften Leser ließ sich daher ohne weitere Recherche nur schließen, myEntdecker.de zähle ebenfalls zu den bösen Buben. Das wäre auch nicht weiter verwunderlich, da Springer sich nur dann um irgendwelche Rechte schert, wenn es dem eigenen Vorteil gereicht.

Nun, jedenfalls hat der VDZ wohl in Reaktion auf meinen Blogpost die Präsentation ergänzt.

„Nachtrag: Bei diesem Angebot handelt es sich um eine Website der Axel Springer AG mit voll lizensierten Texten und Fotos. Sie dient hier als illustratives Beispiel für Themenverticals. Lizensierung von Inhalten an Themenverticals stellt ein Geschäftsfeld für Verlage dar.“, so der VDZ.

Zzz, das sind also diese Vertikalen von denen Christoph Keese immer spricht.

Nun kommentiert Pit Gottschalk in meinem Blog:

„[…] myEntdecker liegt verantwortlich in meinem Bereich, und ich kenne den Urheber der Präsentation. Nichts liegt diesem ferner, als den Eindruck von Missbrauch zu erwecken.“, so Gottschalk.

Daher habe ich bei den beiden Heizöl-Lieferanten, die sich ebenfalls in der Präsentation wieder finden, nachgefragt, ob der Urheber – dem Layout der Präsentation zur Folge ebenfalls aus dem Hause Springer – sich die nötigen Rechte für die Verwendung der urheberrechtlich geschützten Logos der Unternehmen hat einräumen lassen. Dann würde er nicht nur wie bei myEntdecker.de den Eindruck von Missbrauch erwecken, er würde ihn begehen.

Ach ja, Pit Gottschalk meint, die „Tonspur“ würde fehlen und daher ließe sich nicht ohne weiteres erschließen, dass myEntdecker.de eigentlich als positives Beispiel gemeint war, das alle Inhalte korrekt lizenzieren würde.

Ich halte es ja für durchaus legitim, eine Präsentation zu halten und wesentliche Inhalte in die „Tonspur“ zu packen. Nur wenn die Präsentation zur Veröffentlichung bestimmt ist, dann ist es wenig hilfreich, wenn sie konsistent interpretierbar ist, aber genau dadurch zu einer Fehleinschätzung führt.

Wenn nun der VDZ als Institution eben diese Präsentation, deren eigentlicher Sinn erst mit der „Tonspur“ erschließt, zur Garnierung seiner Pressemitteilung nutzt, dann wirft das Fragen auf.

Vorgeblich setzt sich der VDZ für Qualitätsjournalismus ein, an den jemand wie Pit Gottschalk auch gewisse Erwartungen hat. Nur führt die Verwendung der Präsentation mit fehlender „Tonspur“ zu einer Informationslücke, die Pit Gottschalk genau durch Journalisten geschlossen haben möchte.

Er macht mir daher zum Vorwurf, ich hätte nicht ausreichend recherchiert, ja gar der Pressemitteilung des VDZ ungerechtfertigter Weise mein Vertrauen geschenkt. Man fragt sich, wofür die Mitarbeiter des Verbandes eigentlich bezahlt werden. Man sollte meinen: für Lobbyismus und unfallfreie wie konsistente Kommunikation – diese Episode kann man wohl kaum dazu zählen. Als Zeitschriftenverleger würde ich mich indes fragen, ob der VDZ tatsächlich in der Lage ist, meine Interessen adäquat zu vertreten. Dabei könnte ich noch nicht mal als Verleger dem Leistungsschutzrecht etwas abgewinnen, ich würde es als Bedrohung ansehen. Doch offensichtlich fehlt es auf Verlagsseite an ökonomischem Weitblick, um in der Forderung nach dem Leistungsschutzrecht eine Bestärkung des Geschäftsmodells der Paid Inclusion bei Suchmaschinen zu erkennen.

Dabei muss man sich vor Augen halten, dass die Mitarbeiter des VDZ sich nicht nur zum Spaß, so wie ich, mit dem Leistungsschutzrecht auseinandersetzen, sondern dass sie von Verlagen eben dafür bezahlt werden. Professionalität hat in diesem Zusammenhang mehr mit der Bezahlung als mit der Qualität der geleisteten Arbeit zu tun. Als Verleger würde ich das kommunikative Verhalten des VDZ als nicht ausreichend bis mangelhaft einschätzen. Aber das soll mir Recht sein, denn in der Sache widerspreche und widerlege ich den VDZ zu gerne.

Von einer Kritik Pit Gottschalks am VDZ habe ich indes nichts mitbekommen. Vielleicht habe ich ja nicht ausgiebig und journalistisch genug recherchiert. Wer möchte mir das zum Vorwurf machen, zumal ich noch nicht mal einen Anspruch auf journalistische Qualität meiner Beiträge erhebe. Schimpft mich Amateur – ich werde es genießen!

One response so far

  • Pit Gottschalk sagt:

    Lieber Herr Schultz, vielen Dank für Ihren Post. Ich finde, Sie geben unsere kleine Diskussion von gestern fair und umfassend wieder. Auch meine Sicht der Dinge. Danke!

    Wir müssen ja nicht immer einer Meinung sein. Aber die Debatte um Leistungsrechte ist wichtig, und Ihre Perspektive hilft, die eigenen Positionen ständig zu überdenken. Ich lese den Presseschauer (wie den Presseschauder von meinem Kollegen Christoph Keese) sehr gerne und wünsche weiterhin viel Erfolg. Kommen Sie uns doch mal in der Redaktion besuchen. Das wird bestimmt ein spannender Austausch.

    PS: Ihre Kritikpunkte am Verband sind nicht unberechtigt; wir klären das nur nicht immer öffentlich.

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