Externe Effekte – Der Widerspruch mit dem Marktversagen

Feb 15 2013 Published by under der presseschauer fragt nach, meine realität

Sehr Herr Professor Thomas Dreiskämper,

Da der Jurist und Professor Dr. Thomas Elbel mich gebeten hatte, Ihre wissenschaftliche Publikation zu Externen Effekten zu lesen, folgte ich seiner Aufforderung. Hierbei stieß ich auf einen Widerspruch in dieser Arbeit, der mich irritiert und zu dem ich mir eine Stellungnahme von Ihnen wünsche. Ebenso möchte ich Sie noch darauf hinweisen, dass bei Werbung negative Externe Effekte beim Konsumenten entstehen, die eine ökonomische Relevanz haben.

Ab Seite 8 zählen Sie verschieden Bedingungen für ein Marktversagen auf.

„Der Markt erreicht dieses effiziente (bestmögliche) Ergebnis aber nur, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind: […]“

unter anderem:

„Keine Informationsungleichgewichte:
Jeder Marktteilnehmer ist vollständig informiert. Niemand verfügt über einen Informationsvorsprung, der zum eigenen Vorteil ausgenutzt werden könnte.“

Sie stellen dann fest:

„Ist mindestens eine der oben genannten Bedingungen nicht erfüllt oder erheblich verletzt, wird der Markt versagen und kein effizientes Ergebnis produzieren.“

Das ist nichts anderes als die Forderung der Ubiquität von Information zu den Kosten von exakt null. Wäre dem nicht so, könnte ein Marktteilnehmer den Informationsvorsprung zum eigenen Vorteil ausnutzen, was Ihrer Meinung nach zum Marktversagen führt.

Unter 8.2.2 gehen Sie dann auf die „bedingte Marktfähigkeit von redaktionellem Content“ ein.

„Ist eine Information erst einmal veröffentlicht, verliert sie nicht nur ihren ökonomischen Wert, sondern darüber hinaus auch ihre Steuerbarkeit. Jeder Rezipient kann die Information problemlos und ohne daran gehindert werden zu können, weiterverbreiten. Das Ausschlussprinzip kann nicht oder nur sehr begrenzt durchgesetzt werden.“

Damit entsteht ein Widerspruch, weil das Ausschlussprinzip und der ökonomische Wert, den Sie hier der Information beimessen, Ihren Bedingungen für ein Marktversagen genügt.

Können Sie diesen Widerspruch auflösen?

Negative Externe Effekte bei Werbung:

Unter 8.2.1. ist die „vollständige Marktfähigkeit von Werbebotschaften“ Gegenstand Ihrer Ausführung.

„Dennoch können Externe Effekte ausgemacht werden, wenn der Betrachtungshorizont auf die Konsumenten erweitert wird. Die Transaktion selbst involviert den Intermediär (Mediendienstleister) und den Auftraggeber (Werbetreibenden), die Wirkung der Rezeption betrifft allerdings den Konsumenten. Da die Untersuchung der Wirkung von Inhalten auf Rezipienten etc. aber das Interessensgebiet der Ökonomie verlassen, soll dieses Themenfeld hier auch nicht weiter bearbeitet werden. Aus Sicht der Kommunikationswissenschaften oder der Soziologie ist der Externe Effekt immer eine medienimmanente Eigenschaft.“

Sie ignorieren damit sämtliche Kosten, die beim Konsumenten entstehen. Dabei verteuert Werbung die Produkte, steigert die Kosten bei Datenorientierten Internettarifen und steigert den Energieverbrauch beim Konsumenten – um nur mal ein paar zu nennen (hier ausführlicher).

Ebenso widerspricht Prof. Justus Haucap in seinem Gutachten zum Leistungsschutzrecht für Presseverleger Ihrer Position und belegt damit eine Relevanz dieser negativen Externen Effekte für das Interessensgebiet der Ökonomie:

„Ein Anstieg der Werbevolumen auf einer Webseite ist wie eine implizite Preiserhöhung zu verstehen, da sich der Nutzen der Rezipienten entsprechend verringert.“, Seite 14

Es wäre sehr nett von Ihnen, wenn Sie meiner Bitte um eine Stellungnahme nachkommen könnten.

Bitte beachten Sie, dass dieser Text in meinem Blog www.presseschauer.de veröffentlicht wurde und ich mir vorbehalte Ihre Antwort ebenfalls zu veröffentlichen. Sollten Sie damit nicht einverstanden sein, bitte ich Sie dem ausdrücklich zu widersprechen.

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Schultz

6 responses so far

  • Wieso sollte das ein Widerspruch sein? Es sagt schlicht und einfach aus dass ein Markt nur dann seiner ideellen Darstellung (Angebot+Nachfrage->Preis) entspricht wenn alle Teilnehmer über alle vollständigen Informationen verfügen.

    Das bedeutet halt einfach nur dass kein Markt wirklich jemals dauerhaft funktionieren kann (zumindest nicht ab einer gewissen Komplexität) ohne z.B. zu Monopolen oder ähnlichen Defekten zu degenerieren. Schlimmer wird es noch für einen Markt an dem Informationen gehandelt werden, da dieser schon rein konzeptuell dieser Funktion widerspricht.

    So weit entspricht das alles auch genau dem was du bemängelst…
    Mein Problem an der Sache: Wo liegt der Widerspruch? Beim Überfliegen der Arbeit habe ich jetzt weder eine Forderung noch Schlussfolgerungen gesehen die dem widersprechen.
    Alles was ich gesehen habe, entsprach ca. „Diese Märkte können nicht nach unserem Verständnis eines Marktes funktionieren und lassen sich keinesfalls in ihrem Verhalten vorhersagen wenn man sie als Markt betrachtet“ und „Informationsmärkte tendieren zu Monopolen“.

    Liege ich damit falsch? Habe ich eine Argumentationsschiene von dem Typen übersehen? Fordert er irgendwas was seinen Schlüssen entgegen steht?

  • admin sagt:

    Wenn die Abwesenheit von Informationsungleichgewichten eine Bedingung sind, damit kein Marktversagen eintritt, kann eine Information kein handelbares Gut sein, dem man einen Wert beimisst und nach dem Ausschießlichkeitsprinzip vorenthalten werden kann.

    Anders formuliert: wenn Informationen handelbar sind, dann kann es den Bedingungen von Prof. Dreiskämper keinen funktionierenden Markt geben.

    Seiner Formulierung nach sieht Prof. Dreiskämper Information als Gut mit ökonomischem Wert.

  • das ist aber halt kein Widerspruch!
    Natürlich kann man Informationen verkaufen, wie Dreiskämper aber auch feststellt wird ein solcher „Markt“ eben nicht nach den typischen, ökonomischen Regeln funktionieren und ein „Marktversagen“ tritt ein.

    Nur weil ein Markt nicht funktioniert, bedeutet das nicht dass keiner versuchen würde an selbigem weiter Handel zu treiben. Es kann sogar für einige recht profitabel sein genau jenes Versagen auszunutzen.

  • admin sagt:

    Wenn auf einem Markt Informationen gehandelt werden können, dann können die anderen Märkte nicht mehr funktionieren, nach den Bedinungen von Prof. Dreiskämper.

  • Thomas Elbel sagt:

    Also, wenn Herr Dreiskämper seinen Professor vor sich hergetragen bekommt, will ich das auch. 😉

  • admin sagt:

    Habe ich ergänzt

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