eliteVZ – eine Abhandlung

Apr 22 2008 Published by admin under medienkritik, meine realität

Die Bestrebungen einiger gesellschaftlichen Gruppierungen sich vom Rest der Bevölkerung zu separieren gab es schon immer und so ist es nicht verwunderlich die Manifestierung solcher Tendenzen auch im Internet zu beobachten.

Unter medientheoretischen Gesichtspunkten ist Wissen und Information gekoppelt an die Produktionsmittel, die der Verbreitung dienen, entscheidend für die Bildung einer Elite. So waren es lange Zeit Personen aus dem klerikalen Umfeld und weltliche Herrscher, die sich das Wissen um die der Zeit entsprechenden Produktionsmittel für ihren Machterhalt sicherten. Von der ägyptischen Hochzeit bis ins Mittelalter waren diese beiden Eliten vor der Macht des Popels sicher und die Erfindung Gutenbergs brachte eine Alphabetisierung der Bevölkerung mit sich. Auf einmal war es nicht mehr von Nöten Bücher durch mühselige Arbeit vervielfältigen zulassen und damit Begann der preisliche Verfall von Information, da auch Worte wie „es steht geschrieben” zunehmend an Bedeutung verloren.

Der Buchdruck begünstigte mit den Ideen der Aufklärung die Verbreitung der Information durch Zeitungen und so war es den Bürgern möglich besser über aktuelle Geschehnisse bewusst zu werden. Weitere Entwicklungen wie die Erfindung des Radios und des Fernsehens schlugen dieselbe Richtung (unidirektional) ein. Auch wenn es jetzt schon für die Eliten schwieriger war Informationshoheit zu erlangen, so waren die einfachen Menschen noch nicht in der Lage sich leicht über große Distanzen zu vernetzen und untereinander ihr Wissen zu teilen. Da war der Rückkanal zum Sender, der bis zum Ende des 20. Jahrhunderts die Funktion eines Torwächters im Informationsfluss eingenommen hatte, meist nicht vorhanden oder zu stark gefiltert.

Wenn nun die Kosten der Produktionsmittel gegen Null sinken, ist einzig das geistige Vermögen für die Bereitstellung und Rezeption von Informationen entscheidend, dies belegt auch die Nutzung moderner Informationstechnologie.

Zusammengefasst bedeutete das, wenn spirituelle, intellektuelle und finanzielle Elitenbildung möglich ist und eine solche Elite natürlich bestrebt ist sich zu separieren, dann wird in diesen Gruppen viel Energie aufgebracht, um dem Rest die Nichtzugehörigkeit zu verdeutlichen. Es werden also spirituelle und intellektuelle Zäune errichtet. Und mit Geld ist es auch sehr leicht Möglich in der realen und in der virtuellen Welt Zäune zu errichten.

In einer Zeit, die mit ökologischen und ökonomischen Problemen konfrontiert ist, aber andererseits Buzzwords wie Collaboration, Participation und Sharing hervorbringt, erscheint es mir als Hohn andere ausgrenzen zu wollen.

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