Die Musik- und Filmindustrie versucht mit allen Mitteln ein Geschäftsmodell aufrecht zu erhalten, das in dieser Form, bedingt durch den Paradigmenwechsel, nicht zukunftsfähig ist. Anstatt neue Einnahmequellen zu erschließen, kriminalisiert und gängelt man lieber potentielle Geldgeber. Gleichzeitig versucht man mit einer starken und gut organisierten Lobby die Grundfeste der Demokratie ins Wanken zu bringen.
Erinnern wir uns noch mal an den Welttag des Schutzes des geistigen Eigentums. Hierfür hatte man sich etwas Besonderes ausgedacht und einige Künstler vor geschickt, die in einem offenen Brief an Angela Merkel akute Handlungen einforderten. Die Kanzlerin antwortete prompt per Videobotschaft und bekundete Beistand im Kampf gegen die Urheberrechtsignoranten.
Ich hatte damals eine ebenfalls offene Email an unserer Kanzlerin gerichtet und die Frage bei abgeordnetenwatch.de eingereicht:
“Sehr geehrte Frau Merkel,
sie haben in ihrem Videopodcast die Wichtigkeit von geistigem Eigentum unterstrichen.
Wie können sie sich erklären, dass Erfindungen aus Deutschland, die patentiert wurden den Erfindern nicht helfen konnten sich gegen Multimilliarden-Dollar-Konzernen Apple & Co durch zu setzen. Wenn sie nun sagen, dass es sich bei Urheberrechtsbruch nicht um ein Kavaliersdelikt handelt, wieso können nun diese Konzerne sich über geltendes Recht hinwegsetzen?
Mit freundlichen Grüßen
Daniel Schultz” – meine Wenigkeit
Auf eine Antwort von Frau Dr. Merkel warte ich bis heute vergebens.
In keinem Wort wurde erwähnt, dass die Künstler im Schnitt mickrige 4% der Einnahmen erhalten, die mit Musikverkäufen umgesetzt werden!

Für mich ist aus diesem Grund nicht nachvollziehbar, wieso die EU einer Verlängerung der Schutzfristen auf 95 Jahre zugestimmt hat. Ebenso hat es die Contentlobby in Irland geschafft Internetsperren gegen unliebsame Webseiten wie The Pirate Bay rechtlich durchzusetzen. Und nun versucht man über das heimliche Handelsabkommen ACTA Maßnahmen, die auf EU-Ebene in Gesetzesentwürfen enthalten waren und abgelehnt wurden, durchzusetzen.
„Die EFF befürchtet, dass das ACTA-Abkommen unter anderem Bestimmungen für Durchsuchungen von Mobilcomputern am Zoll und “Three Strikes Out”-Bestimmungen nach Vorgabe der Medienindustrie beinhalten könnte. Die Geheimverhandlungen zwischen den USA, der EU und anderen wichtigen Industrienationen sollen im März fortgesetzt werden.“ – fuzo
Davon liest man in den reichweitenstarken Onlineangeboten der Massenmedien so gut wie gar nichts. Stattdessen schreibt Konrad Lischka bei Spiegel-Online, der sich nebenbei erwähnt die Domain www.qualitaetsjournalismus.de gesichert hat, einen tendenziösen Artikel über den Gerichtsprozess der Contentlobby gegen The Pirate Bay. Wie gut, dass Marcel Weiss die Argumentation des Autors nach Strich und Faden zerlegt hat. So etwas ist meines Erachtens tatsächlicher Qualitätsjournalismus!
Warum muss eigentlich der Computerhersteller Apple die Musikindustrie vorführen und ihr zeigen wie man im Internet Geld verdient? Wie es aussieht wird sich das bei der Filmindustrie wiederholen – ich sag nur 3,99$.
Und Herr Gorny, Sie sollten sich mal die Verkaufscharts von Amazon ansehen! Vielleicht kennen Sie ja Radiohead und Nine Inch Nails. Vielleicht können Sie mir bei der Gelegenheit auch erklären, wieso die Leute trotzdem bereit sind die Alben zu kaufen, obwohl sie kostenlos in Tauschbörsen zu finden sind. Die Künstler wollten das so und haben ihre Werke sogar unter die von Ihnen nicht verstandene Creative Commons Lizenz gestellt.
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Was mich an der Debatte über The Pirate Bay stört? http://tinyurl.com/av26sf