Sehr geehrte Frau Haderthauer,
die CDU/CSU/JU ist bei ihren derzeitigen Rufen nach Sperren/Verboten/Kontrolle die politische Gruppierung, die sich diesbezüglich wohl am stärksten in die Öffentlichkeit drängt. Seien es fragwürdige Stoppseiten zur Bekämpfung von Kinderpornographie, Identifizierung von Nutzern von Videoportalen oder aber immer wieder der Ruf nach dem Verbot sogenannter „Killerspiel“. Allgemein drängt sich der Eindruck auf, man wolle das Internet/Computerspiele zu dem BÖSEN stilisieren, das es mit allen Mitteln zu bekämpfen gilt.
Es mag sein, dass die noch existierende Macht der Massenmedien Ihrer Politik zuträglich ist, da vorwiegend ältere Menschen sich noch nicht in dem Maße über das Internet informieren, wie es für die jüngere Generation bereits Normalität ist. Bei der aktuellen demographischen Situation ist Ihr Handeln also durchaus nachvollziehbar. Andererseits dürfen Sie sich nicht wundern, wenn Sie mit Ihren populistischen Forderungen bei der jüngeren Generation in dieser Form keine Punkte machen. Dabei dürfen Sie aber nicht Partei- und Politikerverdrossenheit mit Politikverdrossenheit verwechseln!
Gleichzeitig sitzt der Schock des, durch das Internet verursachten, Paradigmenwechsels in der Medienbranche tief. Zeitungen werden eingestellt, Verlage suchen händeringend nach neuen Geschäftsmodellen, der Werbemarkt bricht um, die Bedeutung des Fernsehens schwindet und bei der Musikindustrie scheint der Zug schon längst abgefahren. An vielen Orten werden der Untergang des Abendlandes und der Verfall unserer Kultur wie Teufel an alle erdenklichen imaginären Wände gemalt.
Die jetzt zu Tage tretenden Veränderungen, mögen für einige nicht nur – aus einer persönlichen Perspektive heraus – bedrohlich wirken, für manche werden sie sicher zu einer realen Gefahr. Vor allem für diejenigen, die nicht bereit sind sich auf eben diese Veränderung einzulassen und mit aller ihnen zur Verfügung stehenden Macht versuchen den Status Quo zu erhalten. Dies gleicht jedoch dem Aufstand der Weber, die bekanntlich die Industrialisierung nicht verhindert haben.
Anstatt aber eine der Situation angemessene nachhaltige Politik zu betreiben, kommen aus Ihrer politischen Richtung wenig reflektierte und wenig zukunftsweisende Forderungen. Menschen die wenig bis gar nichts mit Computern und diesem ominösen Internet, in dem an jeder Ecke Betrüger, Kriminelle und Pädophilie lauern, zu tun haben, sind natürlich leicht von Ihren so einfachen Lösungen zu begeistern. Doch so erfolgversprechend, wie Sie sie den Leuten scheinbar Glauben machen wollen, sind diese Lösungen nicht. Jene die den Status Quo erhalten wollen, sind natürlich von diesen Forderungen begeistert. Fragen Sie mal Dieter Gorny was er von den Internetsperren hält. Mir hat er leider noch nicht geantwortet.
by xrrr
Haben Sie sich schon einmal überlegt wie viele Menschen in Bayern süchtig nach Schafkopfen sind?
Ihrer Logik zu Folge müsste man es, aufgrund des Suchtpotentials, für Jugendliche verbieten. Da es sich aber um einen Teil der bayerischen Kultur handelt, liegt es fern darüber nachzudenken.
Menschen finden Spiele faszinierend; die einen mehr – die anderen weniger. Der bayerische Staat verdient Millionen mit dem Monopol auf Glücksspiel, gleichzeitig kamen von der EU schon ermahnende Wort bezogen auf den laxen Umgang mit Spielsuchtprävention, mit der gleichzeitig das Monopol begründet wird.
Aber Gott sei Dank gibt es ja jetzt zu jeden Werbespot den Hinweis auf die Suchtgefahr durch Glücksspiele!
Sollten wir nicht zu einer sachlicheren Diskussion zurückkehren und uns überlegen, ob ein Verbot von World of Warcraft, von dem es auch ein kostenloses Pendant mit dem Namen Runes of Magic gibt, die richtige Entscheidung ist.
Spiele vermitteln logisches, strategisches und räumliches Denken. Durch den kompetitiven, aber auch Teamgeist fördernden Charakter von Spielen werden dem Einzelnen Fähigkeiten vermittelt, die er heute, mehr den je benötigt.
Wenn Jugendliche heute im Wald Ritter spielen, ist dieser Wald oft virtuell. Dennoch findet genau über das von Ihnen als „Killerspiel“ verteufelte World of Warcraft ein Sozialisationsprozess statt, den Sie vermutlich gar nicht wahrnehmen. So organisieren sich Jugendliche aber auch Erwachsene, die von dieser Phantasiewelt begeistert sind in Gilden. Dabei finden Teile der Interaktion mit anderen außerhalb des Spiels selbst statt. Häufig haben die Gilden Webseiten, auf denen sich die Gildenmitglieder austauschen, miteinander Diskutieren oder sich drüber vereinzelt zu Treffen im Realenleben verabreden. Die Phantasiewelt, an die World of Warcraft angelehnt ist, erinnert an Tolkins Herrn der Ringe, wächst beständig und ist weltweit von Millionen Menschen bevölkert. Man kann in dieser virtuellen Welt einen Charakter wie Magier, Krieger oder auch Heiler spielen. Entscheidend ist, dass diese Charaktere unterschiedliche Stärken und Schwächen haben und die Spieler für erfolgreiche Umsetzung vieler Aufgaben kooperieren müssen. (dringend empfohlen für weitere Hintergrundinformation CRE073)
Genau das erfordert je nach Aufgabe ein Maß an Organisationstalent und Führungsfähigkeiten. Gleichzeitig ist das Alter eines Spielers dafür unerheblich, es zählt die Erfahrung im Spiel. Da kann es schon vorkommen, dass ein 14 Jähriger Schüler es schafft eine Gruppe von 20 Leuten erfolgreich gegen einen Drachen anzuführen, während der 40 Jährige Manager bei derselben Aufgabe scheitert.
Der Reiz des Erfolges und das damit verbundenen Glücksgefühl ist es für den Menschen wert, wieder genau danach zu streben. Sie werden sich sicher an ebensolche Momente in Ihrer politischen Karriere erinnern, doch würden Sie nun sagen Politiker wären süchtig nach Macht?
Müsste man dann Jugendlichen politisches Engagement verbieten?
Was ist mit erfolgreichen Sportlern, Managern oder Wissenschaftlern? Sie konzentrieren sich auf einen winzigen Ausschnitt der Realität und machen selbigen zu maßgeblichen Inhalt ihrer persönlichen Realität. Sportler werden dafür bejubelt, auch wenn sie dabei ihre Gesundheit aufs Spiel setzen, Manager werden bewundert und Wissenschaftler mit Preisen geehrt. Für ihre Sucht oder für ihre Fähigkeit ihre Energie und ihr Engagement eben auf eine Sache zu konzentrieren?
Irgendwann im Leben muss man sich sicher entscheiden, ob man sich auf ein Lebenswerk konzentriert oder vielseitig und flexibel bleibt, aber in keinem speziellen Bereich Höchstleistungen vollbringt. Bei der eben formulierten These gibt es sicher Ausnahmen, aber Kapazitäten á la Archimedes, Galileo und Goethe werden ja auch nicht alle Tage geboren.
Daher fordere Ich von Ihnen alles in Ihrer Macht stehende zu unternehmen Kinder und Jugendliche genau darauf vorzubereiten. Setzen Sie ein Zeichen und thematisieren Sie allgemein Sucht und Suchtprävention in den Schulen. Fördern Sie die Medienkompetenz und zwar nicht nur die von Schülern, Lehren und Eltern, sondern auch von Politikern und sich selbst.
In Zeiten wie diesen müssen wir alle an unserer Medienkompetenz arbeiten!
Bitte beachten Sie, dass dieser Text in meinem Blog www.presseschauer.de veröffentlicht wurde und ich mir vorbehalte Ihre Antwort ebenfalls zu veröffentlichen. Sollten Sie damit nicht einverstanden sein, bitte ich Sie dem ausdrücklich zu widersprechen.
P.S.: Jugendschutz fängt zu Hause an!
Mit freundlichen Grüßen
–
Daniel Schultz
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