Raubkopie – Kampfbegriff der Musikindustrie

Okt 15 2009 Published by under der presseschauer fragt nach, Rechteverwerter

Sehr geehrter Herr Prof. Klaus Kocks,

zwar habe ich die Piraten selbst zur Bundestagswahl nicht gewählt, dennoch bin ich der Auffassung, dass gerade beim Urheberrecht derzeit eine Schieflage entstanden ist, die es zu beheben gilt. Ihre Position in allen Ehren, aber Ihre Ausführungen in der Frankfurter Rundschau strotzen vor falschen Behauptungen. Mit ihrem Verweis auf Klaus Störtebeker suggerieren sie eine Parallele von Raub, Mord und Totschlag, die auch die Musikindustrie seit Jahren stilisiert. Kategorie: „Schwerverbrecher“. Geistiges Eigentum kann man jedoch weder stehlen noch klauen! Es würde voraussetzen, dass der Bestohlenen sein Geistiges Eigentum nach dem Akt des Stehlens nicht mehr hat, was gerade nicht der Fall ist. Selbst in virtuellen Welten gibt es nach deutschem Recht keinen Diebstahl. Die Verwendung derartiger Begrifflichkeiten und Herleitung der dazugehörigen Analogien ist daher unpassend.

„Ich rede natürlich nicht von den Gewässern vor Somalia, sondern einer neuen Partei unserer Tage, die die Existenz von Kunst, Kultur und Journalismus bedroht.“ Prof. Klaus Kocks

Wenn Sie sich die Zeit genommen hätten einen Blick in das Wahlprogramm der Piratenpartei zu werfen, hätten Sie leicht selbst feststellen können, dass die Piratenpartei etwa das Gegenteil fordert von dem was Sie behaupten.

„Aber es geht um mehr als dieses Universum unnützen Wissens, in dem niemand Geld verdient außer der Porno-Industrie, die uns listenreich mit ihrem Müll versorgt.“ Prof. Klaus Kocks

Wo soll denn dieses Universum des unnützen Wissens sein? Ich kenne nur ein Lexikon des Unwissens, das an dieser Stelle mal empfohlen sei. Kennen Sie eigentlich Google? Hubert Burda meint ja immer dieses Unternehmen würde den Qualitätsjournalismus an den Rand des Abgrunds und darüber hinaus drängen. Wenn Sie der Propaganda von Ursula von der Leyen(a.k.a. #zensursula) geglaubt haben, ist für mich durchaus nachvollziehbar, dass Sie der Meinung sind eine (Kinder-)pornoindustrie würde im Internet Milliarden verdienen. Aber fragen Sie doch mal jemanden wie Dolly Buster warum die Pornoindustrie Finanzhilfen haben will und was sie von User generated Content (zu Deutsch: „wir drehen unserer Pornos selbst und stellen sie kostenfrei für jeden ins Internet“) hält.

„Im Netz, findet diese Google-Generation, gehört allen alles und jeder darf alles nutzen, eine Art elektronischer Ur-Kommunismus. Dass damit alle Schöpfer geistigen Eigentums mittellos werden, sollen wir hinnehmen.“ Prof. Klaus Kocks

Kommunismus hin Kapitalismus her . Das amerikanische Patentsystem zeigt gerade wie verkommen es ist und das es nicht in der Lage ist einen fairen Ausgleich zwischen Urhebern, Verwertern und Konsumenten herzustellen. Und ein Slogan wie „HOME TAPING IS KILLING MUSIC“ dürfte Ihrer Generation etwa so geläufig sein, wie der Meinen die faktische Abschaffung der Privatkopie (Verbot von Umgehung wirksamer Kopierschutzmaßnahmen oder das Verbot Inhalte aus offensichtlich illegalen Quellen zu beziehen). Das die Musikindustrie schon seit Jahren Geld in Lobbyismus steckt, um mit Einschränkung von Bürgerrechten ihr Geschäftsmodell zu erhalten muss man sich beim Lesen Ihres Textes vergegenwärtigen. Ebenso wie das von der Musikindustrie als „Raubkopie“ stilisierte Massenphänomen, das der Hauptgrund für den Niedergang der Branche sein soll. Daher ist Herr Gorny begeistert von der französischen Idee, Urheberrechtsverletzer den Zugang zum Internet wegzunehmen. Diese Idee wird ausgerechnet von Nicola Sarkozy vorangetrieben, der selbst zweimal mit Urheberrechtsbruch in Zusammenhanggebracht wurde und nach eigener Logik beim nächsten Mal Internetverbot bekommen würde. Herr Bosbach von der CDU will schon die Onlinedurchsuchung auf Schwerstkriminalität ausweiten und bei Ihrer Wortwahl würden die braven Bürger präventiv onlinedurchsucht und überwacht.

Da ich einen Generalverdacht gegen die eigenen Bürger, Zensur und Überwachung ablehne, sag ich Piraten – ja Bitte!

Bitte beachten Sie, dass dieser Text in meinem Blog www.presseschauer.de veröffentlicht wurde und ich mir vorbehalte Ihre Antwort ebenfalls zu veröffentlichen. Sollten Sie damit nicht einverstanden sein, bitte ich Sie dem ausdrücklich zu widersprechen.

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Schultz

(via medialdigital)

by WeMeantDemocracy

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2 responses so far

  • Christoph sagt:

    Hachja, ein wirklich herrlicher Artikel, den ich in unserem Blog mal ungefragt empfohlen habe. Ich vermochte es leider nicht ganz, mich so sachlich mit der Kolumne zu beschäftigen. Das du es hinbekommen hast, ist umso bemerkenswerter!

  • [...] Ein offener Brief an Prof. Klaus Kocks, der in der Frankfurter Rundschau behauptet, die Piratenpartei sei der Untergang des [...]

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