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Von Affen und Wirklichkeitsinterpretation

Feb 19 2011 Published by under meine realität, Rechteverwerter

Dieser Artikel ist eine erklärende Ergänzung für den kommenden Artikel meiner Kolumne bei The European.

Das Infinite-Monkey-Theorem geht von wenigstens einem unendlich lange zufällig auf einer Schreibmaschine tippenden Affen aus, der fast sicher alle Werke von Shakespeare tippen wird. Jorge Luis Borges hat diese Idee weitergesponnen und die meist sinnlos erscheinenden Buchstabenkombinationen in die Bibliothek von Babel verfrachtet, in der sich kurzerhand alle möglichen und endlichen Texte befinden.

Natürlich könnte man bei der Generierung von Texten und einer zufälligen Werkskollision die Urheberschaft des vorgeblichen Autors in Frage stellen, da eine automatische Zufallsleistung keinen urheberrechtlichen Schutz genießt. Im Weiteren geht aber um etwa tatsächlich existierendes und präexistentes, was der Idee der Bibliothek von Babel nahe kommt. Gegeben sei die Kreiszahl Pi1. Pi hat unendlich viele Nachkommastellen und dies genügen einem statistischen Test auf Zufälligkeit, der beim Infinite-Monkey-Theorem vorausgesetzt wird. Doch wie soll man aus den Zahlen lesen können?

0914310112120514312328120405181436
08291805192031042136
11050914051431120121203536
040905312229071205091436
19030812010605143109133123011204053236
230118200531142118353102011204053231020112040536
190308122806192036
01210308310421

In allenldern
hörest Du
keinen Laut!
Die Vöglein
schlafen im Walde,
Warte nur! Balde, balde
Schläfst
auch Du

In beiden Fällen handelt es sich um ein Gedicht von Johann Daniel Falk. Beim oberen wurden den Buchstaben und Satzzeichen Zahlenpärchen zugeordnet. Durch die farbliche Hervorhebung soll die Korrespondenz zwischen den Textblöcken verdeutlicht werden.

Die Zuordnung:

a=01,b=02,c=03,d=04,e=05,f=06,g=07,h=08,i=09,j=10,k=11,l=12,m=13,

n=14,o=15,p=16,q=17,r=18,s=19,t=20,u=21,v=22,w=23,x=24,y=25,z=26,

ß=27,ä=28,ö=29,ü=30,Leerzeichen=31,,=32,

.=33,?=34,!=35,Zeilenumbruch =36

Wenn nun diese längliche Zahl in den Nachkommastellen von Pi enthalten ist, was nach dem Infinite-Monkey-Theorem fast sicher ist, kann Johann Wolfgang von Goethe Falk gar nicht plagiiert haben. Da Pi unendlich viel Nachkommastellen hat, dürft es zudem schwer werden die Nicht-Existenz der Ziffernfolge zu beweisen.

Zugegeben, ich bleibe den Gegenbeweis ebenfalls schuldig. Und unter den ersten 200 Millionen Nachkommastellen war die Ziffernfolge nicht enthalten. Dafür habe ich die „Welt“ (= 23051220) auf Position 19,847,513 gefunden. Nun kann man auch die Repräsentation des Alphabets um 2 verschieben, dann taucht „Welt“ (= 25071422) schon bei Position 10,132,865 auf.

Diese Herangehensweise hat bloß einen großen Haken. Sie geht von einer Gleichverteilung der Buchstaben und Satzzeichen aus, die einfach nicht gegeben ist. Ein alternativer Zuordnungsansatz könnte Zahlentriplette verwenden. Man könnte die Buchstaben anhand ihrer Häufigkeit mehreren Zahlentripletten zuordnen und über den Lesbarkeitsindex könnte man die Wahrscheinlichkeit von Leer- und Satzzeichen steuern. Somit würde ein Wort durch eine Vielzahl von Zahlenfolgen als eben dieses Wort dargestellt werden. Dadurch würde sich die Zahl der zum Finden einer bestimmten Zeichenkette benötigten Nachkommastellen von Pi verringern.

Pi ist kein IP

Das Infinite-Monkey-Theorem wird bei dieser Idee um die freie Interpretierbarkeit der zufälligen Zeichen erweitert. Ebenso ist Pi frei zugängig. Nicht auszudenken, was wäre, wenn Pi jemands „geistigen Eigentums“ wäre. Natürlich würde es für einen langen Text z. B. von Shakespeare eine Ewigkeit dauern, bis irgendeine Interpretation der Nachkommastellen von Pi gefunden würde, die dem Text exakt entspricht. Für einen kurzen Text, etwa eine Überschrift oder wenige Sätze dürfte dies indessen leichter sein. Zu den unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten kommt noch eine Vielzahl von Quellen, etwa andere Irrationale Zahlen oder auch das menschliche Genom, hinzu, in denen gesucht werden kann und die kein „geistiges Eigentum“ darstellen.

Andererseits ist es nicht nachvollziehbar, wenn etwas, was nachweislich Teil eines präexistenten Gemeinguts ist, zu „geistigem Eigentum“ erklärt werden kann. Insofern ist die Gewährung eines Ausschließlichkeitsanspruchs für Teile eines frei verfügbaren Gemeinguts irrational, da es zu einem Verbot einer bestimmten Interpretation von Pi ab einer bestimmten Position führen würde.

by epSos.de

  1. Irrationale Zahlen für dieses Gedankenspiel zu verwenden, war die Idee eines meiner besten Freunde, mit dem ich gern über derartiges philosophiere. Hätte ich nicht mit ihm gesprochen ständ hier jetzt irgendwas mit Gensequenzen. []

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Eine Preisbildung bei Null ist kein Strukturfehler des Markts

Sehr geehrter Herr Keese,

erst mal ein frohes Neues Jahr. Ich hoffe Sie konnten die besinnlichen Tage im Kreise Ihrer Liebsten verbringen. Ansonsten wollte ich erwähnt haben, dass mir Ihr Interview zum Leistungsschutzrecht bei promedia nicht entgangen ist und ich daher erneut eine offene Mail an Sie richte.

„Dieses sogenannte Ausschließlichkeitsrecht ist ordnungs- und wirtschaftspolitisch die liberalste Variante, die das Urhebergesetz kennt. Was heißt das? Wer ein Recht nutzen möchte, fragt vor der Nutzung den Eigentümer und bekommt von ihm eine Genehmigung, für die er bezahlt. Das funktioniert nicht viel anders als beim Automieten oder beim Milchkauf. Der Kunde muss auch dort nicht kaufen, er kann sich frei entscheiden. Wenn er sich aber zum Kauf entscheidet, gibt er dem Eigentümer Geld und kann die Ware nutzen.“ Christoph Keese

Nun hatte sich Mathias Döpfner bereits in Widersprüchen verstrickt, bei der Frage, inwiefern ein „geistiges Eigentum“ liberal sein kann. Ob es tatsächlich die liberalste Variante des Urheberrechts sein sollte oder dies schlicht ein rhetorischer Trick ist, um bei liberalen Lesern Sympathiepunkte zu erheischen, vermag ich nicht zu beurteilen. Ansonsten – auch wenn Sie später im Interview einräumen, Vergleiche würden hinken – ist der Sachverhalt nicht so einfach, wie Sie ihn darstellen. Im Gegensatz zu immateriellen Gütern sind physische Güter nur an einem Ort zur gleichen Zeit. Könnte ein Kunde im vorbeigehen die Milch oder das Auto kopieren, dann wäre die Situation schon eher vergleichbar. In Wirklichkeit geht es aber um die Schaffung eines neuen Eigentumsrechts, hierbei waren die Verlage bisher noch nicht einmal in der Lage, dessen Abgrenzung zu skizzieren.

„Über die Anziehungskraft des Preises Null im Internet liegt inzwischen ja eine umfangreiche Literatur vor, der man eine gewisse revolutionär-anarchische Kraft nicht absprechen kann. Hier bricht sich etwas Bahn, was in den Gründungsjahren der Computerindustrie und des Internets angelegt worden ist. Silicon Valley liegt in der Nähe von Haight-Ashbury, und das ist kein Zufall. Computer und kalifornische Kommune entstanden zur selben Zeit. Jedoch lehrt die allgemeine Lebenserfahrung, dass Freibier nicht für immer fließen kann, ohne dass die Brauerei pleite geht.“ Christoph Keese

Ah, „revolutionär-anarchische“ ist das Neue „spätideologisch-verirrt-webkommunistisch“. Aber Spaß bei Seite – Sie, als studierter Ökonom, sollten doch wissen, dass eine Preisbildung weder etwas Kommunistisches noch etwas Anarchistisches an sich hat, sondern den liberalen Gesetzen des Marktes folgt, so sie nicht durch ein Monopolrecht, welches das Leistungsschutzrecht zweifelsohne ist, ausgehebelt wird. Wäre Bier kopierbar, würde Freibier für immer fließen und Brauereien obsolet – es sei denn, sie wären in der Lage sich neu zu erfinden. Etwa in dem sie Dienstleistungen rund ums Bier anbieten würden. Dabei hat gerade die IT-Branche gelernt Produkte mit einem faktischen Marktpreis von Null in ihre Geschäftsmodelle zu integrieren. Viele große IT-Unternehmen haben ein veritables Interesse an der Förderung kostenloser Produkte, und wenn man damit einen Konkurrenten ärgern möchte. Microsoft war sicher nicht begeistert, als OpenOffice, als freie und kostenlose Alternative, auftauchte und jetzt versucht Microsoft mit einem ähnlichen Ansatz durch eine Kooperation mit OpenStreetMap die Vorherrschaft von Google im Bereich der Kartendienste in Frage zu stellen. Scheint als wären Hippies kreativ und geschäftstüchtig genug, um mit der Herausforderung, Produktpreis gleich Null, umgehen zu können.

Auch wenn die neue ARD Intendantin, Monika Piel, scheinbar auf die Verlage zugeht, in dem sie anbietet, die Apps der Öffentlich-Rechtlichen kostenpflichtig zu machen, wenn es die Verleger schaffen, ALLE ihre Apps kostenpflichtig zu machen, so beschreibt dies nur das Gefangenendilemma der Verlage.

Und was wäre, wenn mit einem Mal der Preis für Werbung auf Null sinkt?

„Presse kann nur frei sein, wenn Verlag und Redaktion im direkten wirtschaftlichen Austausch mit ihren Kunden und Lesern stehen. Geht das nur mit dem Leistungsschutzrecht? Nein, aber ohne wird es immer schwerer. Wenn alles, was wir schöpfen, digital wird und mit einem Mausklick zu kopieren ist, dann fehlt es ohne Leistungsschutzrecht an dem Zaun, ohne den Wirtschaften unmöglich ist. Der Zaun, die Mauer und das Schloss sind in der Wirtschaft das, was in der Zellbiologie die Membran ist. Ohne Membran kein Potentialgefälle, und ohne Gefälle steht der Entropie nichts mehr im Wege – das Leben erlöscht. Das Leistungsschutzrecht ist ein Teil der Membran, ohne die Verlage in der digitalen Welt nicht leben können. Ohne Membran, ohne Zaun gibt es nichts mehr zu verkaufen, weil sich jeder alles einfach nimmt. Und wenn es nichts mehr zu verkaufen gibt, wird aufgehört zu produzieren1.“ Christoph Keese

Wir werden alle sterben!

Sie haben mich überzeugt, wir brauchen unbedingt ein Leistungsschutzrecht, es geht ja um Leben und Tod. Aber mal im Ernst – die von Ihnen gewählten Worte bestätigen den immer wieder kritisierten Versuch einer Besitzstandwahrung, der durch die biologischen Ausführungen nur noch gesteigert wird. Ebenso ist herauszulesen, wie Pressefreiheit auf Verlagsinhalte reduziert wird. Wäre die Publikative allein auf Verlagsinhalte beschränkt, so wäre sie nicht annähernd so vielfältig und reichhaltig wie sie tatsächlich ist.

„Jedem steht es frei, die Leistung anzunehmen oder nicht. Wer sie freiwillig annimmt, empfindet den Preis nicht als „Belastung“ – es ist ja keine Steuer oder Zwangsabgabe.“ Christoph Keese

Weder Hans-Joachim Fuhrmann noch Christoph Fiedler waren bisher im Stande zu erklären, ob Google, so zwanglos wie von Ihnen beschrieben, für sich diese Leistung ablehnen kann? Als ich Sie auf die Möglichkeit der Deindizierung durch Google ansprach, brachten Sie selbst das Kartellrecht ins Spiel und mir ist dadurch noch immer schleierhaft wie „freiwillig“ Google sich eben entscheiden kann.

„Alle wesentlichen Werkmittler haben ein solches Recht, zum Beispiel Tonträgerhersteller, Filmproduzenten, Konzertveranstalter oder Datenbankhersteller. Nur Presseverlagen steht das Recht bisher nicht zu.“ Christoph Keese

Es gibt Juristen, die der Meinung sind, Verleger würde sehr wohl schon ein Leistungsschutzrecht gewährt und zwar das der Datenbankhersteller. Doch soweit mir bekannt ist, stellen die Verleger lieber das Leistungsschutzrecht von anderen in Frage, als selbst zu prüfen, ob der bestehende Rechtsrahmen nicht ausreicht. Oder geht es den Verlegern nur um das ‚Haben‘ des Rechts? Damit sie ‚meins‘ sagen können?

Ungeachtet meiner Kritik, zu der ich mir gleichfalls eine Stellungnahme wünsche, habe ich eine Frage:

Angenommen es gäbe ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger. Sollte ein Ereignis eine oder mehrere juristische oder natürliche Personen als Verursacher haben, sollten nicht diese dann ebenfalls für ihre Leistung entlohnt werden? Schließlich fallen Politiker und Prominente einer gewerbsmäßigen Ausbeutung durch Journalisten und Verlage anheim.

P.S.: Wenn sogar Abgeordnete des Deutschen Bundestags meinen Vertrauensbeweis Ihnen gegenüber als „ich habe mich wohl verarschen lassen“ werten, dann darf ich mich doch von Ihnen hingehalten fühlen oder?

Bitte beachten Sie, dass dieser Text in meinem Blog www.presseschauer.de veröffentlicht wurde und ich mir vorbehalte Ihre Antwort ebenfalls zu veröffentlichen. Sollten Sie damit nicht einverstanden sein, bitte ich Sie dem ausdrücklich zu widersprechen.

Mit freundlichen Grüßen


Daniel Schultz

[Update 18:45] Hier noch der dazu passende Vortrag von Eckhard Höffner:

  1. Als ob! []

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Ungewissheit führt zu Unsachlichkeit

Sehr geehrter Herr Fuhrmann,

da mir noch nicht ganz klar ist, wie Sie die Debatte um das Leistungsschutzrecht für Presseverleger versachlichen wollen, richte ich diese Worte an Sie. Die Diskussion wird hauptsächlich von vielen Fragezeichen und Mutmaßungen begleitet, da die Verleger bisher nicht in der Lage waren widerspruchsfrei zu skizzieren, wie das von ihnen gewünschte Recht ausgestaltet sein sollte, ohne massive Kollateralschäden zu verursachen. Natürlich kann man nun einwenden, es wäre Aufgabe der Politik (und nicht der Verlage) Gesetze zu machen, doch hatte die Angela Merkel die Verlage aufgefordert, daran mitzuwirken. Was offensichtlich auch schon geschehen ist.

„1. Das Recht, kostenlos und genehmigungsfrei zu zitieren, bleibt von einem Leistungsschutzrecht vollständig unberührt. Anderslautende Aussagen sind falsch und grob irreführend. Deshalb trifft auch die Behauptung des Europa-Chefs von Google nicht zu, ein Leistungsschutzrecht gefährde das Zitatrecht.“ BDZV Pressemitteilung

Wie Robert Schweizer in einem Interview ausführte, orientierte man sich in der Ausgestaltung bei anderen Leistungsschutzrechten. Der BGH kam in seinem Urteil Metall auf Metall zum Schluss, dass auch winzige Teile von Musikstücken durch ein Leistungsschutzrecht geschützt sind. Da im Verlegerentwurf von Teilen von Presseerzeugnissen die Rede ist und nirgends definiert wurde, wie klein der kleinste schutzfähige Teil eines Presseerzeugnis sein soll, sind Vergleiche mit der aktuellen Rechtssprechung zu anderen Leistungsschutzrechten nachvollziehbar. Warum daher das Zitatrecht durch ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger nicht bedroht sein soll, konnte bisher nicht erklärt werden. Wenn sich das Ausschließlichkeitsrecht auf den „wesentlichen Teil [des Presseerzeugnisses]“ beschränken würde, wie beim Leistungsschutzrecht für Datenbankhersteller, würden diese Zweifel ausgeräumt. Doch damit wäre es wohl nicht möglich gegen die Verwendung von Snippets durch Google und andere Aggregatoren juristisch vorzugehen.

„2. Die Verlage nur auf die verstreuten und unterschiedlich abgeleiteten Rechten der Urheber zu verweisen, ist im digitalen Zeitalter absolut unzureichend. Ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger ist überfällig, um die gemeinsame Leistung von Journalisten und Verlegern angesichts millionenfacher unkontrollierter Vervielfältigungen durch Dritte wirksam schützen zu können. Deshalb trifft auch die Darstellung nicht zu, das geltende Urheberrecht reiche als Eigentumsschutz aus.“ BDZV Pressemitteilung

Wollen Sie damit andeuten, dass die Politik jetzt ein Gesetz für Verleger schaffen soll, weil diese nicht in der Lage sind, die Rechte, die ihnen auch durch Total Buy-outübertragen wurden, durchzusetzen? Und das nicht, weil die Verlage keine Rechte hätten, sondern weil es ihnen zu kompliziert erscheint diese wahrzunehmen – also aus Bequemlichkeit. Warum wird in der Diskussion immer der Eindruck erweckt, als würden die Verlage nie und nimmer einen Versicherer finden, der bereit wäre eine Diebstahlversicherung mit ihnen abzuschließen? Liegt es vielleicht daran, dass die Verlage ihr „Eigentum“ wie Sperrmüll auf die Straße stellen und sich nachher wundern, wenn es „geklaut“ wird? Natürlich wird dadurch weder Diebstahl noch Enteignung gerechtfertigt, aber wie kann ihnen etwas enteignet werden, was Sie nach der „Enteignung“ offensichtlich immer noch „besitzen“?

„3. Es steht einem jeden frei, das Angebot der Presseverleger anzunehmen, Leistungen der Online-Presse zu gewerblichen Zwecken zu vervielfältigen. Nur wer dieses Angebot für die Zwecke eigener Gewinnerzielung annimmt, muss dafür ein vertragliches Entgelt zahlen. Deshalb ist auch falsch, den Eindruck zu erwecken, mit dem Leistungsschutzrecht würde eine staatliche Zwangsabgabe geschaffen. Die Verleger bewerten die aktuellen Einlassungen Googles als befremdend und unseriös. Leistungsschutzrechte sind ein normales Element des geistigen Eigentums, ohne das marktwirtschaftlich geprägte Informationsgesellschaften nicht funktionieren können. Google müsste gerade angesichts seiner Marktmacht in der Lage sein, solche Debatten sachlich zu führen.“ BDZV Pressemitteilung

Gerade Google steht es wohl nicht frei, das Angebot der Presseverleger anzunehmen oder abzulehnen. Obwohl nach Aussagen von Google die Verlagsinhalte nur zu 5% in den Suchmaschinenergebnissen auftauchen, würden die Verleger doch das scharfe Schwert des Wettbewerbsrechts zücken oder handelt es sich hierbei um Bigotterie, die von Außenstehenden nicht zu verstehen ist? Leider war Mathias Döpfner bisher nicht in der Lage zu erklären, wie sich ein Leistungsschutzrecht mit marktwirtschaftlich liberalen Werten vereinbaren lässt. Können Sie das vielleicht?

Wer im Zusammenhang mit dem Leistungsschutzrecht die Frage nach dem „Wie“ nicht hinreichend beantworten kann, muss sich die Frage nach dem „Ob“ gefallen lassen. Zumal selbst für diese bisher keine stichhaltigen Argumente vorgelegt wurden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Text in meinem Blog www.presseschauer.de veröffentlicht wurde und ich mir vorbehalte Ihre Antwort ebenfalls zu veröffentlichen. Sollten Sie damit nicht einverstanden sein, bitte ich Sie dem ausdrücklich zu widersprechen.

Mit freundlichen Grüßen


Daniel Schultz

by PresleyJesus

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Offene Mail zum „geistigen Eigentum“ an Mathias Döpfner

Sehr geehrter Herr Döpfner,

Vor einiger Zeit hatte ich bereits eine offene Mail zum Leistungsschutzrecht an Sie gerichtet, die Sie leider bis heute nicht beantwortet haben. Da Sie sich erneut für ein Leistungsschutzrecht ausgesprochen haben, sah ich mich gezwungen ihnen erneut zu schreiben.

„Dass nun aber ausgerechnet die NZZ in ihrer Ausgabe vom 31. 8. 10 den Schutz des geistigen Eigentums im Internet zu einem freiheitsfeindlichen Eingriff, gar zum Protektionismus erklärt, hat mich doch nachhaltig verwundert und den Drang ausgelöst, die Schweizer Freiheit vor den Gedanken der Unfreiheit und einem Anflug von Web-Kommunismus in Schutz zu nehmen.“ Mathias Döpfner

Natürlich ist das geforderte Schutzrecht ein Protektionismus (von lateinisch protectio: Schutz) und muss nicht erst dazu erklärt werden. Im Übrigen ist es doch sehr verwunderlich, wie Sie ihren angeblichen Partner, Google, durch das ständige Lamentieren einer Kostenloskultur quasi beschimpfen.

„Wer liberal ist, verteidigt geistiges Eigentum“ Mathias Döpfner

„Tatsächlich stellen Eigentumsrechte in einem gewissen Sinne stets auch Freiheitsbeschränkungen dar. Eigentum bedeutet die ausschließliche Zuordnung eines Rechtsguts zu einer Person. Es verbietet einer Vielzahl von Personen den Zugriff auf ein Rechtsgut. Dadurch soll einem Einzelnen eine Sphäre verschafft werden, in der er das Rechtsgut unbehelligt von anderen nutzen kann. Insofern hat das Eigentum zwar auch die Aufgabe, Freiheit zu verwirklichen. Es vermindert aber die Rechte anderer nicht nur als unerwünschte „Nebenwirkung“, sondern bereits in seinem innersten Kern.“ Dr. Hauke Möller

Da Sie sich in ihrem Text auf die «Physiker» und Johann Wilhelm Möbius, Erfinder des «Systems aller möglichen Erfindungen», beziehen und Günter Krings in einem ähnlichen Zusammenhang die «Bibliothek von Babel» ins Feld führte, sollten Sie sich die Mühe machen, darüber nachzudenken, wie sich diese gedanklichen Konstrukte in Kombination mit „geistigem Eigentum“ verhalten. Zwar ließe sich argumentieren, wenn alles schon erfunden und aufgeschrieben wäre, wären Erfinder und Autoren obsolet. Doch hätten Möblius und die Autoren der «Bibliothek von Babel»1 , bei einer starken rechtlichen Auslegung eines „geistigen Eigentums“, die Möglichkeit die Nutzung ihres „Eigentums“ durch die Allgemeinheit zu unterbinden. Wenn das geltende Recht selbst die Aneinanderreihung weniger Worte schützen würde, sind weder Meinung- noch Pressefreiheit denkbar. Dieser Exzess der Eigentumsfreiheit führt zwangsläufig zu einer unfreien Gesellschaft. Wie liberal muss man sein, um derartiges zu verteidigen?

Wenn „geistiges Eigentum“ gewährt würde, stellt sich die Frage, ob nichtunendliche Schutzfristen gegen Art. § 14 GG verstoßen, da mit dem Ablauf der Schutzfrist der „Eigentümer“ tatsächlich enteignet würde. Allerdings ist der Gesetzgeber nicht verpflichtet ein „geistiges Eigentum“ auszugestalten. Wer also von „schleichender Enteignung“ oder „Raubkopien“ spricht, verwendet eine kriminalisierende Kampfrhetorik, der es an gebotener Sachlichkeit fehlt.

Das sachliche Eigentum soll dabei nicht verneint werden, da im Unterschied zu „geistigem Eigentum“ hier eine ausschließliche Zuordnung des Rechtsguts zu einer Person möglich ist.

„Die Verwendung eines geistigen Gutes kann dagegen Dritte von seiner faktischen Nutzung nicht ausschließen. Der Erfinder verliert seine Idee nicht, wenn auch andere sie sich zunutze machen. Verloren geht ihm allenfalls die Exklusivität.“ Dr. Hauke Möller

„Profis, die eine Kunst oder ein Handwerk besser beherrschen als Laien, müssen von ihrer Kunst leben können. Man darf diese Künstler und Handwerker nicht durch Exzesse der Freiheit ins berufliche Exil jagen.“ Mathias Döpfner

Sie argumentieren die „Exzesse der Freiheit“ wären die oben zitierten „Gedanken der Unfreiheit“, die von ihnen gleichermaßen kritisiert werden. Ob ein Künstler von seiner Kunst oder ein Handwerker von seinem Handwerk leben kann, hängt von der finanziellen Wertschätzung durch die Gesellschaft ab. Zwar gibt das Grundgesetz jedem das Recht eine gewünschte Profession zu ergreifen, doch die marktwirtschaftlichen Möglichkeiten determinieren diese Freiheit. Es gibt und gab genügend Künstler, die nicht in der Lage waren wirtschaftliche Vorteile aus ihrem Schaffen zu ziehen, deren Arbeit erst nach ihrem Ableben geschätzt wurde. Nun erkennt die Gesellschaft nicht zwangläufig sofort, den tatsächlichen Wert ihrer Kunst und somit sind diese Künstler darauf angewiesen, durch andere Tätigkeiten für einen Lebensunterhalt zu sorgen und werden dadurch zu Hobbyisten. Ob die Qualität ihres Schaffens höher wäre, wenn sie direkt dafür bezahlt würden, ist fraglich. Insofern Teile ich ihre Einschätzung zu Goethe, nur im verminderten Umfang seines Gesamtwerks. Nun kann eine, von mir gewünschte, Renaissance des Mäzentums die Verkennung von Künstlern durch die Gesellschaft nicht verhindern. Aber Sie können sich ja gerne für ein bedingungsloses Grundeinkommen einsetzen.

Wie Dr. Till Kreutzer stelle auch ich den spitzwegschen orginären Schöpfer, dem das Verständnis unseres derzeitigen Urheberrechts zu Grunde liegt, in Frage. So hat auch das Symposium verbotene Filme gezeigt, wie ein streng ausgelegtes Urheberrecht mehr und mehr zur Verhinderung neuer Werke beiträgt. Dort wurde auch die Frage aufgeworfen, inwiefern Kreative tatsächlich Neues schaffen oder sie letztendlich auf den Schultern von Riesen stehen. Gleichfalls widerlegt die wirtschaftshistorische Untersuchung von Eckhard Höffner ihre Behauptung, bei einem schwachen oder nicht vorhandenen Schutzrecht würde „Irgendwann wird keiner mehr in Inhalte investieren“. Daraus geht ebenfalls hervor, dass vor allem die Verlage von der Einführung eines Urheberrechts profitiert haben.

by marfis75

Ist man nicht viel mehr Entdecker, wenn man treffende Formulierungen findet oder auf klangvolle Melodien und brillanten Farbkombinationen stößt, wenn man Existierendes recherchiert oder die Natur kopiert? Verständlich, dass Christoph Kolumbus aus seiner Entdeckung einen Profit ziehen und sich vertraglich gegenüber der spanischen Krone absichern wollte. Doch wäre die Kapitulation von Santa Fe reichlich unsinnig gewesen, wenn die entdeckten Gebiete eine Hochkultur mit einem ausgeprägten Eigentumsbegriff gehabt hätten.

Die Forderung nach einem Leistungsschutzrecht ist der Wunsch nach einem Monopolrecht, welches liberales marktwirtschaftliches Denken konterkariert und, nach Robert Schweizer, erst ein Geschäftsmodell schaffen soll. Warum soll der Gesetzgeber eingreifen, wenn eine Ausschaltung des freie Wettbewerbs der Meinungen nicht erkennbar ist?

„Das Internet stärkt die Meinungsfreiheit. Willkürlich ausgeübte Autorität, repressive Tendenzen, Zensur werden durch das Internet erschwert. Wer etwas mitteilen möchte, findet im Internet einen Weg. Das Internet hat durch seine Verfügbarkeit für jedermann ein stark anarchisches und antiautoritäres Element. Das Netz hilft der freien Verbreitung von Informationen, gerade auch, wenn diese unwillkommen sind. Keine Frage: Das Internet ist ein Freiheitsmedium.“ Mathias Döpfner

„Nur wenn das wirtschaftliche Fundament der Medienhäuser intakt bleibt, wird es langfristig wirkliche Freiheit der Informationen, also Meinungs- und Gedankenfreiheit geben.“ Mathias Döpfner

Den Widerspruch in ihrem Text erkennen Sie wohl selbst. Falls tatsächlich nur die zweite Aussage zutreffend wäre, sollte man über eine Änderung des Grundgesetzes an entsprechender Stelle nachdenken. Aber derzeit ist dies offensichtlich nicht der Fall.

Am meisten stört mich allerdings, mit welcher Selbstverständlichkeit Sie scheinbar glauben, dass allein mit der Existenz von Verlagen eine Pressefreiheit überhaupt gewährleistet werden kann. Dass es sich bei Artikel 5 GG um ein Abwehrrecht gegenüber dem Staat handelt und nicht ein Existenzrecht für Verlage darstellt, scheint Sie nicht zu interessieren.

Wenn ausgerechnet diejenigen, die immer wieder eine Marktliberalisierung gefordert haben, jetzt nach dem Staat rufen, ist das wohl ein Treppenwitz der Geschichte.

„Möge fehlerhafte Logik ihre ganze Philosophie untergraben!“

Bitte beachten Sie, dass dieser Text in meinem Blog www.presseschauer.de veröffentlicht wurde und ich mir vorbehalte Ihre Antwort ebenfalls zu veröffentlichen. Sollten Sie damit nicht einverstanden sein, bitte ich Sie dem ausdrücklich zu widersprechen.

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Schultz

by frankh

<a title=“navigation“ href=“http://flickr.com/photos/45409431@N00/5374308475″><img src=“http://farm6.static.flickr.com/5205/5374308475_619de16a0a.jpg“ alt=““ /></a>

by <a href=“http://flickr.com/photos/45409431@N00″>marfis75</a>

  1. Da Jorge Luis Borges «Bibliothek von Babel» als präexistent beschrieben wird, habe ich für das Gedankenexperiment Autoren angenommen, denen ein „geistiges Eigentum“ zugestanden wird. Würde man die Autoren weglassen, so könnte niemand Rechte am „geistigen Eigentum“ der Werke beanspruchen. []

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Warum Sascha Lobo den moralischen Schwarzen Peter verdient hat?

Sep 06 2010 Published by under meine realität, Rechteverwerter

Am Wochenende habe ich mich mit Art. 14 GG und dem „geistigem Eigentum“ auseinandergesetzt. Dabei war ich zu der Überzeugung gekommen, dass der Gesetzgeber zwar prinzipiell ein „geistiges Eigentum“ über das einfache Recht ausgestalten kann, er dazu aber nicht verpflichtet ist. Obwohl es im Streitgespräch zwischen Sascha Lobo und Marcel Weiss anlässlich der all2gethernow um den neutralen übergeordneten Begriff des Immaterialgüterrechts ging, fiel fast zwangläufig der umstrittene Kampfbegriff „geistiges Eigentum“.

Während Sascha auf die Moralkarte setzte und versuchte durch rhetorische Finesse Marcel zu einem unmoralischen Statement zu bewegen, zog sich Marcel auf eine ökonomische, aus seiner Sicht wertfreie, Betrachtung zurück. Bei der Frage, ob Musiker das Recht haben sollten, durch den Verkauf von Musik (sic! Nicht der Tonträger), die Butter auf ihr Brot zu bekommen oder dafür alternative Erlösströme(Verkauf knapper Güter) bemühen sollten, redeten sie einfach aneinander vorbei.

Auf der moralischen Ebene stand eine Arschlochmentalität durch Filesharing der nüchternen Frage nach der Gewährung von Monopolrechten gegenüber. Dabei vertrat Marcel die Auffassung, dass durch Monopolrechte der Gesellschaft Nachteile entstünden, wohingegen Sascha illegales Filesharing als pubertären bis spätpubertären Egoismus verstand. Nach Sascha solle es einem Künstler freistehen, ob er Filesharing bewusst zulasse oder seine Musik verkaufen und davon leben wolle.

Doch warum sollte ein Monopolrecht negative Auswirkungen haben?

Als Beispiel kam aus dem Publikum von Marcel (update:21:39 Uhr – danke für den Hinweis) eine Anekdote zu Franz Kafka, der seine Werke nach seinem Ableben verbrannt wissen wollte. Doch wurden diese nicht verbrannt und blieben damit der Nachwelt erhalten. Eigentlich wurde damit sein Urheberrecht verletzt, weil ihm das ausschließliche Verbreitungsrecht zustand. Gleichfalls wurde dann Kafka als Ausnahme angesehen, bei dem eine derartig Rechtsverletzung zu tolerieren wäre. Doch das ist bei der Beantwortung einer prinzipiellen Frage ähnlich zielführend wie die Beschränkung der Privatkopie auf Mixtapes – eben gar nicht.

Diesbezüglich könnte man Franz Kafka eine egoistische Arschlochmentalität unterstellen und auf einmal läge der moralische Schwarze Peter bei Sascha. Und genau das mache ich hiermit.

Die Generierbarkeit von urheberrechtlich geschützten, weil die Schöpfungshöhe erreichenden, Werken möchte ich hier zwar erwähnen, allerdings nicht weiter ausführen.

Eigentum verpflichtet!

Wenn man gebrauchte mp3s, im Sinne eines „geistigen Eigentums“, nicht weiterverkaufen kann, auch wenn sie gelöscht würden, dann ist dies unlogisch und zwangsläufig eine Enteignung des Käufers dieses „geistigen Eigentums“. Entsprechend setzt die Verwertungsindustrie zunehmend auf die Gewährung von Nutzungsrechten, die durch technische Maßnahmen auch leichter wieder entzogen werden können. Das lässt sich derzeit etwa bei Herstellern von Computerspielen oder bei der Einführung von HD+ beobachten.

Der ökonomische Wert einer Wertschätzung wird durch ein Monopolrecht einem freien Markt entzogen. Zwar mag man einwerfen, der Preis finde sich schon, da ein Urheber ja von etwas leben wolle und somit keine Mondpreise festlegen könne. Dabei trifft man aber die Annahme, der Schaffende wäre auf den Erlös seiner Werke angewiesen. Entsprechend kann die sich selbstverwirklichende Millionärsgattin tatsächlich Mondpreise für ihre Toskana Aquarelle verlangen, ungeachtet der „künstlerischen“ Leistung. Was eben die ursprüngliche Annahme widerlegen dürfte.

Dennoch gebe ich zu, dass das Urheberrecht nicht gerade das Monopolrecht ist, bei dem ein solcher Zusammenhang schnell offensichtlich ist. Es sein denn, es handelt sich um Metall auf Metall. Deshalb möchte ich kurz das Patentrecht streifen.

Zwar wird dieses Monopolrecht nicht automatisch und nicht bis zu 70 Jahre nach dem Tod des Autors gewährt, doch die Implikationen sind erheblich tiefgreifender. Große Unternehmen, die teilweise mehrere zehntausend Patente halten, können nicht jedes Patent in ein Produkt verwandeln, gleichfalls werden strategische Patente gehalten um den Markteintritt von Konkurrenten in diesem Bereich zu unterbinden. Dadurch werden zur Profitmaximierung gewährte Monopolrechte missbraucht und der Allgemeinheit Technologie vorenthalten. Theoretisch kann es etwa zu der Situation kommen, dass zwei Pharmaunternehmen durch das Halten strategischer Patente sich gegenseitig an der Entwicklung eines lebenswichtigen Medikamentes hindern. Wenn diese Unternehmen keine wirtschaftliche Einigung erzielen, muss im ungünstigen Fall das Ablaufen der Patente abgewartet werden.

by alessandraelle

Warum es ohne Immaterialgüterrechte und mit Filesharing geht

Ersteres ist historisch belegt, auch wenn die Musikindustrie des 20 Jahrhunderts die Mäzenkultur in gewisser Weise industrialisiert und ökonomisiert hat. Der Musiker wurde so zum Investitionsobjekt und die Selektion des Portfolios zu einer wirtschaftlichen Entscheidung. Die derzeitige Casting-Maschinerie ist nur eine Fortführung dieses Gedanken, der Profitmaximierung durch Massentauglichkeit zur Konsequenz hat. Vielleicht sollte man besser den Begriff Tonträgerindustrie verwenden, da das Geschäftsmodell den Verkauf eines Produktes des Tonträgers (und nicht der Musik) vorsah. Bekanntlich war die Herstellung, Verbreitung und das entsprechende Marketing für einen Musiker, der sich meist lieber einfach mit seiner Musik auseinandersetzen möchte, nicht bezahlbar.

Mit der Digitalisierung verschwand ein Teil der Kosten und eröffnen nun dem Musiker neue Möglichkeiten, wie Marcel auch immer wieder bemerkt. Auf einmal ist es Menschen, die sich zum Musiker berufen fühlen, möglich ohne Plattenvertrag, ein Publikum zu finden und von Fans finanziert zu werden. Wer sich als Künstler dennoch ausschließlich auf seine Musik konzentrieren möchte, kann sich weiterhin vermarkten lassen, doch sind die Kosten dafür geringer und die Verhandlungsposition des Künstlers besser. Und hier stehen wir erst am Anfang – Macht der Gewohnheit. Wenn ich CDs kaufe wird sich schon jemand drum kümmern, dass meine Lieblingsband ein neues Album produzieren und auf Tournee gehen kann – huch, ich kaufe ja gar keine CDs mehr und eigentlich will ich auch nicht das meine Lieblingsband gerade mal 5% vom verkauften Album erhält. Und schon sind wir bei den knappen Gütern von Marcel.

Das knappeste Gut, welches ein Künstler, ein Erfinder oder ein Autor hat, ist die eigene Lebenszeit, gefolgt von seiner Gesundheit. Deshalb wissen die Fans von Tim Pritlove genau, wenn sie es ihm nicht ermöglichen, ein vernünftiges Auskommen zu haben, ihm Geld für Equipment oder eine BahnCard 100 zu kommen lassen, dann gibt es einfach keine oder weniger neuen Podcasts. Weil Tim dann anders für Butter auf sein Brot sorgen muss.

Und so verändert sich das Mäzentum durch die Digitalisierung erneut.

Update 21:51 Uhr:

Zusammenfassung auf Netzpolitik.org

Update 22:40 Uhr:

Fazit von Marcel Weiss

by jurvetson

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