Sollte Günter Krings seine Meinung zum Urheberrecht überdenken?

Sehr geehrter Herr Günter Krings,

im Zusammenhang mit dem Leistungsschutzrecht hatte ich ihnen eine offene Email geschrieben, die von ihnen, zu meiner positiven Überraschung, sehr schnell beantwortet wurde. In einer Replik habe ich dann versucht ihre Argumente zu zerlegen, da sie mir insgesamt wenig stichhaltig erschienen.

Ein aktueller Anlass bewegt mich nun, Sie bezüglich des Urheberrechts erneut anzuschreiben. Wenn man ihren Ausführungen folgt, dann scheint die Produktion von Kreativem nur mit einem starken Urheberrecht möglich. Gerne schweifen Sie dabei in historische Vergleiche ab, die ich für unzutreffend halte. Der Zufall will es, dass der Münchner Wirtschaftshistoriker Eckhard Höffner nun eine Analyse veröffentlicht hat, in der die Marktsituation der Verlage zwischen Deutschland und England im 19. Jahrhundert verglichen wurde. Einem Zeitpunkt, zu dem in Deutschland ein Urheberrecht nicht existierte, dies wurde in Preußen erst 1837 eingeführt, während es in England schon länger durchgesetzt wurde.

„Höffners Fleißarbeit ist die erste wissenschaftliche Arbeit, in der die Auswirkungen des Urheberrechts über einen vergleichbar langen Zeitraum und anhand eines direkten Vergleichs zweier Länder untersucht wird. Seine Erkenntnisse sorgen in der Fachwelt für Aufregung. Denn bislang galt das Urheberrecht als große Errungenschaft und Garant für einen florierenden Buchmarkt. Demnach werden Autoren nur dann zum Schreiben animiert, so die Lehrmeinung, wenn sie ihre Rechte gewahrt wissen.“ Spiegel Online

Mit der Arbeit von Eckhard Höffner wird eine historische Begründung, die für ein starkes Urheberrecht oder gar ein Leistungsschutzrecht sprechen soll, mehr als fragwürdig.

Historisch betrachtet sprachen folgende Argumente gegen ein starkes Urheberrecht:

  • Sowohl die Anzahl unterschiedlicher, als auch die verkaufter Bücher war geringer
  • Der Teil der Bevölkerung, der Zugang zu Wissen hatte, war deutlich kleiner
  • Verlage konnten eine Monopolstellung missbrauchen
  • Weniger Autoren hatten die Möglichkeit Werke verlegen zu lassen
  • Die Einnahmen der Autoren waren geringer

Mit Sicherheit lässt sich die historische Situation nicht mit der Heutigen vergleichen, doch sollte man sich fragen, ob eine Verschärfung des Urheberrechts bzw. die Einführung eines Leistungsschutzrechts tatsächlich die positive Wirkung hat, die bisher schlicht angenommen wurde und dogmatisch wie eine Monstranz vor sich hergetragen wurde.

Man gewinnt den Eindruck, dass durch das Fehlen eines Urheberrechts Deutschland erst zum „Volk von Dichtern und Denkern“ werden konnte. Es scheint, als hätten die Unternehmer der Gründerzeit exakt davon profitiert und Deutschland dadurch zu einer erfolgreichen Industrienation machen können.

Nach dem zum Leistungsschutzrecht noch die entscheidende Frage unbeantwortet blieb, möchte ich Sie bitte diese noch zu beantworten.

Wo ist für Sie eine Ausschaltung des Wettbewerbs der Meinungen durch wirtschaftliche Druckmittel erkennbar, der einen staatlichen Eingriff rechtfertigen würde?

Bitte beachten Sie, dass dieser Text in meinem Blog www.presseschauer.de veröffentlicht wurde und ich mir vorbehalte Ihre Antwort ebenfalls zu veröffentlichen. Sollten Sie damit nicht einverstanden sein, bitte ich Sie dem ausdrücklich zu widersprechen.

Mit freundlichen Grüßen


Daniel Schultz

by Kecko

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Zensursula eine Rückschau

Sep 20 2009 Published by under politikerverdrossenheit, zensur

Seit November letzten Jahres verfolge ich nun die politischen Bestrebungen die Kinderpornographie mittels Internetsperren einzudämmen. Da ich die von Ursula von der Leyen vertretene Herangehensweise als problematisch für Grundrechte erachte und mich selbst als Zeitzeuge sehe, habe ich angefangen die Ereignisse chronologisch aufzuarbeiten und zusammenzufassen. Herausgekommen ist ein 35-seitiges PDF, das die Vorkommnisse von November bis zur Verabschiedung des Zugangserschwerungsgesetzes durch den Deutschen Bundestag beschreibt.

Zensursula eine Rückschau

Es handelt sich dabei um einen ersten Wurf. Für Anregung und/oder Kritik einfach einen Kommentar hinterlassen oder mir eine E-Mail schreiben.

[Update 20:45]: Danke für die Hinweise! Ich habe eine korrigierte Version 0.2 hochgeladen.

[Update 21.09.2009 20:45]: Danke für die vielen Kommentare! In Version 0.3 habe ich eine, meines Erachtens besser lesbare Schrift verwendet und noch einige Fehler korrigiert. Tinyurls habe ich verwendet, um Lesern, die den Text in gedruckter Form vorliegen haben, das Abtippen von langen URLs zu ersparen. Ich bin mir durch aus der Problematik von Linkverkürzener bewusst. Sei es, dass der Dienst im Nirvana verschwindet bzw. man als Nutzer nicht so leicht erkennen kann wohin der Link nun führt. Ich könnte allerdings die normalen Links noch so einbauen, damit man im PDF auf den Link einfach klicken kann.

[Update 21.09.2009 22:59]: Komme gern dem Wünsch von Sven nach und veröffentliche noch die Latexquelldatei.

by noroute

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