ACTA – Die scheinheilige Desinformation des Günther Krings

Werter Herr Krings,

wie Sie sich sicher denken können, ist mir ihre Pressemittelung zu ACTA nicht entgangen. Da Sie bisher immer noch nicht in der Lage waren, sich zum rumänischen Megaupload der Alex Springer AG zu äußern, kognitive Dissonanz liegt hier als Grund nahe, wollte ich mit ein paar Fragen zu ihrer Pressemitteilung nachlegen.

Sie schreiben dort:

„Das europäische Parlament hat gestern den Anti-ACTA-Protesten nachgegeben und ist damit der finanzstarken Lobby großer Internetkonzerne auf den Leim gegangen. Mit gezielten Desinformationskampagnen wurden junge Menschen aufgestachelt und für deren monetären Interessen benutzt.“

1. Warum bedurfte es Wikileaks, um die undemokratische Desinformation der EU-Kommission, die im monetären Interesse der RIAA, MPAA und den damit assoziierten finanzstarken Unternehmen war, zu beenden?

Sie schreiben weiter:

„Eine Rechtsverschärfung sah das Abkommen nach eingehender Prüfung der EU-Kommission und der Bundesregierung nicht vor.“

2. Warum unterschlagen Sie Ihren Lesern, dass das Abkommen, zwar nicht in der endgültigen Fassung, sehr wohl Rechtsverschärfungen vorsahen, die etwa das Abklemmen von Internetanschlüssen von Bürgern und eine Providerhaftung erfordert hätten?

3. Warum machen Sie sich praktisch einen Erfolg der Aktivisten zu eigen, indem Sie darüber hinwegtäuschen, warum der Handelsvertrag in der endgültigen Fassung keine Rechtsverschärfung mehr vorsah?

Sie meinen weiter:

„Das Abkommen wäre wichtig gewesen, damit deutsche Patente und Marken auch in anderen Ländern den gleichen Schutz wie in der EU genießen. Deutsche Erfindungen und Qualitätssiegel sind die Voraussetzungen für den wirtschaftlichen Erfolg deutscher Unternehmen. Fälschungen und Produktpiraterie verursachen jährlich einen Schaden von mehr als 50 Milliarden Euro. Daher gefährdet das Aus für ACTA auch viele Arbeitsplätze in Deutschland.“

Sie gehen in ihrer Pressemitteilung in keinem Wort darauf ein, wie die Musik- und Filmindustrie erst die für viel Netzaktivisten kritischen Punkte in das Handelsabkommen gebracht haben. Es gibt Meinungen, diese hätten das Handelsabkommen gehijackt, um ihre überzogenen und Grundrechte schleifenden Vorstellungen in den Vertrag einzubringen.

4. Wollen Sie damit verschleiern, dass ACTA erst durch die demokratiefeindlichen Bestrebungen einiger Rechteverwerter zum Ziel von Netzaktivisten wurde und damit zum Scheitern verurteilt war?

5. Warum fördern Sie selbst durch ihre verkürzende Darstellung die Desinformation, die Sie so verurteilen?

Bitte beachten Sie, dass dieser Text in meinem Blog www.presseschauer.de veröffentlicht wurde und ich mir vorbehalte Ihre Antwort ebenfalls zu veröffentlichen. Sollten Sie damit nicht einverstanden sein, bitte ich Sie dem ausdrücklich zu widersprechen.

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Schultz

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Volkswirtschaftlicher Schaden durch Urheberrechtsverletzungen

Apr 02 2011 Published by under der presseschauer fragt nach, Rechteverwerter

Sehr geehrte Damen und Herren,

derzeit findet sich auf der Webseite ihres Ministeriums eine Ausschreibung für einen Dienstleistungsauftrag zur Erstellung einer „vergleichende[n] Studie über Modelle zur Versendung von Warnhinweisen durch Internet-Zugangsanbieter an Nutzer bei Urheberrechtsverletzungen“.

In der Kurzbeschreibung heißt es:

„Im Hinblick auf das erhebliche Ausmaß von Urheberrechtsverletzungen im Internet und den dadurch entstehenden volkswirtschaftlichen Schaden ist das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) daran interessiert, dass Internet-Zugangsanbieter und Rechteinhaber stärker zusammenarbeiten.“ C 4 – 02 08 15 – 29/11

Selbst wenn man die Hypothese1 aufstellt, Filesharer würden weniger Geld für Filme, Musik & Co. ausgeben, müsste man dann nicht untersuchen, ob sie überhaupt weniger Geld ausgeben? Und welcher volkswirtschaftliche Schaden durch das Sparen entsteht? Denn warum sollte es zu einem volkswirtschaftlichen Schaden kommen, wenn das Geld anderweitig investiert wird?

Bitte beachten Sie, dass dieser Text in meinem Blogwww.presseschauer.de veröffentlicht wurde und ich mir vorbehalte Ihre Antwort ebenfalls zu veröffentlichen. Sollten Sie damit nicht einverstanden sein, bitte ich Sie dem ausdrücklich zu widersprechen

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Schultz

by Ody5iu5

  1. Es gibt diverse Studien, die zeigen, dass die Umsätze in Musikbranche, die von dem Phänomen Filesharing als erste betroffen war, trotz Filesharing steigen. []

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Ungewissheit führt zu Unsachlichkeit

Sehr geehrter Herr Fuhrmann,

da mir noch nicht ganz klar ist, wie Sie die Debatte um das Leistungsschutzrecht für Presseverleger versachlichen wollen, richte ich diese Worte an Sie. Die Diskussion wird hauptsächlich von vielen Fragezeichen und Mutmaßungen begleitet, da die Verleger bisher nicht in der Lage waren widerspruchsfrei zu skizzieren, wie das von ihnen gewünschte Recht ausgestaltet sein sollte, ohne massive Kollateralschäden zu verursachen. Natürlich kann man nun einwenden, es wäre Aufgabe der Politik (und nicht der Verlage) Gesetze zu machen, doch hatte die Angela Merkel die Verlage aufgefordert, daran mitzuwirken. Was offensichtlich auch schon geschehen ist.

„1. Das Recht, kostenlos und genehmigungsfrei zu zitieren, bleibt von einem Leistungsschutzrecht vollständig unberührt. Anderslautende Aussagen sind falsch und grob irreführend. Deshalb trifft auch die Behauptung des Europa-Chefs von Google nicht zu, ein Leistungsschutzrecht gefährde das Zitatrecht.“ BDZV Pressemitteilung

Wie Robert Schweizer in einem Interview ausführte, orientierte man sich in der Ausgestaltung bei anderen Leistungsschutzrechten. Der BGH kam in seinem Urteil Metall auf Metall zum Schluss, dass auch winzige Teile von Musikstücken durch ein Leistungsschutzrecht geschützt sind. Da im Verlegerentwurf von Teilen von Presseerzeugnissen die Rede ist und nirgends definiert wurde, wie klein der kleinste schutzfähige Teil eines Presseerzeugnis sein soll, sind Vergleiche mit der aktuellen Rechtssprechung zu anderen Leistungsschutzrechten nachvollziehbar. Warum daher das Zitatrecht durch ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger nicht bedroht sein soll, konnte bisher nicht erklärt werden. Wenn sich das Ausschließlichkeitsrecht auf den „wesentlichen Teil [des Presseerzeugnisses]“ beschränken würde, wie beim Leistungsschutzrecht für Datenbankhersteller, würden diese Zweifel ausgeräumt. Doch damit wäre es wohl nicht möglich gegen die Verwendung von Snippets durch Google und andere Aggregatoren juristisch vorzugehen.

„2. Die Verlage nur auf die verstreuten und unterschiedlich abgeleiteten Rechten der Urheber zu verweisen, ist im digitalen Zeitalter absolut unzureichend. Ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger ist überfällig, um die gemeinsame Leistung von Journalisten und Verlegern angesichts millionenfacher unkontrollierter Vervielfältigungen durch Dritte wirksam schützen zu können. Deshalb trifft auch die Darstellung nicht zu, das geltende Urheberrecht reiche als Eigentumsschutz aus.“ BDZV Pressemitteilung

Wollen Sie damit andeuten, dass die Politik jetzt ein Gesetz für Verleger schaffen soll, weil diese nicht in der Lage sind, die Rechte, die ihnen auch durch Total Buy-outübertragen wurden, durchzusetzen? Und das nicht, weil die Verlage keine Rechte hätten, sondern weil es ihnen zu kompliziert erscheint diese wahrzunehmen – also aus Bequemlichkeit. Warum wird in der Diskussion immer der Eindruck erweckt, als würden die Verlage nie und nimmer einen Versicherer finden, der bereit wäre eine Diebstahlversicherung mit ihnen abzuschließen? Liegt es vielleicht daran, dass die Verlage ihr „Eigentum“ wie Sperrmüll auf die Straße stellen und sich nachher wundern, wenn es „geklaut“ wird? Natürlich wird dadurch weder Diebstahl noch Enteignung gerechtfertigt, aber wie kann ihnen etwas enteignet werden, was Sie nach der „Enteignung“ offensichtlich immer noch „besitzen“?

„3. Es steht einem jeden frei, das Angebot der Presseverleger anzunehmen, Leistungen der Online-Presse zu gewerblichen Zwecken zu vervielfältigen. Nur wer dieses Angebot für die Zwecke eigener Gewinnerzielung annimmt, muss dafür ein vertragliches Entgelt zahlen. Deshalb ist auch falsch, den Eindruck zu erwecken, mit dem Leistungsschutzrecht würde eine staatliche Zwangsabgabe geschaffen. Die Verleger bewerten die aktuellen Einlassungen Googles als befremdend und unseriös. Leistungsschutzrechte sind ein normales Element des geistigen Eigentums, ohne das marktwirtschaftlich geprägte Informationsgesellschaften nicht funktionieren können. Google müsste gerade angesichts seiner Marktmacht in der Lage sein, solche Debatten sachlich zu führen.“ BDZV Pressemitteilung

Gerade Google steht es wohl nicht frei, das Angebot der Presseverleger anzunehmen oder abzulehnen. Obwohl nach Aussagen von Google die Verlagsinhalte nur zu 5% in den Suchmaschinenergebnissen auftauchen, würden die Verleger doch das scharfe Schwert des Wettbewerbsrechts zücken oder handelt es sich hierbei um Bigotterie, die von Außenstehenden nicht zu verstehen ist? Leider war Mathias Döpfner bisher nicht in der Lage zu erklären, wie sich ein Leistungsschutzrecht mit marktwirtschaftlich liberalen Werten vereinbaren lässt. Können Sie das vielleicht?

Wer im Zusammenhang mit dem Leistungsschutzrecht die Frage nach dem „Wie“ nicht hinreichend beantworten kann, muss sich die Frage nach dem „Ob“ gefallen lassen. Zumal selbst für diese bisher keine stichhaltigen Argumente vorgelegt wurden.

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Mit freundlichen Grüßen


Daniel Schultz

by PresleyJesus

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Warum Sascha Lobo den moralischen Schwarzen Peter verdient hat?

Sep 06 2010 Published by under meine realität, Rechteverwerter

Am Wochenende habe ich mich mit Art. 14 GG und dem „geistigem Eigentum“ auseinandergesetzt. Dabei war ich zu der Überzeugung gekommen, dass der Gesetzgeber zwar prinzipiell ein „geistiges Eigentum“ über das einfache Recht ausgestalten kann, er dazu aber nicht verpflichtet ist. Obwohl es im Streitgespräch zwischen Sascha Lobo und Marcel Weiss anlässlich der all2gethernow um den neutralen übergeordneten Begriff des Immaterialgüterrechts ging, fiel fast zwangläufig der umstrittene Kampfbegriff „geistiges Eigentum“.

Während Sascha auf die Moralkarte setzte und versuchte durch rhetorische Finesse Marcel zu einem unmoralischen Statement zu bewegen, zog sich Marcel auf eine ökonomische, aus seiner Sicht wertfreie, Betrachtung zurück. Bei der Frage, ob Musiker das Recht haben sollten, durch den Verkauf von Musik (sic! Nicht der Tonträger), die Butter auf ihr Brot zu bekommen oder dafür alternative Erlösströme(Verkauf knapper Güter) bemühen sollten, redeten sie einfach aneinander vorbei.

Auf der moralischen Ebene stand eine Arschlochmentalität durch Filesharing der nüchternen Frage nach der Gewährung von Monopolrechten gegenüber. Dabei vertrat Marcel die Auffassung, dass durch Monopolrechte der Gesellschaft Nachteile entstünden, wohingegen Sascha illegales Filesharing als pubertären bis spätpubertären Egoismus verstand. Nach Sascha solle es einem Künstler freistehen, ob er Filesharing bewusst zulasse oder seine Musik verkaufen und davon leben wolle.

Doch warum sollte ein Monopolrecht negative Auswirkungen haben?

Als Beispiel kam aus dem Publikum von Marcel (update:21:39 Uhr – danke für den Hinweis) eine Anekdote zu Franz Kafka, der seine Werke nach seinem Ableben verbrannt wissen wollte. Doch wurden diese nicht verbrannt und blieben damit der Nachwelt erhalten. Eigentlich wurde damit sein Urheberrecht verletzt, weil ihm das ausschließliche Verbreitungsrecht zustand. Gleichfalls wurde dann Kafka als Ausnahme angesehen, bei dem eine derartig Rechtsverletzung zu tolerieren wäre. Doch das ist bei der Beantwortung einer prinzipiellen Frage ähnlich zielführend wie die Beschränkung der Privatkopie auf Mixtapes – eben gar nicht.

Diesbezüglich könnte man Franz Kafka eine egoistische Arschlochmentalität unterstellen und auf einmal läge der moralische Schwarze Peter bei Sascha. Und genau das mache ich hiermit.

Die Generierbarkeit von urheberrechtlich geschützten, weil die Schöpfungshöhe erreichenden, Werken möchte ich hier zwar erwähnen, allerdings nicht weiter ausführen.

Eigentum verpflichtet!

Wenn man gebrauchte mp3s, im Sinne eines „geistigen Eigentums“, nicht weiterverkaufen kann, auch wenn sie gelöscht würden, dann ist dies unlogisch und zwangsläufig eine Enteignung des Käufers dieses „geistigen Eigentums“. Entsprechend setzt die Verwertungsindustrie zunehmend auf die Gewährung von Nutzungsrechten, die durch technische Maßnahmen auch leichter wieder entzogen werden können. Das lässt sich derzeit etwa bei Herstellern von Computerspielen oder bei der Einführung von HD+ beobachten.

Der ökonomische Wert einer Wertschätzung wird durch ein Monopolrecht einem freien Markt entzogen. Zwar mag man einwerfen, der Preis finde sich schon, da ein Urheber ja von etwas leben wolle und somit keine Mondpreise festlegen könne. Dabei trifft man aber die Annahme, der Schaffende wäre auf den Erlös seiner Werke angewiesen. Entsprechend kann die sich selbstverwirklichende Millionärsgattin tatsächlich Mondpreise für ihre Toskana Aquarelle verlangen, ungeachtet der „künstlerischen“ Leistung. Was eben die ursprüngliche Annahme widerlegen dürfte.

Dennoch gebe ich zu, dass das Urheberrecht nicht gerade das Monopolrecht ist, bei dem ein solcher Zusammenhang schnell offensichtlich ist. Es sein denn, es handelt sich um Metall auf Metall. Deshalb möchte ich kurz das Patentrecht streifen.

Zwar wird dieses Monopolrecht nicht automatisch und nicht bis zu 70 Jahre nach dem Tod des Autors gewährt, doch die Implikationen sind erheblich tiefgreifender. Große Unternehmen, die teilweise mehrere zehntausend Patente halten, können nicht jedes Patent in ein Produkt verwandeln, gleichfalls werden strategische Patente gehalten um den Markteintritt von Konkurrenten in diesem Bereich zu unterbinden. Dadurch werden zur Profitmaximierung gewährte Monopolrechte missbraucht und der Allgemeinheit Technologie vorenthalten. Theoretisch kann es etwa zu der Situation kommen, dass zwei Pharmaunternehmen durch das Halten strategischer Patente sich gegenseitig an der Entwicklung eines lebenswichtigen Medikamentes hindern. Wenn diese Unternehmen keine wirtschaftliche Einigung erzielen, muss im ungünstigen Fall das Ablaufen der Patente abgewartet werden.

by alessandraelle

Warum es ohne Immaterialgüterrechte und mit Filesharing geht

Ersteres ist historisch belegt, auch wenn die Musikindustrie des 20 Jahrhunderts die Mäzenkultur in gewisser Weise industrialisiert und ökonomisiert hat. Der Musiker wurde so zum Investitionsobjekt und die Selektion des Portfolios zu einer wirtschaftlichen Entscheidung. Die derzeitige Casting-Maschinerie ist nur eine Fortführung dieses Gedanken, der Profitmaximierung durch Massentauglichkeit zur Konsequenz hat. Vielleicht sollte man besser den Begriff Tonträgerindustrie verwenden, da das Geschäftsmodell den Verkauf eines Produktes des Tonträgers (und nicht der Musik) vorsah. Bekanntlich war die Herstellung, Verbreitung und das entsprechende Marketing für einen Musiker, der sich meist lieber einfach mit seiner Musik auseinandersetzen möchte, nicht bezahlbar.

Mit der Digitalisierung verschwand ein Teil der Kosten und eröffnen nun dem Musiker neue Möglichkeiten, wie Marcel auch immer wieder bemerkt. Auf einmal ist es Menschen, die sich zum Musiker berufen fühlen, möglich ohne Plattenvertrag, ein Publikum zu finden und von Fans finanziert zu werden. Wer sich als Künstler dennoch ausschließlich auf seine Musik konzentrieren möchte, kann sich weiterhin vermarkten lassen, doch sind die Kosten dafür geringer und die Verhandlungsposition des Künstlers besser. Und hier stehen wir erst am Anfang – Macht der Gewohnheit. Wenn ich CDs kaufe wird sich schon jemand drum kümmern, dass meine Lieblingsband ein neues Album produzieren und auf Tournee gehen kann – huch, ich kaufe ja gar keine CDs mehr und eigentlich will ich auch nicht das meine Lieblingsband gerade mal 5% vom verkauften Album erhält. Und schon sind wir bei den knappen Gütern von Marcel.

Das knappeste Gut, welches ein Künstler, ein Erfinder oder ein Autor hat, ist die eigene Lebenszeit, gefolgt von seiner Gesundheit. Deshalb wissen die Fans von Tim Pritlove genau, wenn sie es ihm nicht ermöglichen, ein vernünftiges Auskommen zu haben, ihm Geld für Equipment oder eine BahnCard 100 zu kommen lassen, dann gibt es einfach keine oder weniger neuen Podcasts. Weil Tim dann anders für Butter auf sein Brot sorgen muss.

Und so verändert sich das Mäzentum durch die Digitalisierung erneut.

Update 21:51 Uhr:

Zusammenfassung auf Netzpolitik.org

Update 22:40 Uhr:

Fazit von Marcel Weiss

by jurvetson

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Markt für journalistische Inhalte != Suchmaschinenmarkt

Jan 21 2010 Published by under medienkritik, meine realität, Rechteverwerter

Gestern fand in der Heinrich Böll Stiftung eine Podiumsdiskussion mit dem Titel Gottes Werk und Googles Beitrag statt. Im Wesendlichen wurde über Sinn, Zweck und mögliche Ausgestaltung eines Leistungsschutzrechts für Verlage gesprochen. Viel Neues kam allerdings nicht zu Tage. Von Verlagsseite stellte Christoph Keese noch einmal klar, dass es nicht nur um Google gehe, sondern generell um eine gewerbliche Nutzung von journalistischen Inhalten. Für Eva-Maria Schnurr, die die Seite der Journalisten vertrat, war nicht ersichtlich, wie leistungsschutzrechtliche Ansprüche durch Verlage von urheberrechtlichen Ansprüchen der Autoren abgegrenzt werden können. Und ob nicht dadurch die Position freier Autoren weiter geschwächt würde. Till Jäger, der den juristischen Aspekt in die Diskussion einbrachte, sah den Wunsch der Verlage, eine vermeintliche Gesetzeslücke endlich zu schließen, eher skeptisch. Malte Spitz bemängelt ebenfalls, dass man jetzt eine Diskussion mit Verlagen führe, aber die Musik- und Filmindustrie ebenfalls Schwierigkeiten habe im Netz Geld zu verdienen und insofern ein Sonderweg für Verlage abwegig wäre. Matthias Spielkamp führte durch die bisweilen heitere Debatte.

Heiter wohl deswegen, weil nach gut einem Jahr noch nicht wirklich erkennbar ist, wie ein Leistungsschutzrecht für Verleger tatsächlich ausgestaltet sein kann und/oder wird. Somit gab es Mutmaßungen, die teilweise noch mehr Unklarheit und Fragen bezüglich der Abgrenzung aufwarfen. Doch kristallisierten sich für mich zwei wesentliche Punkte heraus.

1. Die Geschichte mit den Snippets (nach Keese keine Zitate) und Google hat für Christoph Keese nur zweitrangig mit dem Leistungsschutzrecht zutun, da man (die Verlage) über das Kartellamt und die marktbeherrschende Stellung Googles die Möglichkeit sieht, einen Hebel anzusetzen.

2. Unternehmen die journalistische Inhalte beziehen, etwa Banken, sollen bei Verwendung (auch interner Verwendung – ohne Veröffentlichung von Zitaten) zur Kasse gebeten werden.

Zu 2.:

Angenommen man würde die Nutzungsbedingungen der Verlagsangebote dahingehend ändern, etwa eine gewerbliche Nutzung nur gegen die Zahlung von Lizenzgebühren zu gestatten, so stellt sich die Frage nach der Durchsetzbarkeit. Bei kleinen Unternehmen mit einfachem DSL und dynamischer IP-Adresse – ja, theoretisch unter zur Hilfenahme der Vorratsdatenspeicherung. Aber ist das verhältnismäßig? Bei großen Unternehmen mit fester IP dürfte die Nachvollziehbarkeit kein Problem darstellen. Ob allerdings für eine Vielzahl von Arbeitsplätzen dann erstrecht Verlagsangebote gesperrt würde, steht auf einem anderen Blatt. Die Mitarbeiter sollen ja schließlich arbeiten und nicht Zeitung lesen. Dies könnte im Vergleich zur jetzigen Situation aus finanzieller Sicht einen Rückschritt für die Verlage bedeuten.

Zu 1.:

Im Anschluss an die Diskussion hatte ich die Chance einige Worte mit Christoph Keese zu wechseln und stellte ihm folgende Frage:

„Angenommen es gäbe bereits ein Leistungsschutzrecht für Verlage und Google, dessen Anteil an Links zu Verlagsangeboten bei nur 5% liegen soll, würde sich entscheiden, Verlagsangebote nicht zu lizenzieren und sie daher aus dem Index zu nehmen. Was würden die Verlage dann machen?“ Daniel Schultz

Christoph Keese entgegnete, dies würde bereits in ähnlicher Form der Fall sein, da die Verlage von Google aufgefordert würden, sich selbst zu deindizieren (robots.txt). Daher habe man sich auch an das Kartellamt gewand. Denn Google würde aus seiner marktbeherrschenden Stellung(Suchmaschinenmarkt) heraus den Preis mit 0 Euro diktieren.

Nun versuche ich mal an einem Beispiel zu erklären, warum ich einen Unterschied in einem Markt für journalistische Inhalte und dem Suchmaschinenmarkt sehe. Und für mich auch ein Diktat des Preises durch Google nicht erkennbar ist.

Angenommen es gäbe ein Kleinanzeigenblatt, über das unter anderem Dung kostenlos angeboten würde. Das Kleinanzeigenblatt habe einen Marktanteil von 90% und somit eine marktbeherrschende Stellung im Kleinanzeigenmarkt. Nun sind 5% der Anbieter von kostenlosem Dung nicht mehr zufrieden ihren Qualitätsdung weiterhin kostenlos abzugeben. Die andern 95% schert es aber einen Dreck; sie sind froh über das Kleinanzeigenblatt ihren Dung loszuwerden.

Wer legt hier den Preis fest? Das Kleinanzeigenblatt oder die 95%, die offensichtlich nicht am Verkauf von Dung interessiert sind?

Anders gefragt: Hat Microsoft so um 2003, mit einem Marktanteil von etwa 85% bei Browsern, den Preis für journalistische Inhalte mit 0 Euro diktiert?

Solange es genügend Anbieter von journalistischen Inhalten gibt, denen mehr an Aufmerksamkeit als an Entgelt liegt, solange werden diese den Preis, im Zweifel mit 0 Euro, diktieren und nicht Google, eine andere Suchmaschine oder irgendein Aggregator.

Eine Dokumentation der Veranstaltung findet ihr auf Carta.Ebenfalls sollte man den Artikel Google-Bashing: Zur politischen Ökonomie einer Suchmaschine unbedingt lesen.

by westpark

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