Sehr geehrter Herr Thomas K.,
ich bin über das taktlose Auftreten ihres Unternehmens mir gegenüber verärgert. Einen Zweizeiler als Anschreiben mit dem Hinweise auf Unterstützung für meine “redaktionelle” Arbeit, gefolgt von einer Pressemitteilung für das Produkt eines Ihrer Kunden, halte ich für untragbar. Mit einer solchen Herangehensweise begeben Sie sich aufs Glatteis.
Ich betreibe meine Blog als ambitionierter Hobbyist. Die durch Domain und Webspace entstehenden Kosten von etwa 36 € im Jahr, die ich für die von Silverbird Consulting gebotene Leistung für recht günstig halte, finanziere ich selbst. Die Einnahmen aus PR & Werbung betragen 0 € (in Worten: “Null”) über die gesamte Laufzeit. Sicher ist mir bewusst, dass ich Aufmerksamkeit auf dieses oder jenes lenke, dies geschieht aus persönlicher Überzeugung. Wenn ich in meiner Sidebar auf eine Veranstaltung wie die re:publica hinweise, habe ich dadurch einen persönlichen Vorteil in Form einer Einlassvergünstigung. Ein solches Konzept ist für derartige Veranstaltungen mittlerweile gängige Praxis und für Leser nachvollziehbar.
Einmal bin ich von Aviary kontaktiert worden. Zuvor hatte ich schon von selbst über ihr Produkt geschrieben und in anderen Blogs dazu kommentiert, weil es mich überzeugt hatte. Man hatte mir angeboten ein Jahresaccount zu verlosen, also ein nettes Incentive für einen meiner Leser und in dem Beitrag dazu war nachvollziehbar wie es dazu gekommen ist. Allerdings würde ich heute nicht mehr in dieser Form eine Verlosung durchführen (Twitterspam). Zu @Deef von gefuehlskonserve.de habe ich eine persönliche Beziehung und weise daher gerne auf seine Veranstaltung hin, die ich spannend finde, leider aber noch nicht die Zeit gefunden habe sie zu besuchen. Und wenn jemand meint er müsse mir ein neues Handy zum Testen schicken, kann er das gerne machen! Er muss aber damit rechnen, dass ich es kritisch unter die Lupe nehmen werde und wenn es gegen mein Sony Ericsson w960i, mit dem ich recht zu frieden bin, nicht anstinken kann, es auch schreiben werde.
Falls Sie sich ein wenig mit mir und meinen Netzaktivitäten auseinander gesetzt hätten, würden Sie von meiner kritischen Haltung gegen über PR, Werbung und Schleichwerbung (delicius ist gerade in Verbindung mit yahoopipes großartig) wissen (Stefan Niggemeier und Lanu machen im Ürigen einen richtig guten Job!). Ach ja und weil wir gerade bei Empfehlungen sind – 39,90 wäre noch eine. Sie werden in meinem Blog oder auf Twitter noch weitere finden, die vor allem eines gemeinsam haben. Ich habe dazu eine wie auch immer geartete positive Beziehung.
Der mit dem Medienwandel verbundene Paradigmenwechsel ist brandaktuelles Thema und es betrifft die PR-Branche genauso wie den Journalismus. Möglicherweise haben Sie mit Ihrem Ansatz bei dem ein oder anderen Journalisten Glück, der für die von Ihnen bereit gestellte Art des Content dankbar ist. Im Gegensatz zu Ihm stehe ich nicht unter dem Druck, regelmäßig Texte abliefern zu müssen und wenn ich ein paar Wochen keine neuen Artikel veröffentliche, ist das auch kein Beinbruch. Journalisten sollten sich allerdings ebenfalls überlegen, in welcher Form sie sich auf so etwas einlassen.
Wie kommen Sie also auf die Idee, mich in dieser Form zu kontaktieren?
- Ich habe keine Beziehungen zu Ihnen
- Ich habe keine Beziehungen zu Ihrem Kunden
- Ich habe keine Beziehungen zu dem Produkt Ihres Kunden
Da ich Ihr Auftreten für unprofessionell halte, habe ich darüber Ihren Kunden in Kenntnis gesetzt und mir erlaubt ihm einen PR-Berater zu empfehlen, von dem ich im Bezug auf web2.0 überzeugt bin!
Bitte beachten Sie, dass dieser Text in meinem Blog www.presseschauer.de veröffentlicht wurde und ich mir vorbehalte Ihre Antwort ebenfalls zu veröffentlichen. Sollten Sie damit nicht einverstanden sein, bitte ich Sie dem ausdrücklich zu widersprechen.
Mit freundlichen Grüßen
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Daniel Schultz



