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Pressemitteilungen des VDZ sind ohne „Tonspur“ praktisch wertlos

Jul 10 2012 Published by under medienkritik, Rechteverwerter

Eine Durchsage an alle, die es bisher noch nicht mitbekommen haben: Ich bin kein Journalist! Pit Gottschalk erwartet, ungeachtet dessen, „kollegial und sauber eine Korrektur“. Rechter Hand auf diesem Blog prangert ein Warnhinweis, der zum kritischen Denken anregen soll, doch auch dieser lässt sich geflissentlich ignorieren. Nur ist es tatsächlich hilfreich, an jeden, der einfach so ins Internet schreibt, journalistische Maßstäbe anzulegen?

Stein des Anstoßes ist eine Pressemitteilung des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger mit dem Titel „Dokumentation des Missbrauchs“. Damit versucht der VDZ Stimmung für das Leistungsschutzrecht für Presseverleger zu machen.

„Es geht um die, die Verlagscontent ungeniert zusammenkopieren und damit Geld verdienen.“, so der VDZ.

Dort wurden dann all die bösen Buben aufgeführt, die missbräuchlich mit Verlagsinhalten ihr Schindluder treiben. All die bösen Buben? Nein, myEntdecker.de, die irgendwie zur Axel Springer AG gehören, machen das wohl nicht.

Nur war eben dies weder der PowerPoint-Präsentation noch der Pressemitteilung zu entnehmen. Für den unbedarften Leser ließ sich daher ohne weitere Recherche nur schließen, myEntdecker.de zähle ebenfalls zu den bösen Buben. Das wäre auch nicht weiter verwunderlich, da Springer sich nur dann um irgendwelche Rechte schert, wenn es dem eigenen Vorteil gereicht.

Nun, jedenfalls hat der VDZ wohl in Reaktion auf meinen Blogpost die Präsentation ergänzt.

„Nachtrag: Bei diesem Angebot handelt es sich um eine Website der Axel Springer AG mit voll lizensierten Texten und Fotos. Sie dient hier als illustratives Beispiel für Themenverticals. Lizensierung von Inhalten an Themenverticals stellt ein Geschäftsfeld für Verlage dar.“, so der VDZ.

Zzz, das sind also diese Vertikalen von denen Christoph Keese immer spricht.

Nun kommentiert Pit Gottschalk in meinem Blog:

„[…] myEntdecker liegt verantwortlich in meinem Bereich, und ich kenne den Urheber der Präsentation. Nichts liegt diesem ferner, als den Eindruck von Missbrauch zu erwecken.“, so Gottschalk.

Daher habe ich bei den beiden Heizöl-Lieferanten, die sich ebenfalls in der Präsentation wieder finden, nachgefragt, ob der Urheber – dem Layout der Präsentation zur Folge ebenfalls aus dem Hause Springer – sich die nötigen Rechte für die Verwendung der urheberrechtlich geschützten Logos der Unternehmen hat einräumen lassen. Dann würde er nicht nur wie bei myEntdecker.de den Eindruck von Missbrauch erwecken, er würde ihn begehen.

Ach ja, Pit Gottschalk meint, die „Tonspur“ würde fehlen und daher ließe sich nicht ohne weiteres erschließen, dass myEntdecker.de eigentlich als positives Beispiel gemeint war, das alle Inhalte korrekt lizenzieren würde.

Ich halte es ja für durchaus legitim, eine Präsentation zu halten und wesentliche Inhalte in die „Tonspur“ zu packen. Nur wenn die Präsentation zur Veröffentlichung bestimmt ist, dann ist es wenig hilfreich, wenn sie konsistent interpretierbar ist, aber genau dadurch zu einer Fehleinschätzung führt.

Wenn nun der VDZ als Institution eben diese Präsentation, deren eigentlicher Sinn erst mit der „Tonspur“ erschließt, zur Garnierung seiner Pressemitteilung nutzt, dann wirft das Fragen auf.

Vorgeblich setzt sich der VDZ für Qualitätsjournalismus ein, an den jemand wie Pit Gottschalk auch gewisse Erwartungen hat. Nur führt die Verwendung der Präsentation mit fehlender „Tonspur“ zu einer Informationslücke, die Pit Gottschalk genau durch Journalisten geschlossen haben möchte.

Er macht mir daher zum Vorwurf, ich hätte nicht ausreichend recherchiert, ja gar der Pressemitteilung des VDZ ungerechtfertigter Weise mein Vertrauen geschenkt. Man fragt sich, wofür die Mitarbeiter des Verbandes eigentlich bezahlt werden. Man sollte meinen: für Lobbyismus und unfallfreie wie konsistente Kommunikation – diese Episode kann man wohl kaum dazu zählen. Als Zeitschriftenverleger würde ich mich indes fragen, ob der VDZ tatsächlich in der Lage ist, meine Interessen adäquat zu vertreten. Dabei könnte ich noch nicht mal als Verleger dem Leistungsschutzrecht etwas abgewinnen, ich würde es als Bedrohung ansehen. Doch offensichtlich fehlt es auf Verlagsseite an ökonomischem Weitblick, um in der Forderung nach dem Leistungsschutzrecht eine Bestärkung des Geschäftsmodells der Paid Inclusion bei Suchmaschinen zu erkennen.

Dabei muss man sich vor Augen halten, dass die Mitarbeiter des VDZ sich nicht nur zum Spaß, so wie ich, mit dem Leistungsschutzrecht auseinandersetzen, sondern dass sie von Verlagen eben dafür bezahlt werden. Professionalität hat in diesem Zusammenhang mehr mit der Bezahlung als mit der Qualität der geleisteten Arbeit zu tun. Als Verleger würde ich das kommunikative Verhalten des VDZ als nicht ausreichend bis mangelhaft einschätzen. Aber das soll mir Recht sein, denn in der Sache widerspreche und widerlege ich den VDZ zu gerne.

Von einer Kritik Pit Gottschalks am VDZ habe ich indes nichts mitbekommen. Vielleicht habe ich ja nicht ausgiebig und journalistisch genug recherchiert. Wer möchte mir das zum Vorwurf machen, zumal ich noch nicht mal einen Anspruch auf journalistische Qualität meiner Beiträge erhebe. Schimpft mich Amateur – ich werde es genießen!

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Das Leistungsschutzrecht ist nötig, um sich vor der Axel Springer AG zu schützen!

Jul 09 2012 Published by under medienkritik, Rechteverwerter

Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger setzt sich bekanntermaßen für das Leistungsschutzrecht für Presseverleger ein. Daher hat man vor ein paar Tagen eine „Dokumentation des Missbrauchs“ – eine stattliche PowerPoint-Präsentation in Umfang und Gewicht – veröffentlicht.

Eingeführt wird dieses Informationshäppchen mit beschwichtigenden Worten, die sich an Blogger, die Wikipedia oder sich ihnen verbundenen Geister richten.

„Aus gegebenem Anlass zeigen wir mit einer kurzen Dokumentation, dass Blogger, Wikipedia und co nichts zu befürchten brauchen: Es geht um die, die Verlagscontent ungeniert zusammenkopieren und damit Geld verdienen.“, so der VDZ

Ja, wer verdient denn jetzt eigentlich das große Geld mit den ungeniert zusammenkopierten Verlagsinhalten?

„Vor welchem Missbrauch schützt nun also das Leistungsschutzrecht? Dies sollen die angehängten Folien kurz demonstrieren.“, schreibt der VDZ

Hier die Dokumentation des Missbrauchs

Wir blättern mal eben auf Seite 18-20: myEntdecker!

Allein der Produktname würde mich abschrecken, mich näher damit zu beschäftigen, aber für das Leistungsschutzrecht muss man auch mal durch den Sumpf.

Um es für mich kurz und schmerzlos zu machen, klicke ich auf Impressum und lese:

Impressum
Axel Springer AG

Vorstand:
Dr. Mathias Döpfner (Vorsitzender),
Jan Bayer,
Ralph Büchi,
Lothar Lanz,
Dr. Andreas Wiele
Axel-Springer-Straße 65
D – 10888 Berlin

Sitz Berlin, Amtsgericht Charlottenburg HRB 4998
USt.-ID-Nr. DE 136 627 286, Impressum von myEntdecker

Ups!

Das Leistungsschutzrecht ist also nötig, um sich vor der Axel Springer AG zu schützen!

P.S.: Der Rechtshinweis ist noch ein Schmankerl

„Der Inhalt dieser Website ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Aufnahme in Online-Dienste, Internet und Vervielfältigung auf Datenträger wie CD-ROM, DVD-ROM usw. dürfen, auch auszugsweise, nur nach vorheriger, schriftlicher Zustimmung durch die Axel Springer AG erfolgen. Eine kommerzielle Weitervermarktung des Inhalts ist untersagt.“, so myEntdecker

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ACTA – Die scheinheilige Desinformation des Günther Krings

Werter Herr Krings,

wie Sie sich sicher denken können, ist mir ihre Pressemittelung zu ACTA nicht entgangen. Da Sie bisher immer noch nicht in der Lage waren, sich zum rumänischen Megaupload der Alex Springer AG zu äußern, kognitive Dissonanz liegt hier als Grund nahe, wollte ich mit ein paar Fragen zu ihrer Pressemitteilung nachlegen.

Sie schreiben dort:

„Das europäische Parlament hat gestern den Anti-ACTA-Protesten nachgegeben und ist damit der finanzstarken Lobby großer Internetkonzerne auf den Leim gegangen. Mit gezielten Desinformationskampagnen wurden junge Menschen aufgestachelt und für deren monetären Interessen benutzt.“

1. Warum bedurfte es Wikileaks, um die undemokratische Desinformation der EU-Kommission, die im monetären Interesse der RIAA, MPAA und den damit assoziierten finanzstarken Unternehmen war, zu beenden?

Sie schreiben weiter:

„Eine Rechtsverschärfung sah das Abkommen nach eingehender Prüfung der EU-Kommission und der Bundesregierung nicht vor.“

2. Warum unterschlagen Sie Ihren Lesern, dass das Abkommen, zwar nicht in der endgültigen Fassung, sehr wohl Rechtsverschärfungen vorsahen, die etwa das Abklemmen von Internetanschlüssen von Bürgern und eine Providerhaftung erfordert hätten?

3. Warum machen Sie sich praktisch einen Erfolg der Aktivisten zu eigen, indem Sie darüber hinwegtäuschen, warum der Handelsvertrag in der endgültigen Fassung keine Rechtsverschärfung mehr vorsah?

Sie meinen weiter:

„Das Abkommen wäre wichtig gewesen, damit deutsche Patente und Marken auch in anderen Ländern den gleichen Schutz wie in der EU genießen. Deutsche Erfindungen und Qualitätssiegel sind die Voraussetzungen für den wirtschaftlichen Erfolg deutscher Unternehmen. Fälschungen und Produktpiraterie verursachen jährlich einen Schaden von mehr als 50 Milliarden Euro. Daher gefährdet das Aus für ACTA auch viele Arbeitsplätze in Deutschland.“

Sie gehen in ihrer Pressemitteilung in keinem Wort darauf ein, wie die Musik- und Filmindustrie erst die für viel Netzaktivisten kritischen Punkte in das Handelsabkommen gebracht haben. Es gibt Meinungen, diese hätten das Handelsabkommen gehijackt, um ihre überzogenen und Grundrechte schleifenden Vorstellungen in den Vertrag einzubringen.

4. Wollen Sie damit verschleiern, dass ACTA erst durch die demokratiefeindlichen Bestrebungen einiger Rechteverwerter zum Ziel von Netzaktivisten wurde und damit zum Scheitern verurteilt war?

5. Warum fördern Sie selbst durch ihre verkürzende Darstellung die Desinformation, die Sie so verurteilen?

Bitte beachten Sie, dass dieser Text in meinem Blog www.presseschauer.de veröffentlicht wurde und ich mir vorbehalte Ihre Antwort ebenfalls zu veröffentlichen. Sollten Sie damit nicht einverstanden sein, bitte ich Sie dem ausdrücklich zu widersprechen.

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Schultz

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Ohne hinreichende Legitimation ist das Leistungsschutzrecht nur willfährige Klientelpolitik

Jul 02 2012 Published by under medienkritik, politikerverdrossenheit, Rechteverwerter

Offenbar befinden wir uns, was das Leistungsschutzrecht für Presseverleger angeht, in der heißen Phase des Gesetzgebungsprozesses. Der Entwurf ist geleakt, es wird weiterhin spekuliert und es wird immer noch gewartet und erwartet. Es wird auf den Beschluss des Kabinetts und das Absegnen des Leistungsschutzrechts vom Bundestag gewartet. Die Erwartungshaltung des Verband Deutscher Lokalzeitungen ist dabei recht deutlich: „Leistungsschutzrecht muss kommen“. Nur die Frage nach dem „Warum“ ist nach vierjähriger Diskussion immer noch nicht beantwortet.

Letzte Woche hatte ich kurzzeitig den Eindruck als wäre Mr. Leistungsschutzrecht Christoph Keese nun mehr völlig verzweifelt. Dieser Eindruck ergab sich aus der Anzahl der Nebenkriegsschauplätze, die er allein am letzten Mittwoch befeuerte.

Zunächst zog er Beate Merk, die bayerische Justizministerin, hervor, die sich für das Leistungsschutzrecht aussprach:

„Es geht nicht an, dass der Verleger, mit dessen Inhalten Google News & Co Geld verdienen, davon nichts abbekommt“, meint Beate Merk.

Beate Merk war auch noch für das Zugangserschwerungsgesetz als die überwiegende Mehrheit der Parlamentarier dessen ausgemachten Unsinn als nicht zielführend erkannt hatte.

Als Nächstes versuchte Christoph Keese die SPD, namentlich Brigitte Zypries und Frank-Walter Steinmeier, an ihr kurzes Gedächtnis zu erinnern, weil die SPD nach Einschätzung von Christoph Keese ja mal für die Einführung eines Leistungsschutzrechtes für Presseverleger war. Nur konterte Zypries gekonnt, es wäre die Diskussion und die Prüfung anberaumt worden und diese habe zu einer Absage gegenüber dem Gesetzesvorhaben geführt.

Schlussendlich ergoss sich Christoph Keese in einer Spekulation über die möglichen Gewinne von Google Deutschland, die bei mir spontan den Eindruck erweckten: Jetzt rechnet er sich schon mal reich.

Auch nach mehrjähriger Diskussion ist der Goldtopf unter dem Ende des Regenbogens ausgemachte Sache und daher soll lediglich die Frage nach dem „Wie“ beantwortet werden. Die Erwartungshaltung der Verlage dabei ist klar: die Kasse muss endlich klingeln.

Kürzlich war im Blog des Presseschauders auch das „Gutachten“ zum geplanten Leistungsschutzrecht von Dr. Robert Heine zu lesen. Angeblich soll er seit mehreren Jahren das Thema bei den Verlegerverbänden begleiten, nur die wesentlichen Fragen, die der Referentenentwurf aufwarf, war er nicht im Stande zu beantworten. Viel mehr schien das „Gutachten“ gerade diese Fragen entscheidend auszusparen.

Als Kontrahenten in der Sache wurden Christoph Keese und Dr. Till Kreutzer, Initiator der „Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht“, von dem Evangelischen Pressedienst gebeten, einen Beitrag über ihre Position zu diesem Thema abzugeben. Christoph Keese, ganz moderner Blogger und Cheflobbyist für das Leistungsschutzrecht, stellt seinen Beitrag schon vorab zur Diskussion.

Im Folgenden möchte ich versuchen die Kritik an der Kritik zu sezieren. Dabei setze ich mich inhaltlich mit dem Beitrag von Christoph Keese auseinander. Als Ergänzung befasse ich mich mit dem Urteil des Bundesgerichtshof „Vorschaubilder – Google Thumbnails“ (Az. I ZR 69/08), das ich in diesem Zusammenhang für relevant halte. Anschließend gehe ich auf das Rechtsgutachten „Leistungsschutzrecht für Sportveranstalter?“ aus dem Jahre 2006 von Prof. Dr. Reto M. Hilty und Frau Dr. Frauke Henning-Bodewig (in Auftrag gegeben von: Deutscher Fußball-Bund e.V., DFL Deutsche Fußball Liga GmbH, DOSB Deutscher Olympischer Sportbund, Senatskanzlei Berlin, Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen und der Bayerischen Staatskanzlei) ein.

1. Replik auf den Gastbeitrag von Christoph Keese für den EPD

„Wenn Verlage heute ohne Leistungsschutzrecht gegen ungenehmigte Kopien in gewerblichem Maßstab vorgehen, verlangen ihnen die Gerichte regelmäßig den Nachweis der gesamten Rechtekette ab. Obwohl dieser Nachweis im Einzelfall natürlich erbracht werden kann, lässt er sich im großen Maßstab nicht bewältigen.

Das liegt daran, dass Verlage typischerweise mit einer großen Zahl von freien Mitarbeitern zusammenarbeiten. Große Zeitungen führen bis zu 30.000 freie Mitarbeiter, die alle zu unterschiedlichen Zeitpunkten und mit unterschiedlichen Vertragskonstruktionen, oft genug sogar ohne Vertrag in die Dienste der Zeitung getreten sind. Die Unübersichtlichkeit der rechtlichen Lage ist dem tagesaktuellen Arbeiten der Presse geschuldet und kann nicht ohne weiteres geändert werden.“, schreibt Christoph Keese (im Weiteren CK)

Dass dieser Nachweis der Rechtekette tatsächlich möglich ist, stellt Christoph Keese im selben Text wenige Zeilen entfernt in Frage:

„Es muss möglich sein und bleiben, dass Redaktionen freie Mitarbeiter unkompliziert beauftragen und ihre Texte verwenden können, noch bevor die Rechtsabteilung einen wirksamen Vertrag mit dem Urheber abschließen kann.“, CK

Er gesteht quasi ein, dass die Verlage nicht ohne weiteres alle Rechte klären können. Viel mehr stilisiert er den Wunsch der Verlage Inhalte auch ohne geklärte Rechte nutzen zu wollen zum Erfordernis, der „dem tagesaktuellen Arbeiten der Presse geschuldet“ ist und „nicht ohne weiteres geändert werden“ kann. Obwohl er genau das, also diese erforderliche Lizenzierung, im Umgang mit dem avisierten Leistungsschutzrecht von Suchmaschinen, Aggregatoren und anderen gewerblichen Nutzern erwartet.

„Finden nun massenhafte gewerbliche Kopien von Webseiten der Verlage statt, so sind Verlage vor den Gerichten systematisch benachteiligt, da sie für jeden einzelnen Text nachweisen müssen, wann sie welche Rechte vom Urheber übertragen bekommen haben. Dies verursacht hohe Kosten und ist angesichts der industriellen, oft automatisierten Kopiervorgänge nicht zu leisten. Er kann ihnen ihre Tätigkeit nie im Ganzen untersagen, sondern muss immer versuchen, einzelne Texte zu sperren – und das gelingt ihm auch nur durch aufwändige Vertragsrecherche und Beweisführung vor Gericht.“, CK

An dieser Stelle beginnt er sich als Freund und Unterstützer der Journalisten zu gerieren. Er schiebt Kritikern in die Schuhe, eine gängige Praxis der Verlage zu befürworten, die das Leistungsschutzrecht an dieser Stelle in Frage stellt.

„Die einzige Alternative wären so genannte Total-Buy-out-Verträge, bei denen Urheber all jene Rechte an den Verlag abtreten, die das Urheberrecht zur Abtretung zulässt. Diese Alternative wird von Kritikern des Leistungsrechtes immer wieder ins Gespräch gebracht.“, CK

Spätesten an dieser Stelle fragt man sich, ob er als Vorstandsmitglied und Cheflobbyist dermaßen vom journalistischen Betrieb abgekoppelt ist. Bekommt er nicht mit, wie Verlage nach seinem Verständnis gegen den Sinn einer „Freien und vielfältigen Presse“ agieren?

„Es kann nicht im Sinne der Freien und vielfältige Presse sein, dass Verlage rigide Standardverträge zum zwingenden Standard machen und keine Beiträge mehr von Urhebern annehmen, die sich diesem Regime nicht unterwerfen.“, CK

Nicht umsonst werden diese Praktiken von freien Journalisten und journalistischen Gewerkschaften seit Jahren angeprangert und regelmäßig vor Gericht gebracht. Gerade die Axel Springer AG hat wegen ihrer einseitigen und ausbeuterischen AGBs vor Gericht schon verloren.

„Das Leistungsschutzrecht für Presseverlage bietet den einzig praktikablen Ausweg, die Rechteverfolgung im Internet so zu organisieren, dass Urheber dabei keinen Schaden nehmen. Es ist die mildeste aller zu Verfügung stehenden Möglichkeiten.“, CK

Selbst wenn Total-Buy-out-Verträge von Kritikern mehr höhnisch, ob der Gegebenheiten, ins Feld geführt werden, so bleibt die Behauptung, das Leistungsschutzrecht für Presseverlage wäre der einzig praktikable Ausweg, fragwürdig. So wäre das Leistungsschutzrecht für Datenbankhersteller, nach Aussagen von Prof. Dr. Reto M. Hilty, ein Ausschließlichkeitsrecht, das Verlegern bereits zusteht und Abhilfe schaffen könnte. Hier behauptet Christoph Keese, dieses Recht würde den Verlagen nicht helfen, da es „nur“ wesentliche Teile der Datenbank, aber nicht einen einzelnen Datensatz schützen würde. Er und seine Kollegen sprechen immer wieder von der systematischen, automatisierten und umfänglichen Übernahme von Verlagsinhalten, was daran unwesentlich sein soll und zur Nichtanwendbarkeit dieses Gesetzes führen soll, konnten er mir nicht beantworten.

In einem weiteren Punkt ist das Leistungsschutzrecht für Datenbankhersteller erwähnenswert, obgleich damit ein Vorgriff auf das Gutachten von Prof. Dr. Reto M. Hilty erfolgt. So liest man gleich unter der Überschrift des Teilabschnittes 2. C. „Rechtfertigung für die Schaffung neuer Leistungsschutzrechte“ folgenden bemerkenswerten Satz.

„Es bedarf keiner näheren Erläuterung, dass der in Frage stehende Sachverhalt nicht (auch nicht im Wege der Analogie) von den bestehenden Ausschließlichkeitsrechten abgedeckt sein darf.“, erläutern Prof. Dr. Reto M. Hilty und Frau Dr. Frauke Henning-Bodewig (im Hilty et all.)

Von Verlegerseite wird gern behauptet, das neue Leistungsschutzrecht würde sich nahtlos in die bestehende Gesetzgebung einfügen. Stattdessen ist die eklatante Überlappung mit dem Urheberrecht und mit dem Leistungsschutzrecht für Datenbankhersteller offensichtlich. Einzig kleine Teile eines Presseerzeugnisses werden weder vom Urheberrecht noch vom Leistungsschutzrecht für Datenbankhersteller geschützt und stellen für sich einen der umstrittensten Punkte des avisierten Rechts dar.

„Dabei steht das Leistungsschutzrecht konfliktfrei neben dem Recht des Autoren. Es kommt zu keinen Überschneidungen.“, CK

Um diese angebliche Konfliktfreiheit zu unterstreichen, versucht er den Schutzgegenstand zu umreißen.

„Schutzgegenstand sind nicht die Texte – diese sind ausschließlich durch das Recht des Urhebers geschützt. Vielmehr schützt das Leistungsschutzrecht die Investitionen, die der Verlag vorgenommen hat, um in den Autoren vorzufinanzieren, sein Werk unter seiner Marke zu veröffentlichen, Kunden zu erreichen, das Produkt an diese auszuliefern und Geld in Rechnung zu stellen.“, CK

Ok, also nicht die Texte sollen geschützt werden (dieser Schutz steht nur den Urhebern zu), sondern die Investition. Dann beschreibt er erhebliche Investitionen der Verlage. Dies sind, so seine Ausführungen, „auch Vorspänne oder Absätze“ also kurz: Texte.

„Auch Vorspänne oder Absätze sind die Folge erheblicher Investitionen der Verlage. Oft genug steckt in den Vorspännen, so genannten Snippets, viel Arbeit. Sie müssen präzise formuliert werden und den Nachrichtenkern in wenigen prägnanten Worten auf den Punkt bringen. Daher muss ein Leistungsschutzrecht zwingend auch kürzere Ausschnitte aus Artikeln erfassen.“, CK

Schutzgegenstand sind also nicht die Texte, aber Teile davon, und diese müssen gegen ungebührliche, gewerbliche und öffentliche Zugänglichmachung geschützt werden. Logisch, eine klarere Abgrenzung kann man sich vom Gesetzgeber kaum wünschen. Das Lob der Verlage für den Referentenentwurf ist vollkommen berechtigt.

„Linksammlungen samt Überschriften als Textanker sind als bibliografische Hinweise anzusehen und werden nicht erfasst.“, CK

Der Referentenentwurf des Leistungsschutzrechts erfasst Überschriften inhaltlich nicht explizit. Implizit sind Überschriften Teile von Presseerzeugnissen, die durch dieses Recht geschützt werden sollen. Für das neue Recht sollen die bestehenden Schranken des Urheberrechts gelten: z.B. das Zitatrecht. Um die Implikation des Entwurfs zu verstehen muss man wissen, was überhaupt ein Zitat ist. Wesentlich für ein Zitat ist, selbst Teil eines neuen Werks zu sein und eine inhaltliche Auseinandersetzung ist ebenso erforderlich. Im Rahmen des Zitatrechts sind Quellenangaben nach § 63 UrhG, also „bibliografische Hinweise“, anzugeben. Daraus lässt sich schließen: nur wenn die Linksammlung samt Überschriften Teil eines eigenständigen Werks ist, ist sie vom Leistungsschutzrecht ausgenommen. Ein Artikel, der etwa nur die Überschriften und Links zu einem Dutzend Artikeln enthält und dokumentieren soll, was man so über den Tag Interessantes gelesen hat, dürfte kein eigenständiges Werk darstellen.

„Tweets und Posts bei Facebook werden meistens selber eingetippt und unterliegen schon deswegen nicht dem Leistungsschutzrecht, das nur die Kopie, nicht aber das Abschreiben lizenzpflichtig macht.“, CK

Mir ist nicht bekannt, ob Christoph Keese auf den in seinem Blog angebrachten Button zum Teilen seiner Artikel auf Twitter je gedrückt hat. Derartige Buttons gibt es häufig auch auf Verlagsseiten und für andere Netzwerke. Sie bewirken, dass automatisch Teile von Presseerzeugnissen mit zwei Klicks öffentlich zugänglich gemacht werden. Wer bei Facebook eine URL hineinkopiert, dem wird das Posting nicht nur um den Anriss des Artikels automatisch aufgefüllt, sondern auch noch mit einem Bild aus dem Artikel. Wie das Abschreiben nicht zu einer Kopie führen kann, ist mir indes völlig schleierhaft.

„Die von Bloggern vorgebrachte Kritik am Leistungsschutzrecht übersieht, dass Blogger zu den Hauptprofiteuren gemacht werden. Ihnen kommt das Leistungsschutzrecht in gleichem Maße zu wie Verlagen. Dadurch ergeben sich neue Verdienstmöglichkeiten für alle Blogger, die dies wünschen.“, CK

Vor einigen Tagen hatte Christoph Keese Verleger und Blogger ermahnt, das neue Leistungsschutzrecht verantwortungsvoll zu nutzen. Offenbar ist er sich des Missbrauchspotentials dieses neuen Rechts durchaus bewusst, aber er könne künftigen Berechtigten keine Vorschriften machen. Natürlich wünscht er sich keine Abmahnwellen, doch warum sollten Abmahnanwälten auf ein einträgliches Geschäft verzichten?

Für mich ergibt sich aus dem Anpreisen „Blogger können mit dem Leistungsschutzrecht Geld verdienen“ lediglich eine weitere juristische Fußschlinge als gewerblich eingestuft werden zu können. Im Referentenentwurf ist dazu folgendes zu lesen:

„Wenn ein Blog sich als eine redaktionell ausgewählte Sammlung journalistischer Beiträge darstellt, die fortlaufend unter einem Titel erscheint, wird auch ein Blogger durch das neue Leistungsschutzrecht geschützt und ist damit vergütungsberechtigt, wenn andere seinen Blog nutzen. […] Wenn sich sein Blog als eine verlagstypische Leistung darstellt, kommt der Blogger in den Genuss des neuen Leistungsschutzrechts. Für die Online-Nutzung von Presserzeugnissen Dritter muss er jedoch eine Lizenz erwerben.“, Referentenentwurf

Die Pflicht Lizenzen erwerben zu müssen, kann nach dem Gesetzesentwurf nur aus der Einstufung als gewerbliche Nutzung gefolgert werden. Dabei ergibt sich diese nach der Begründung nicht aus einer Gewinnerzielungsabsicht, sondern schlicht aus dem Umstand eine „verlagstypische Leistung“ zu erbringen.

„Die einzige Kreativbranche, die kein eigenes Schutzrecht genießt, sind Presseverlage. Diese Lücke zu schließen, ist jetzt geboten.“ CK

Es ist wohl das schwächste Argument, das in der Diskussion um ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger regelmäßig bemüht wird und es ist auch noch eine dreiste Lüge. So haben weder Modelabels noch Gastronomiebetriebe ein Leistungsschutzrecht. Gut, manchem Koch könnte man vielleicht noch die Kreativität absprechen, aber Modedesignern generell?

„Jahrelang hatten Kritiker von „Zwangsabgaben“ gesprochen, die vom Leistungsschutzrecht geschaffen werden würden. Diese Kritik ist inzwischen vollständig verstummt. Es hat sich bewahrheitet, was Verlage stets betont hatten: Das Gesetz zielt nicht auf Zwangsabgaben, sondern auf freiwillige Lizenzen.“, CK

Niemand aus dem Kreise der Leistungsschutzrechtbefürworter war bisher im Stande zu erklären, ob Google die dann von einem Leistungsschutzrecht geschützten Inhalte zwanglos ablehnen kann. Als ich Christoph Keese auf die Möglichkeit der Deindizierung durch Google ansprach, brachte er selbst das Kartellrecht ins Spiel. Dabei wird er nicht müde, immer wieder auf die Marktmacht von Google zu verweisen. Zusammen hört sich das wie die unausgesprochene Drohung an, wenn ihr die Lizenzierung nicht wollt und uns deshalb aus dem Index werft, dann streben wir ein Kartellverfahren gegen euch an. Mir ist dadurch weiterhin schleierhaft wie „freiwillig“ Google sich entscheiden kann. Wenn Google sich trotz seiner Marktmacht nicht freiwillig entscheiden kann, erfolgt die Lizenzierung unter Zwang.

Sicherlich muss etwa ein Stromnetzbetreibern den diskriminierungsfreien Zugang und eine Durchleitung gewähren. Dies muss aufgrund der Monopolstellung eines Netzbetreibers zu einem fairen Preis erfolgen, der von dem zu entrichten ist, der Durchleitung wünscht. Nur schwebt den Verlagen vor, den bisher fairen Preis von Null in einen negativen Preis zu verwandeln. Der Stromnetzbetreiber soll nicht nur Zugang gewähren, sondern auch noch für die Dienstleistung der Durchleitung bezahlen.

„Nun, da der Gesetzentwurf keine Verwertungsgesellschaftspflicht enthält, wendet sich ihre Kritik in das Gegenteil. Sie bemängeln nun das Fehlen einer solchen Pflicht. Es wäre sinnvoll, wenn die Kritiker des Leistungsschutzrechts zu einer stringenten Argumentation finden könnten und sich dafür entscheiden würden, ob sie eine Wahrnehmung durch eine Verwertungsgesellschaft verpflichtend machen wollen oder die Entscheidung lieber in die Hände der einzelnen Rechteinhaber legen. Beides auf einmal zu kritisieren, ist unredlich und nicht zielführend.“, CK

Zunächst einmal ist es unredlich und nicht zielführend die Kritiker des Leistungsschutzrechts in einen Topf zu werfen und eine stringente Argumentation zu erwarten. Es gibt Gründe, die gegen ein Leistungsschutzrecht mit Verwertungsgesellschaft sprechen, etwa die Abkehr von marktwirtschaftlichen Prinzipien durch monopolistische Preisbildung oder etwa die bei Verwertungsgesellschaften übliche Benachteiligung der kleinen Player. Kein Wunder das gerade von Seiten der FDP kein Interesse besteht, zusätzlich zum Monopolrecht, in Form des Ausschließlichkeitsrechts, gleich noch eine monopolistische Verwertungsgesellschaft miteinzuführen. Das Leistungsschutzrecht ist schon ohne Verwertungsgesellschaft die wettbewerbsfeindlichste gesetzgeberische Maßnahme der FDP in diesem Jahrhundert.

Genauso gibt es Gründe, die gegen ein Leistungsschutzrecht ohne Verwertungsgesellschaft sprechen. Hier wäre der enorme Aufwand zu nennen, der seitens der Rechtenehmer erbracht werden muss, um die Inhalte ordnungsgemäß zu lizenzieren. Da nach dem Referentenentwurf theoretisch auch jeder Blogger Lizenzgeber werden kann, sofern seine Publikation die dort genannten Kriterien erfüllt, steigt die Anzahl der Verhandlungspartner, mit denen Suchmaschinen, Aggregatoren und andere gewerbliche Nutzer in Kontakt treten müssen, von einigen Hundert auf Hunderttausende an. Auch hier ist davon auszugehen, dass gerade die kleineren Marktteilnehmer benachteiligt werden, da die Transaktionskosten im Verhältnis zum Nutzen für die Rechte im Longtail zunehmen.

Für Kritiker, die das Leistungsschutzrecht an sich ablehnen, ist die Frage nach einem Leistungsschutzrecht mit oder ohne Verwertungsgesellschaft einigermaßen belanglos. Insofern ist ein Schwenk in der Argumentation durchaus zielführend, solange er sich weiterhin gegen das Leistungsschutzrecht richtet. Dazu zählt etwa die Kritik, dass ein Leistungsschutzrecht der Pressevielfalt schadet, da das Leistungsschutzrecht einen zusätzlichen Anreiz für möglichst massenkompatible Inhalte schafft und damit der Meinungsbildung im Sinne des Grundgesetzes schadet.

Da die anhaltende Fundamentalkritik verständlicherweise nicht im Sinne der Verlage und schon gar nicht im Sinne von Christoph Keese ist, versucht er die Kompromissfindung positiv hervorzuheben. Hierbei unterstreicht er immer wieder die Zugeständnisse, die die Verlage in diesem Prozess schon machen mussten, um ihre Kompromissbereitschaft zu verdeutlichen.

„So hatten die Verlage beispielsweise angeregt, eine deutliche längere Schutzfrist einzuführen. Musikhersteller genießen beispielsweise einen Schutz von 50 Jahren. Für die Verlage ist eine äußerst kurze Schutzfrist von nur einem Jahr heraus gekommen. Sie stellt die kürzeste Schutzfrist aller Leistungsschutzrechte im Gesetz dar. Es ist daher ganz und gar unberechtigt, von Willfährigkeit der Politik gegenüber den Verlagen zu sprechen. Tatsächlich handelt es sich beim vorliegenden Entwurf um eine „kleine Lösung“.“, CK

Exakt das, was Christoph Keese als angeblich so „kleine Lösung“ präsentiert, ist nach wie vor und berechtigterweise als Willfährigkeit der Politik gegenüber den Verlagen zu bezeichnen. Es bleibt weiterhin ein ungerechtfertigter Eingriff in den Markt, der bis heute nicht ausreichenden begründet wurde. Da hilft auch keine Sandkastenargumentation à la „Warum die Anderen aber ich nicht?“.

„So hatte sich der BDI in den vergangenen Jahren deutlich gegen eine Verwertungsgesellschaftspflicht ausgesprochen und sich dagegen gewandt, dass auch Vervielfältigungen vom Leistungsschutzrecht umfasst werden – also gewerbliche Kopien, wie sie beispielsweise auf lokalen Druckern angefertigt werden. Dies ist ein eine wichtige Nutzungsformen von Wirtschaftsunternehmen. Solche Vervielfältigungen werden vom vorliegenden Gesetzesentwurf nun nicht erfasst. Die Verlage haben hinzunehmen, dass gewerbliche Ausdrucke und lokale Speicherungen ihrer Leistungen in Firmen weiterhin kostenlos bleiben.

Es ist nicht einsichtig, warum der BDI trotz dieses Verhandlungserfolges das verbliebene kleine Leistungsschutzrecht mit überschaubaren Rechten der Verlage weiterhin im Grundsatz kritisiert.“, CK

Dabei suggeriert er, dass das Nichterfassen gewerblicher Kopien durch das Leistungsschutzrecht ein Zugeständnis der Verleger wäre. Man muss sich allerdings fragen, ob dem wirklich so ist, nachdem die firmeninterne Sperrung von Verlagsangeboten bereits diskutiert wurde. Schon jetzt ist nicht jedes Unternehmen von der lizenzfreien Nutzung von Verlagsangeboten währende der Arbeitszeit begeistert. Warum sollte man dafür auch noch etwas bezahlen? Sollen die Mitarbeiter doch daheim Zeitung lesen. Soll das jetzt ein Verhandlungserfolg des BDI sein oder ist das eher die Einsicht der Verlage lieber nicht auch noch Werbeeinnahmen aufs Spiel zu setzen?

Hiermit wird auch klar, warum sich Christoph Keese mit Beate Merk, dem kurzen Gedächtnis der SPD und den Geschäftszahlen von Google beschäftigt. Es soll wohl schlicht von dem Brief des BDI an die Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger ablenken, in dem steht, es gebe „keine hinreichende Legitimation“ für das Leistungsschutzrecht für Presseverleger.

2. BGH – „Vorschaubilder – Google Thumbnails“

Selbst wenn den Verlagen ein Leistungsschutzrecht zugestanden wird, bleibt fraglich, ob sie es tatsächlich geltend machen können. Hier sind wir noch mal bei der Behauptung der Verlage, das neue Leistungsschutzrecht würde sich nahtlos in die bestehende Rechtsordnung einfügen. Wenn jemand über ein Ausschließlichkeitsrecht verfügt, hängt es auch von seinem Verhalten ab, ob es ihm gewährt wird. Diese Erfahrung musste eine Künstlerin machen, die sich durch die Google Bildersuche in ihren Rechten als Urheber verletzt sah und deren Klage vor dem Bundesgerichtshof abgewiesen wurde.

„Einen Unterlassungsanspruch der Klägerin wegen Verletzung des urheberrechtlichen Verwertungsrechts der Klägerin, ihre Werke in unkörperlicher Form öffentlich wiederzugeben (§ 15 Abs. 2 UrhG), hat das Berufungsgericht im Ergebnis gleichfalls zu Recht verneint. Die Beklagte hat zwar dadurch, dass bei Eingabe des Namens der Klägerin als Suchwort deren Kunstwerke in den Vorschaubildern der Bildersuchmaschine der Beklagten abgebildet wurden, das Recht der Klägerin auf öffentliches Zugänglichmachen ihrer Kunstwerke verletzt (§ 15 Abs. 2 Satz 2 Nr. 2, § 19a UrhG). Entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts hat die Beklagte dabei jedoch nicht rechtswidrig gehandelt, weil sie aufgrund einer Einwilligung der Klägerin zu der beanstandeten Nutzung der Werke in den Vorschaubildern berechtigt war.“, BGH, Urteil v. 29.04.2010, Az. I ZR 69/08

Ups, ein Einwilligung der Künstlerin sieht der BGH hier…

„Der Umstand, dass Internetnutzern allgemein der Einsatz von Suchmaschinen bekannt ist und die Klägerin im vorliegenden Fall nach den Feststellungen des Berufungsgerichts sogar durch Aufnahme bestimmter Wortlisten in den Quellcode ihrer Internetseite Suchmaschinen den Zugriff auf ihre Seite erleichtert hat, genügt, wie das Berufungsgericht weiter rechtlich unbedenklich angenommen hat, gleichfalls nicht für die Annahme, darin liege notwendig der objektiv erkennbare Erklärungswille der Klägerin, der Beklagten gerade auch ein Recht zur Nutzung der Werke der Klägerin im Wege von Vorschaubildern der Suchmaschine der Beklagten (unentgeltlich) einzuräumen. Dass bestimmte Texte oder Wörter von der Suchmaschine gefunden werden sollen, bringt nicht unzweideutig den Willen zum Ausdruck, dass dem Suchmaschinenbetreiber das Recht übertragen werden soll, auch Abbildungen, die im Zusammenhang mit diesen Wörtern von der Suchmaschine auf der Internetseite aufgefunden werden, im Wege von Vorschaubildern verkleinert anzuzeigen.“, BGH, Urteil v. 29.04.2010, Az. I ZR 69/08

Auch den Verlagen ist der Einsatz von Suchmaschinen bekannt und auch sie bekräftigen im Sinne des Urteils, gefunden werden zu wollen. Verlage investieren in Suchmaschinenoptimierung, weil es wirtschaftlich profitabel ist, da der Besucherzustrom die Werbeeinahmen nach oben schnellen lässt und sie in diesem Zusammenhang Google sogar als Partner sehen.

„Der Klägerin steht der geltend gemachte Unterlassungsanspruch vielmehr auch dann nicht zu, wenn sie zwar, wie oben ausgeführt, der Beklagten kein entsprechendes Nutzungsrecht eingeräumt und ihr die Werknutzung auch nicht schuldrechtlich gestattet hat, ihrem (schlüssigen) Verhalten aber die objektive Erklärung entnommen werden kann, sie sei mit der Nutzung ihrer Werke durch die Bildersuchmaschine der Beklagten einverstanden.“, BGH, Urteil v. 29.04.2010, Az. I ZR 69/08

Implizit erteilt der Bundesgerichtshof damit der Idee, bei einer Suchmaschine indiziert und gleichzeitig dafür Geld aus einem Leistungsschutzrecht kassieren zu können, eine Absage. Insofern mögen die Verleger vielleicht noch kartellrechtlich in der Lage sein, sich in den Index zu klagen, aber sie räumen die unentgeltliche Nutzung schon durch ihr Verhalten ein. Hier erkennt der BGH faktisch die Leistung der Suchmaschine, Aufmerksamkeit an den Seitenbetreiber zu liefern, als etwas an, das der Seitenbetreiber nur gegen den Verzicht auf eigene sich aus dem Urheberrecht ergebende Ansprüche haben können.

„Da die Einwilligung mit dem Einstellen der Abbildungen der entsprechenden Werke in das Internet ohne hinreichende Sicherungen gegen das Auffinden durch Bildersuchmaschinen erklärt wird, bedarf es für einen rechtlich beachtlichen Widerruf jedoch grundsätzlich eines gegenläufigen Verhaltens, also der Vornahme der entsprechenden Sicherungen gegen das Auffinden der eingestellten Bilder durch Bildersuchmaschinen. Setzt der Berechtigte dagegen seine Werke weiterhin ungesichert dem Zugriff durch Bildersuchmaschinen aus, obwohl er von deren Anzeige in Vorschaubildern Kenntnis erlangt hat, bleibt der Erklärungsgehalt seines Verhaltens unverändert.“, BGH, Urteil v. 29.04.2010, Az. I ZR 69/08

Damit Verlage durch ihr Verhalten darlegen, dass sie sich aus dem Leistungsschutzrecht finanzielle Erträge erwarten, müssten sie ihre Angebote mit Paywalls versehen und Google & Co. per robots.txt ihr Desinteresse an der Indizierung signalisieren. Diese Lösung funktioniert bereits heute ohne ein neues Gesetz und die Verlage können sofort Geld für die Zustimmung zur Indizierung verlangen, wie das z.B. die New York Time bei Flipboard bereits vormacht.

„Der Klägerin ist es ohne weiteres zuzumuten, hinreichende Sicherungsmaßnahmen gegen das Auffinden ihrer Werke durch Bildersuchmaschinen allgemein oder gerade durch die Bildersuchmaschine der Beklagten vorzunehmen, wenn sie derartige Nutzungshandlungen verhindern will. Dagegen müsste die Beklagte für jede Abbildung, die ihre Suchmaschine technisch in Vorschaubildern erfassen kann, jeweils gesondert prüfen, ob unabhängig von der Vornahme technischer Sicherungen ein Berechtigter gegebenenfalls auf andere Art und Weise einen beachtlichen Widerspruch gegen die betreffende Nutzungshandlung erhoben hat. Eine solche Überprüfung im Einzelfall ist für den Betreiber einer auf die Vorhaltung einer unübersehbaren Menge von Bildern ausgerichteten Bildersuchmaschine nicht zumutbar.“, BGH, Urteil v. 29.04.2010, Az. I ZR 69/08

Nach der Behauptung, das Leistungsschutzrecht würde sich nahtlos in die bestehende Rechtsordnung einfügen, ist es für Google und andere Suchmaschinen bedeutungslos, denn die Verlage legitimieren die Nutzungshandlung des öffentlich Zugänglichmachens eben durch ihr Verhalten, das in Analogie zum BGH Urteil als Einwilligung verstanden werden muss.

3. Rechtsgutachten „Leistungsschutzrecht für Sportveranstalter?“

Da nun die Untauglichkeit im Hinblick auf Google (würde Christoph Keese sich wohl die Zahlen so genau ansehen, würde er sich davon nichts versprechen?) geklärt wäre, möchte ich auf die Fundamentalkritik des BDI, der Bundesrechtsanwaltskammer und anderer eingehen. Prof. Dr. Reto M. Hilty und Frau Dr. Frauke Henning-Bodewig haben für den Deutscher Fußball-Bund e.V., DFL Deutsche Fußball Liga GmbH, DOSB Deutscher Olympischer Sportbund, Senatskanzlei Berlin, Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen und der Bayerischen Staatskanzlei ein bemerkenswertes Gutachten geschrieben, das für die aktuelle Diskussion einigermaßen ergiebig ist.

„Auch wenn das Grundgesetz wettbewerbspolitisch neutral ist, ist nach ganz h.M. einer der tragenden Grundsätze des Wirtschaftsrechts der Grundsatz der Wettbewerbsfreiheit. Die Wettbewerbsfreiheit soll dabei nur so weit wie notwendig eingeschränkt werden, wobei Monopole als die wohl gravierendste Form der Einschränkung gelten. Die Rechte des geistigen Eigentums einschließlich sog. Leistungsschutzrechte sind jedoch Ausschließlichkeitsrechte, die zu einer befristeten Einschränkung der Wettbewerbsfreiheit führen, d.h. zu zeitlich beschränkten Monopolen. Ausschließlichkeitsrechte sind deshalb nur dann vertretbar, wenn sie zur Erzielung der mit dieser „Monopoleinräumung“ beabsichtigen Wirkung erforderlich sind.

Im Ergebnis bedarf es daher einer besonderen Rechtfertigung für die Schaffung (neuer) Eigentumsrechte auf dem Gebiet des geistigen Eigentums oder des Schutzes von Investitionen. Gelingt sie nicht, so ist vom Grundsatz der Wettbewerbsfreiheit auszugehen, einschließlich der Freiheit, fremde Leistungen auszunutzen und nachzuahmen.“, Hilty et all.

In der Begründung des Referentenentwurfs kann man als Zielsetzung folgendes lesen:

„[Mit dem Leistungsschutzrecht für Presseverlage] soll gewährleistet werden, dass Presseverlage im Online-Bereich nicht schlechtergestellt sind als andere Werkvermittler; zugleich soll damit der Schutz von Presseerzeugnissen im Internet verbessert werden.“, so der Referentenentwurf

Bezogen auf Google ist jetzt schon ersichtlich, dass aufgrund des BGH Urteils zu Thumbnails die beabsichtigten Wirkung mit der Monopoleinräumung nicht erzielt werden kann. Des Weiteren demonstriert Magnus Manske mit de-LSG eindrucksvoll, warum Festlegung des Schutzgegenstandes auf kleinste Teile des Presseerzeugnisses durch das Ausnehmen von Links vom Leistungsschutzrecht konterkariert wird. Zwar berücksichtig der Entwurf damit die BGH Entscheidung zu „Paperboy“, aber er schafft dadurch eine so eklatante Lücke, die das Gesetzesvorhaben ad absurdum führt. Die von ihm programmierte Browser-Erweiterung lädt clientseitig zu einer gegebenen URL ein Snippet, was nach diesem Recht geschützt wäre, würde es durch eine Suchmaschine, einen Aggregator oder einen anderen gewerblichen Nutzer verbreitet werden. Da diese nur mehr Links verbreiten müssten, würde sich unterm Strich für den Nutzer nichts ändern, er bekäme ja schließlich nach wie vor das Snippet angezeigt. Somit ist die Monopoleinräumung, die gleichzeitig mit einer Einschränkung des Wettbewerbs einhergeht, nicht darstellbar.

„Die Rechtfertigung für die Schaffung neuer Leistungsschutzrechte liegt nicht in den wirtschaftlichen Interessen der Beteiligten. Auch noch so erhebliche Investitionen rechtfertigen nicht per se ein Ausschließlichkeitsrecht. Ob sich eine Investition lohnt oder nicht, ob eine Amortisierung der Kosten oder ein (regelmäßig angestrebter) Gewinn unter den gegebenen Marktverhältnissen realistisch ist, muss jeder Marktteilnehmer selbst entscheiden. Der Grundsatz des freien Wettbewerbs gewährleistet die Freiheit der wirtschaftlichen Betätigung; als Kehrseite der Medaille bedingt er, dass jeder auch das Risiko seiner wirtschaftlichen Betätigung trägt. […]

Grundsätzlich irrelevant ist auch, ob die fraglichen Leistungen verfassungsrechtlichen Schutz genießen. Hieraus folgt jedenfalls nicht die Verpflichtung des Gesetzgebers, diese Leistungen durch Ausschließlichkeitsrechte abzusichern. Eine verfassungsrechtlich geschützte Position oder Tätigkeit führt in erster Linie zu einem Schutz vor staatlichen Eingriffen.“, Hilty et all.

Die Verleger haben im Zusammenhang mit dem Leistungsschutzrecht immer wieder auf verfassungsrechtliche Bedeutung der Pressefreiheit hingewiesen. Für die Einführung eines Ausschließlichkeitsrechtes ist sie allerdings irrelevant und kann nicht als Begründung herangezogen werden. Vielmehr müssen Verlage den freien Wettbewerb akzeptieren, auch wenn dies für viele Verlage mit dem Fall der Gebietsmonopole einen grundsätzlichen Wandel in ihrem geschäftlichen Handeln bedeutet.

An dieser Stelle sei noch auf einen wichtigen Umstand verwiesen: die Verlage werden von niemandem gezwungen Inhalte frei verfügbar ins Internet zu stellen. Verlage haben jetzt schon die Möglichkeit mit Paywalls den Zugriff zu unterbinden. Ein Straßenmusiker, der öffentlich vor einem Café spielt, vergrößert damit sein Publikum und damit die Wahrscheinlichkeit auf finanzielle Honorierung. Aber es entstehen dadurch keine Ansprüche gegenüber dem Betreiber des Cafés, wie sie in der Logik des Leistungsschutzrechts entstehen würden. Vielmehr ergibt sich der Anreiz des frei Zugänglichmachens bei Straßenmusikern wie Verlagen aus der wirtschaftlichen Abwägung die erhöhte Aufmerksamkeit zu monetarisieren. Für die Aufmerksamkeit, die Verlagen durch die Leistung von Suchmaschinen und Aggregatoren kostenfrei zuteilwird, verlangen diese ihrerseits Geld von Werbetreibenden. Sie erwarten also kostenfreie Aufmerksamkeit, die sie wiederum veräußern können.

„Die „Incentive Theorie“ ist jedoch nicht unumstritten. In letzter Zeit hat gerade die Kommission zu einer gewissen Vorsicht gemahnt. Nicht immer führe die Schaffung neuer Leistungsschutzrechte zwangsläufig zu mehr Investitionen und geistigen Leistungen. Unmittelbarer Anlass für diese Erkenntnis war die Evaluierung der sog. Datenbankrichtlinie, deren sui-generis-Schutz mit der Notwendigkeit eines Anreizes für Investitionen in Datenbanken gerechtfertigt worden war. In der Evaluierung stellt die Kommission nunmehr ernüchtert fest, diese Begründung sei „somewhat at odds with the continued success of US-publishing and database production that thrives without ‚sui generis’-type protection“. Und schließlich: “The assumption that more and more layers of IP-protection means more innovation and growth appears not to hold up”.

Derartige Kosten/Nutzen-Überlegungen werden künftig verstärkt bereits vor Schaffung neuer Ausschließlichkeitsrechte – sowohl auf Gemeinschaftsebene als auch auf nationaler Ebene – anzustellen sein. Allein die Vermutung, dass ein Ausschließlichkeitsrecht zu Investitionen etc. anreizen könnte, genügt jedenfalls nicht. Neue Leistungsschutzrechte sind nur gerechtfertigt, wenn die Marktmechanismen nicht in der Lage sind, dafür zu sorgen, dass im Allgemeininteresse liegende Investitionen erbracht (oder verstärkt erbracht) werden.

III. Marktversagen
Die Schaffung eines neuen Leistungsschutzrechts setzt daher voraus, dass bei Fehlen eines absoluten Schutzes ein Marktversagen droht.“, Hilty et all.

In der Diskussion um das Leistungsschutzrecht ist die Frage nach dem Marktversagen zentral. Weder ist ein Marktversagen offensichtlich, noch konnte dieses von Verlagen belegt werden. Daher ist der Einschätzung des BDI und der BRAK Rechnung zu tragen und kann nicht als lästiges oder gar gegenstandsloses Detail abgetan werden. Es ist für die Legitimation des neuen Rechts immanent. Solange dieses Manko nicht ausgeräumt wurde, bleibt die Gesetzgebung klare Klientelpolitik mit zweifelhaftem Ergebnis, die die Willfährigkeit gegenüber den Verlagen untermauert.

„Hohe Investitionen (auch im Allgemeininteresse) und ein inadäquater Schutz dieser Investitionen genügen als solche jedoch nicht. Von entscheidender Bedeutung ist vielmehr, ob es infolge des lückenhaften Rechtsschutzes mit einiger Wahrscheinlichkeit zu einem Marktversagen kommen wird.“, Hilty et all.

Wir lernen also: „Steht im Koalitionsvertrag!“ und „Die Andern haben aber auch eins!“ sind keine hinreichende Begründung für ein Leistungsschutzrecht.

Fazit

„Offene Fragen und Detailänderungen können im parlamentarischen Gesetzgebungsverfahren geklärt und gegebenenfalls berücksichtigt werden. Dies sollte aber kein Argument gegen das Vorhaben als solches sein. Die Initiative ist zu wichtig, um sie in Detaildiskussionen zu zerreiben. Übertrieben und oft gegenstandslos sind die Vorhaltungen, die dem Gesetzentwurf gemacht werden. Bei der Bewertung dieser Kritikpunkte muss man berücksichtigen, von wem sie vorgebracht werden.“, CK

Meiner Meinung nach ist es unerheblich zu berücksichtigen, von wem Kritik hervorgebracht wird, solange es um die Sache als solche geht. Abseits der Sachebene ist eine Bewertung der Quelle der Kritik zweifellos interessant, aber eben nicht als Bestandteil einer sachlichen Argumentation dienlich. Christoph Keese vorzuwerfen, er setze sich im Namen der Axel Springer AG, die direkt von der gesetzgeberischen Maßnahme profitieren soll und damit indirekt zum Wohl von Christoph Keese gereicht, für das Leistungsschutzrecht ein, ist weder sachlich noch zielführend. Derartige Kritik ist genauso wenig berechtigt, wie vergleichbare in die andere Richtung – also gegen Google.

An dieser Stelle sei dennoch festgehalten: Ich werden für meine fundamentale Kritik am Leistungsschutzrecht von niemandem bezahlt, weder von Google noch vom BDI oder sonst irgendwem. Ebenso wenig bin ich Mitglied einer Partei. Ich bin praktisch der Idiot – der griechische ἰδιότης – der die dummen Fragen stellt und als Privatperson weder ein öffentliches Amt inne hat noch im Namen einer Institution handelt.

Als mündiger Bürger fühle ich mich dazu herausgefordert Politikern und Interessenvertretern auf die Finger zusehen, um untaugliche oder gar schädliche Gesetze als solche zu entlarven.

Das Leistungsschutzrecht für Presseverleger ist ein illegitimer Eingriff in die freie Marktwirtschaft, der von professionellen Lobbyisten forciert wird. Man kann noch nicht mal behaupten, es wäre zu ihren Gunsten, da mit der Einführung des Leistungsschutzrechts für Presseverlage eine Geschäftsstrategie von Google unterstützt wird, die nicht im Sinne der Verlage und nicht im Sinne der Allgemeinheit sein kann. Konkret wird durch den Schwenk von einem freiwilligen Opt-Out hin zu einem zwingenden Opt-In dem Wechsel zu Paid Inclusion Vorschub geleistet. Als ungewünschtes Nebenprodukt entsteht dabei eine nicht unerhebliche Rechtsunsicherheit, die sich als investitionshemmend für den deutschen Markt erweisen dürfte.

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BVG – Bilder aus Überwachungskameras in den Medien

Jun 11 2012 Published by under der presseschauer fragt nach, medienkritik

Sehr geehrte Damen und Herrn,

am 07.06.2012 titelte die Berliner Zeitung mit Torben P., der im U-Bahnhof Friedrichstrasse einen am Boden liegenden mit den Füßen auf den Kopf trat. Zur Bebilderung bediente sich das Blatt der Axel Springer AG bei Aufnahmen, die offensichtlich aus der Überwachungskamera der U-Bahnstation stammten. Hier findet sich ein Beispiel Bild.

Auf Seite 4 der BZ war ein längerer Artikel zu finden, der mit einem großflächigen Bild er Überwachungskamera hinterlegt war. Was mich in diesem Zusammenhang stutzig machte, war die seitlich angebrachte Quellenangabe „Foto: RBB“.

Da ich mich im Zusammenhang mit einem dem Urheberrecht anverwandten Schutzrecht fragte, ob die BZ beim RBB die nötigen Rechte für diese Bilder geklärt hatte, hackte ich dort nach. Vom Justitiariat des RBB ereilte mich nun folgende Mitteilung:

„auf Ihre Frage kann ich Ihnen mitteilen, dass der rbb keine Leistungsschutzrechte an den Bildern aus der Überwachungskamera der U-Bahnstation hat und auch nicht für sich reklamiert.“, so das Justitiariat des RBB

Hieraus resultiert für mich folgende Frage:

Unter welchen rechtlichen Bedingungen stellt die BVG Medienhäusern Bildmaterial aus Überwachungskameras zur Verfügung?

Bitte beachten Sie, dass dieser Text in meinem Blog www.presseschauer.de veröffentlicht wurde und ich mir vorbehalte Ihre Antwort ebenfalls zu veröffentlichen. Sollten Sie damit nicht einverstanden sein, bitte ich Sie dem ausdrücklich zu widersprechen.

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Schultz

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